Wenn der Unterricht versagt, müssen die Eltern ran. Dass wir diesen Job auch noch machen müssen, ohne dafür fürstlich bezahlt zu werden, wäre ein eigenes Thema. So kommen die Kinder – grundsätzlich immer am Abend vor der Klassenarbeit – des Öfteren mit wilden Arbeitsblattsammlungen und der Bitte um Hilfe.

Nun ist meine Tochter in den Mint-Fächern nicht die hellste Kerze am Baum. Dafür in anderen Bereichen, die unser Kultussystem aber nicht bewertet. Warum die Mintfächer an der Realschule von vielen Schülern gehasst werden, wurde mir neulich wieder ganz deutlich. Mir ist der Punkt, um den es in diesem Artikel gehen soll, schon mehrfach aufgefallen – diesmal aber besonders deutlich.

Hier ein zweiseitiges Arbeitsblatt Physik, 8. Klasse Realschule. Ich möchte der in Freiburg ansässigen Schule keinen konkreten Vorwurf machen, die immer wieder aufpoppende Thematik aber anhand dieses Arbeitsblattes aufzeigen.

Seite 1:

Seite 2:

 

Hier finden sich an mehreren Stellen unzulässige Verkürzungen des Themas, die man sich am Gymnasium nicht erlauben würde. Diese Verkürzungen machen das Lernen aber nicht leichter und besser verständlich, sondern verkomplizieren das Verstehen durch punktuelle Herausnahme von Logik.

Die beiden Seiten dieses Arbeitsblattes sind gespickt – nicht mit Fehlern (das auch) – sondern mit Herausnahme von zentralen Punkten, die jegliche Logik blockieren.

Vielleicht war dies das Problem von Einstein, weshalb es bei ihm in Mathematik einen 5er nach dem Anderen hagelte.

Thema Masse und Gewichtskraft.

Damit wir uns alle wieder auf den gleichen, korrekten Wissensstand bringen, vorab diese Merksätze:

– Die Masse eines Körpers ist immer gleich, vom Ort unabhängig.

– Die auf ihn wirkende Gewichtskraft ist ortsabhängig:

– abhängig von der Masse des gewichtskraftausübenden Ortes

– abhängig vom Abstand zum Zentrum des gewichtskraftausübenden Ortes

In Punkt 2 des Arbeitsblattes werden die verschiedenen Gewichtskräfte, die auf dieselbe Masse an verschiedenen Orten unseres Sonnensystems wirken, dargestellt. Eine maßstäbliche Darstellung des Sonnensystems auf einem Arbeitsblatt ist natürlich unmöglich, aber so geht es nicht. Und dass der Saturn bei ca. 10-fachem Erddurchmesser und gut 95-facher Erdmasse doch nur eine knapp größere Gravitation als die Erde ausübt, sollte wenigstens im Ansatz klar werden.

Die Pointe ist dann die Frage darunter, die der Schüler beantworten soll. Was soll das Schaubild darstellen? Am liebsten hätte ich daruntergeschrieben: unlogischen Blödsinn.

Es kommt aber noch besser: Oben auf Seite zwei soll man die Tabelle komplettieren. Einfaches Abschreiben. Na gut – repetitio est mater studiorum.

Dann aber Frage c)

Die kann mit den gemachten Angaben nicht richtig beantwortet werden. Die ganze Angelegenheit hat schließlich auch etwas mit der Dichte der Himmelskörper zu tun. Eine saubere, lineare Korrelation zwischen den Himmelskörpermassen, die in der Tabelle angegeben sind, und der auf eine Masse wirkenden Gewichtskraft gibt es so schlicht nicht.

Dies soll dem Schüler aber suggeriert werden – in der Faulheit dem Schüler den Zusammenhang mit der Dichte des jeweiligen Himmelsobjektes aufzuzeigen.

Man dachte sich bei der Erstellung des Arbeitsblattes offensichtlich: na, ist ja nur Realschule – wollen wir es mal nicht komplizierter als nötig machen. Doch genau das hätte es hier gebraucht.

Das sind unzulässige, weil logisches Verstehen verhindernde Verkürzungen eines Themas.

Man muss ja nicht unbedingt wissen, dass der Mond durch eine Kollision eines sich im LaGrange-Punkt 4 des Erde-Sonne-Sytems befindlichen Himmelskörpers mit der Erde entstand und deshalb fast nur aus Erdmantelmaterial besteht – und daher eine viel geringere Dichte hat als sein Planet, die Erde (link – scrollen bis Kollisionstheorie – hochinteressant!).

Immer wieder wird auf dem Arbeitsblatt von Planeten gesprochen. Der Mond ist kein Planet.

Mein Gott – beruhige dich wieder!

Nein – das tue ich nicht! Dies ist nur ein Arbeitsblatt von vielen, bei dem ich sofort verstehe, warum meine Tochter nichts versteht. Ständige Weglassungen, Primitivierungen und Verkürzungen, die ein zusammenhangbauendes Denken im Keim ersticken.

Den Vogel schießen dann die letzten drei Aussagesätze ab (Seite zwei unten), die der Schüler als richtig oder falsch erkennen soll.

Ein Körper hat keine Anziehungskraft. Wenn, dann übt er sie aus. Seine Masse bekommt über die auf ihn einwirkende Anziehungskraft, ein messbares Gewicht. Zumindest in den Betrachtungen auf dem Arbeitsblatt, bei denen immer eine vernachlässigbare Masse in Korrelation zu Himmelskörpermassen gebracht werden.

Dasselbe in meiner Branche. Kunden, aber auch Profis, reden gern davon, wie viel Watt ein Lautsprecher hat. Ein Lautsprecher ist ein passives Teil und verträgt so und so viel Leistung des Verstärkers. Fertig aus. Ist das jetzt soviel kompizierter? Nein. Aber jetzt ist es richtig.

Sprachliche und/oder inhaltliche Unschärfen sorgen niemals für Vereinfachung, sondern nur für Verwirrung.

Wegen andauerndem Gegendere, unanständiger Sexualkunde und weiterem Blödsinn fehlt es im modernen Schulsystem aber wahrscheinlich an Zeit für korrekt ausgeführten Unterricht.

mb

Bild von tjevans auf Pixabay