Wie kommen wir zu unseren Überzeugungen? Ein paar Überlegungen, auf welchem Wege wir in der heutigen Medienlandschaft selbstbestimmt zu Erkenntnissen gelangen können.

Natürlich steht es nach wie vor den Massenmedien zu, uns mit ersten Informationen zu versorgen. Hin und wieder versagen diese aber und Meldungen, über protestierende kanadische LKW-Fahrer beispielsweise, schafften es erst 14 Tage zu spät in die meinungsmachenden Medien.

kultureller Bürgerkrieg: Freiheit gegen Sicherheit

Deutschland ist extrem sicherheitsorientiert. Wenn der Bürger die Wahl zwischen Freiheit und Sicherheit hat, wird er im Zweifel die Sicherheit vorziehen. Das gilt zu vorderst für die materielle Sicherheit  – schließlich hatten wir das ungeheure Privileg, zwei Generationen lang in Frieden und wirtschaftlicher Prosperität zu leben. Diese beiden Generationen haben nicht das Bedürfnis, die Frage zu stellen, was ihnen dieses angenehme Leben garantiert.

Und diese wird nun seit geraumer Zeit fundamental erschüttert – mit jeder neuen Krise in potenziertem Ausmaß.

Aber wer könnte Sicherheit vermitteln?

Man hält die zuständigen Leute für zuständig

Es wachsen Zweifel in die Experten und deren „Heiligkeit“. Durch alle Debattenbereiche. Was haben die Redaktionsstuben nicht alles an Experten hervorgebracht. Mein erster Zweifel am Expertentum – da kann ich mich noch gut daran erinnern – kam auf, als man uns Theo Koll als Terrorismusexperten des ZDF vorstellte.

Der Zweifel – Ursprung jeden Fortschritts

Der Zweifel ist zunächst eine Negativhaltung. Er lehnt etwas ab, er zieht etwas in Zweifel, er führt nicht zu einer neuen Gewissheit und beinhaltet nichts Aufbauendes. Mit Ausnahme der uns bekannten Methodik: Alles, was die Massenmedien präsentieren, erst einmal in Zweifel ziehen – dann liegen Sie meist richtig (wir berichteten).

Der Zweifel verunsichert – und selbst in universitärem Umfeld gibt man sich heute sehr schnell mit konventionellen Wahrheiten zufrieden, die dann lehrbuchmäßig durchgearbeitet werden. Wie sonst ist die Verschulung nahezu aller Studiengänge – Stichwort Bachelor – zu erklären?

Der Zweifel ist einfach verschwunden – sei es aus Bequemlichkeit oder aus Mangel an Bereitschaft, sich auf Unsicherheiten einzulassen. Eine wachsende Minderheit hat aber endlich erkannt, dass ohne den Zweifel die Freiheit des Denkens nicht bewahrt werden kann.

Glaubwürdigkeitskrise der Medien

Die traditionellen Medien befinden sich in einer  Glaubwürdigkeitskrise, weil sie ihre Hausaufgaben nicht in ausreichendem Maße oder gar nicht erledigt haben: das Hinterfragen, das Zweifeln, das Anzweifeln und vor allem die selbstständige Recherche. Wer allein mit der Wissenschaft argumentiert, verkennt, dass es DIE Wissenschaft nicht gibt und dass der Forschungsantrieb der Wissenschaft der Zweifel ist.

Wer es sich daher erlaubt, Skepsis zu entwickeln, wird sogleich als Leugner diffamiert. Wer die berechtigten Sicherheitsinteressen der Bevölkerung in Frage stellt, steht sofort auf der Seite des Bösen. Die Haltungsmedien bedienen sich dabei eines Tricks. Sie definieren Begriffe und Themenbereiche, die sie inhaltlich klar besetzen und militant verteidigen.

Klima, Killervirus, drohender Atomkrieg: alles Totschlägerbegriffe, die jede Diskussion im Keim ersticken. Und wer es trotzdem wagt, dem zu widersprechen, der gilt als Diskussionsgegner, den man bekämpfen, sanktionieren und gesellschaftlich ächten muss. Er wird als vogelfrei definiert. Jeder darf, ja muss über ihn herfallen.

Aber wir beobachten einen gesunden Lernprozess: bei immer mehr Menschen in der Bevölkerung wächst die Skepsis gegenüber diesen Machenschaften und den unumstößlichen Narrativen der vermeintlichen Experten. Vor unseren Augen findet gerade eine Emanzipation statt.

Verwirrung allerorten

Die Spaltung der Gesellschaft in verschiedene Meinungs- und Gesinnungsgenossenschaften trat mit der Flüchtlingskriese an die Oberfläche. Dann verstärkend fortgesetzt in der Klima- und Coronakrise. Dabei verhielt es sich recht einfach. Alle drei Themen haben nahezu deckungsgleiche Fronten hinterlassen. Dafür oder dagegen – recht klare Seiten. Das wurde im öffentlichen Diskurs so rezipiert und irgendwann als Frontenbildung festgesetzt.

Die Ukrainekrise gestaltet sich da schwieriger. Hier sortieren sich die Fronten gerade neu – der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Einzig die Grünen haben sich fest positioniert und votieren – zumindest an deren Spitze – klar für eine Verlängerung, Ausweitung und Verschärfung des Krieges und dem damit verbundenen Leid für die Zivilbevölkerung. Man staunt nicht schlecht.

Die alten Fronten, die von Corona, Klima und Flüchtlingskrise bekannt sind, funktionieren aber plötzlich nicht mehr.

Woher soll der deutsche Michel – also der brave, fleißige Mitläufer – sich eine eigene vernünftige Meinung bilden? Wo gehöre ich hin?

Fernseher aus – Gehirn an

Hochdekorierte Namen der Medienlandschaft aus früheren Zeiten sind dort nicht mehr zu finden. Sind die alle ins Exil auf die Seychellen gegangen? Googeln Sie nach Gudula Walterskirchen, nach Burkhard Müller-Ullrich oder anderen unverzichtbaren Stimmen. Sie sind da, sie sind laut – man hat nur versucht, sie mundtot zu machen. Das Canceln kritischer Inhalte in den etablierten Redaktionsstuben war zwar für den ein oder anderen ein persönliches Drama – für die Gesellschaft wird es sich noch als Segen erweisen.

Denn mittlerweile hat sich an vielen Orten eine sehr wirksame Gegenöffentlichkeit etabliert. Es gibt inzwischen eine Fülle von Medien, die in der Lage sind, Gegenpositionen zu entwickeln und zu Gehör zu bringen, was bis vor 5, 6 oder 7 Jahren noch undenkbar gewesen war. Der unbedingte Digitalisierungswille der handelnden Eliten wird als Nebeneffekt dafür sorgen, dass diese Gegenöffentlichkeit auch nicht mehr unter den Teppich zu kehren ist.

neue – ungelenkte Meinungsvielfalt

Dies fördert die Vielfalt der Meinungsbildung und treibt nebenher die etablierten Medien an, wieder sorgfältiger zu recherchieren. Womöglich werden sich allein dadurch die harten Meinungsfronten wieder etwas aufweichen und durchlässiger für ein vernünftiges Argument.

Wissen ist Macht – Nichtwissen macht auch nichts

Und eines fällt in jüngster Zeit deutlich auf. Akademisch bescheinigte Bildung führt häufig nicht dazu, einen klareren Blick zu bekommen.

Dabei geht es wieder mal um Angst (wir berichteten). Gerade die Bildungsbürger sind anfällig für die Agenda des Fortschritts oder des Modernen. Es regiert die Angst von gestern, altbacken zu erscheinen. Wer die neue Wokeness nicht akzeptiert und gebetsmühlenartig wiederholt, ist ein Sexist, ein Rassist und jemand, der den Zeitgeist nicht spürt. Das darf natürlich nicht sein.

Dagegen versteht der Stammtisch den Jargon der Wokeness gar nicht erst und tut das – zu Recht – als akademische Spinnerei ab. Menschen, die eher nach dem Bauchgefühl, der Intuition handeln, liegen meist richtiger oder merken intuitiv: da läuft etwas gravierend schief, das kann so nicht stimmen, das fühlt sich nicht richtig an.

Blaise Pascal wird sinngemäß diese Weisheit zugeschrieben:

die ganz einfachen Leute – und die wirklich Weisen – die stehen auf der Seite der Wahrheit, während die Intellektuellen in der Mitte verblöden

mb

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