Eine – möglichst kurze – Abhandlung wider schlampigen Atheismus.

Die Frage nach Gott ist keine Frage für Spezialisten. Es ist entweder eine Frage für alle, oder eine Frage für keinen.

Im Religionsunterricht findet der Name Ludwig Feuerbach öfter Erwähnung als Gott. Unter sträflichsten Primitivierungen, wie sie an der Schule üblich sind, wird dort seit Jahr und Tag behauptet, Feuerbach habe die Existenz Gottes widerlegt.

Das stimmt so nicht.

Er setzt die Abwesenheit Gottes schlicht voraus und erklärt sich das Phänomen Religion nur durch die Projektion von Wünschen und Vorstellungen auf ein vom religiösen Menschen erfundenen Gott. Der Mensch wünscht sich, dass es Gott gibt. Das heißt für Feuerbach: Gott gibt es nicht.

Sollte es Gott wirklich nicht geben, wäre das Phänomen der Religion dann auch tatsächlich merkwürdig: sonntägliche Ritusveranstaltungen besuchen, sich zu Hause eine Andachtsecke einrichten, Prozessionen abhalten und mit jemandem reden, der gar nicht da ist. Die Psychologie hat dafür Therapien.

Hier kommt nun Manfred Lütz ins Spiel: Psychologe und Theologe, dessen, bei äußerster inhaltlicher Tiefe, humorvolle Bücher man genüsslich verschlingt. Auch der ein oder andere Vortrag von ihm ist auf youtube zu finden.

Er redet in diesem Zusammenhang vom Sahnetorten-Beweis.

Ich kann mir natürlich wünschen, dass es Sahnetorte gibt. Ich kann mich sehnen nach Sahnetorte. Das heißt natürlich überhaupt nicht, dass es die Sahnetorte wirklich gibt. Da hat Feuerbach Recht. Aber es heißt natürlich glücklicherweise auch überhaupt nicht, dass es die Sahnetorte nicht gibt.

Er dreht Feuerbach um:

Man könnte ja mal voraussetzen, dass es Gott gibt, und dann müsste man sich erklären, warum es dieses merkwürdige Phänomen des Atheismus gibt. Leidet der Atheist unter Realitätsverlust, hat er tiefgreifende Beziehungsstörungen, oder leidet er gar unter depressivem Nihilismus?

Es gibt gute psychologische Gründe, Atheist zu sein, obwohl es Gott gibt: mal sturmfreie Bude haben, unbeobachtet Dinge im moralischen Abgrund tun.

Was folgt nun daraus?

Überall wird von den europäischen Werten gesprochen, oder von den deutschen Werten. Zumindest vom Wort „Wert“. Unser politisches Handeln orientiert sich an europäischen Werten…

Wenn man dann nachfragt, welche Werte das denn seien, hört man nie die Aufzählung Glaube, Liebe, Hoffnung, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung (die 7 christlichen Tugenden) sondern eher Pluralismus, Toleranz, Weltoffenheit und so weiter.

Zum Thema Toleranz hier die besten 3 Minuten, die Sie auf youtube verbringen können. Gerhard Polt in seinem Element. Natürlich meint er das Gegenteil. Aber er und meine Mitmenschen müssen es aushalten, dass ich ihn wörtlich nehme.

Ich glaube fest daran, dass die ganze Wertediskussion in der Luft hängt, wenn sie, wie heute allgemein üblich, von der Gottesfrage abschnitten wird.

Max Horkheimer, der Gründer der Frankfurter Schule:

Warum soll ich gut sein, wenn es keinen Gott gibt?

Jürgen Habermas – auch Frankfurter Schule:

Für die Menschenwürde ist die Grundlage eigentlich die christlich-jüdische Vorstellung von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen.

Menschenwürde

Diese, und auch meine Lesart, die dem Menschen eine Würde zuschreibt, deren Unantastbarkeit vom ersten Artikel unseres Grundgesetzes garantiert wird, ist ihm gegeben. Er hat sie nicht von sich heraus. Selbst die Aufklärung, die sich über einen falsch verstandenen Vernunftsbegriff von der Religion abzuwenden versucht, schafft es nicht, die Menschenwürde abstrakt zu setzen.

Samuel von Pufendorf (1632–1694) erklärt:

Der Mensch ist von höchster Würde, weil er eine Seele hat, die ausgezeichnet ist durch das Licht des Verstandes, durch die Fähigkeit, die Dinge zu beurteilen und sich frei zu entscheiden, und die sich in vielen Künsten auskennt.

Ohne zu sehr abzuschweifen, wird hier der Begriff Seele in die Debatte eingeführt. Wir können uns sicher darauf einigen, dass die Seele kein evolutionsbiologisches Mutationsergebnis ist. Das müssten sonst Pathologen beim Sezieren vorfinden.

Wenn also dem Menschen die Würde, die er zweifelsohne besitzt, von Gott gegeben wurde, weil er ihn als sein Ebenbild geschaffen hat, liegt es in der Verantwortung des Menschen, diese Würde in Gottesfurcht zu benutzen und sein Leben danach auszurichten.

qed

 

mb

Photo by Timothy Eberly on Unsplash