An die AWO, in Freiburg, im schönen Breisgau, am 5.5.2022

Sehr geehrte Frau S.,

ich habe die Schlüsselbestellung deshalb so lange hinausgezögert, weil ich nicht genug Geld auf dem Konto hatte, um ihn bezahlen zu können.

Leider sieht es auch im sogenannten Wonnemonat Mai nicht besser aus, im Gegenteil. Badenova bucht heute, am 5.5.22, 163,46 Euro ab, von meinem Konto, als Nachzahlung für das vergangene Jahr, zusätzlich zu der auf 31 € erhöhten Monatspauschale.
Also fast 200 Euro. Nur für Strom!
Bleiben also zum Leben nach Adam Riese ungefähr 150,- !!
Zum Essen und Trinken und Telefonieren also 5,- Euro pro Tag !!!

Ich weiß, das ist weit davon entfernt, als Katastrophe bezeichnet zu werden. Es gibt ganze Kontinente, wo man sich riesig freuen würde, soviel Geld zu haben. Und dazu ein beheiztes, regendichtes Dach über dem Kopf. Ich weiß.

Aber es ist halt so,

ich bin ein verwöhnter Mitteleuropäer. Großgeworden, Ende des Krieges, zwar in bitterer Armut, war jahrelang auch unterernährt, aber dann, schon in den 50er Jahren, parallel zum gewaltig wachsenden Bruttosozialprodukt, wuchs auch mein Einkommen, von anfangs 40 DM monatlich, als 14-Jähriger Lehrling, bis 10.000 D-Mark, 30 Jahre später, als selbständiger Unternehmer. Ingenieurbüro und Modesalon.

Ja, mir und meiner 4-köpfigen Familie, ich lebte im wunderschönen Hamburg, ging es lange Zeit wirklich gut. Als Besserverdiener konnt ich wirklich nicht klagen. Hätten die unheimlich hohen Steuern* und Sozialabgaben* nicht mehr als die Hälfte* weggefressen, ich wär auch heute noch, mit fast 80, ein wohlhabender Mann. Und bekäm nicht das Heulen, nur weil mir mal ein Schlüssel abbricht. Und die Nachfertigung 60 oder wieviel Euro kostet.

Aber Moment mal.

Ist die AWO nicht eine SOZIALE Einrichtung? Für Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind? Dass der Schlüssel abbrach, ist ja nicht meine Schuld. Es war doch vermutlich Materialermüdung. Oder Altersschwäche, oder so. Der Beweis liegt Ihnen ja vor.

Also bestelle ich und grüße zugleich in frommer Hoffnung,

Ihr

alters- und einkommensschwacher Mieter

H.A.

 

* Leider kamen noch drei andere Schrecknisse hinzu.
1. Die Scheidung, und damit Halbierung des Vermögens und der Rentenanwartschaft.
2. Ein Zechpreller, der mir 100.000 DM schuldig blieb. Und
3. Eine Existenzvernichtung, die ich in den 90 er Jahren Alice Schwarzer und dem von ihr verbreiteten Virus M. (M wie Misstrauen) verdank.

Ja, ich bin damals ins Ausland geflüchtet, nach dem zweiten (Stink)Bombenattentat.

Inzwischen macht sie ja einen auf Friede, Freude, Eierkuchen, die alte Hexe. Will den Krieg entmilitarisieren. Eigentlich ja keine schlechte Idee. Würd mir auch gern ewigen Frieden wünschen. Und gleichen Lohn für alle. Und Abschaffung der Boshaftigkeit. Und des schlechten Gewissens. Und und und.

Sie wird übrigens, wenn nichts dazwischen kommt, genau wie ich, am 3.12.2022 80 Jahre alt. Sie feiert vermutlich in Hamburg, ich vermutlich in Freiburg. Oder wir treffen uns in der Mitte,
sagen wir, in Dresden, und feiern gemeinsam. Die Erzfeministin und der Erzmaskulinist.
Das wär doch mal was. Wa?

PS:

Oh, da fällt mir ja noch etwas ein, hab ich doch glatt vergessen: Hab doch die Badenova gebeten, die Nachforderung bei Frau Dr. Merkel abzubuchen. Die hat doch die Preissteigerungen für Strom auf dem nicht vorhandenen Gewissen. Hab ich doch schon vor ein paar Wochen drum gebeten.

Wo ist das Schreiben? Himmel hilf !

 

Antonio B.

Bild: pixabay PhotoMIX-Company Haus Schlüssel Die Tür