Am 19. Juli 711 kommt es im Zuge der islamischen Expansion zur mehrtägigen Schlacht am Río Guadalete zwischen den Arabern und Berbern unter Tāriq ibn Ziyād und den Westgoten unter König Roderich. Die Niederlage der Westgoten ermöglicht den Arabern die Eroberung der Iberischen Halbinsel. Erst 1492 kann die gesamte iberische Halbinsel im Zuge der knapp 800 Jahre dauernden „Reconquista“ von den Muslimen befreit werden.

19. Juli 711 – ein Berberheer überquert die Straße von Gibraltar

Die Schlacht am Rio Guadalete begann am 19. Juli 711 und dauerte acht Tage bis zum 26. Juli.[2] Der genaue Schlachtort ist unbekannt, er liegt wohl südlich von Arcos de la Frontera (Provinz Cádiz). Das großteils aus Berbern bestehende muslimische Heer unter der Führung von Tāriq ibn Ziyād hatte im Frühjahr 711 die Straße von Gibraltar überquert und war so auf die Iberische Halbinsel vorgedrungen. Ob von Anfang an eine Eroberung des Gebietes geplant war, oder ob es den Muslimen eher um die Sicherung Nordafrikas ging, ist unklar.

Umstrittene Angabe der Heeresgröße

Zu dieser Zeit befand sich der Westgotenkönig Roderich auf einem Feldzug gegen die Basken im Norden; von dort zog er zur Abwehr der muslimischen Invasion herbei. Nach den Angaben von späten arabischen Quellen zählte das muslimische Heer 12.000 Mann, was eine für diese Zeit durchaus plausible Angabe ist; das westgotische Aufgebot soll wesentlich stärker gewesen sein (es werden Zahlen von bis zu 100.000 Mann genannt), diese Angaben sind aber umstritten, da die arabischen Autoren dazu neigten, die Stärke der Gegner zu übertreiben; ein so großes Heer wäre damals kaum zu versorgen gewesen.

Ein kleines Gebiet hält stand und wird später zum Ausgangspunkt der Reconquista

Sicher ist nur, daß die Niederlage der Verteidiger vernichtend war und daß König Roderich in der Schlacht fiel. Die Reste der gotischen Streitmacht flohen nach Norden. Sie nahmen Roderichs Leichnam mit und bestatteten ihn in der Stadt Viseu im heutigen Nordportugal.

Roderichs ehemaliger spatharius Pelagius (Pelayo) konnte zwar im Norden der Iberischen Halbinsel ein kleines, unwegsames Gebiet verteidigen, das viel später zum Ausgangspunkt der Reconquista wurde, doch der größte Teil des Landes fiel nach der Niederlage von 711 für knapp acht Jahrhunderte an die Angreifer.

Jan Ackermeier
Bild: „Die Schlacht am Rio Guadalete“; Gemälde von Mariano Barbasán Langueruela, 1882, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mariano_Barbas%C3%A1n_-_Batalla_de_Guadalete.jpg, Quelle/Fotograf: Christie’s, LotFinder: Eintrag 5601972, Auktion 6836, Lot 163, London, 27. September 2012