Von Achim Baumann

Am vergangenen Donnerstag wurde der Freiheitsindex 2022 veröffentlicht. Freiheitsindex? Ja, Erwähnung fand er zwar unter „ferner liefen“ bei einigen Medien der Einheitspresse, aber großflächig darüber wurde nicht diskutiert. Warum? Weil die Ergebnisse eine Schlappe für Staat und Regierung darstellen.

Weniger als die Hälfte der Deutschen fühlt sich vollkommen oder sehr frei. Die Identifikation mit dem Staat und die Zufriedenheit mit unserer Demokratie hingegen ist bundesweit auf den tiefsten Wert seit zehn Jahren gesunken. Das ist das Ergebnis des Freiheitsindex 2022, einer Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) und das Forschungsinstitut Media Tenor durchführten. Die beiden Institute erheben regelmäßig den Stellenwert von Freiheit im Vergleich zu anderen Werten in der Bevölkerung. „Für die Studie hat das IfD im November und Dezember 1006 repräsentativ ausgewählte Menschen ab 16 Jahren in Deutschland befragt“, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Beitragsbild / Symbolbild: Jorm Sangsorn / Shutterstock.com

Die Ergebnisse
„Der Anteil derjenigen, die denken, dass man in Deutschland seine Meinung frei sagen könne, ist zwar ebenfalls gestiegen – von 45 auf 48 Prozent. In früheren Umfragen lag dieser Wert allerdings noch deutlich über 60 Prozent“, berichtet beispielsweise der STERN. Dass sich die Bundesbürger geringfügig freier als noch im Jahr 2021 fühlen, ist nachvollziehbar, traf sie doch mit den freiheitseinschränkenden und zum Teil undemokratischen Corona-Maßnahmen im Jahr 2021 die Keule der Unfreiheit. Aber im zurückliegenden Jahr wurden zahlreiche Maßnahmen zurückgefahren. Trotzdem, so befindet die FAZ, ist das Ergebnis erschreckend: „Nur 48 Prozent sagten, sie hätten das Gefühl, frei reden zu können – gegenüber 63 Prozent, die das noch 2017 sagten und 78 Prozent 1990. Vorsichtig in ihrer Meinungsäußerung sind 37 Prozent der Befragten, 2021 waren es 44 Prozent, 2017 dagegen nur 25 Prozent.“

Peinlich für Elite
Wer den Mainstreammedien Glauben schenken möchte, hält die Diskussion um die Umbenennung von Städten, Apotheken etc., die den Namensbestandteil „Neger“ oder „Mohren“ enthalten, für gesellschaftlich enorm relevant. Auch das Gendern hält zunehmend Einzug in die Medien und die Aufarbeitung unserer Kolonialgeschichte, selbst bezüglich afrikanischer Staaten, die nie unsere Kolonien gewesen sind, ist aus der öffentlichen Diskussion nicht mehr wegzudenken. Im Fernsehen stottern bekannte Nachrichtensprecher allenthalben und machen sprachlich unsinnige Pausen, die an Versprecher, Verschluckungstöne und Grunzlaute erinnern. Die Gesellschaft soll zudem divers, tolerant, offen etc. sein. „Gleichheit“, „Diversität“ und „Gerechtigkeit“ sind hierbei sicherlich die am häufigsten strapazierten Begriffe. Aber wie denkt eigentlich der einfache Bürger?

Freiheitsgefühl im freien Fall
Der Bürger sagt in der Regel leider nicht öffentlich, was er denkt. Die berühmt-berüchtigte Faschismuskeule lauert nun einmal bei jedem, der beispielsweise unbedacht das Wort „Negerkuss“ fallen lässt oder feststellt, dass die AfD bei Ihrer Kritik an der ungebremsten Armutseinwanderung vielleicht doch ein Quäntchen recht haben könnte. Das ist dem Bürger durchaus bewusst, er will eben nicht anecken. So ist es nach dem Eindruck vieler Bürger um die Meinungsfreiheit eben so schlecht bestellt wie nie zuvor in Deutschland. Das aktuelle Umfrageergebnis dokumentiert noch weit mehr: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Einschätzung der Befragten erheblich verschlechtert. Das heißt, dass sich das Meinungsklima nach Auffassung der Befragten zunehmend verschlechtert. In Zeiten von „Politischer Korrektheit“ und „Cancel Culture“ hat der einfache Bürger zunehmend Angst, gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden, weil er seine Meinung sagt.

Das für den politisch-medialen Komplex ernüchternde Ergebnis
Kein Wunder also, wenn WELT-Chefreporterin Anna Schneider es auf den Punkt bringt:

 „Jeder Mensch kann alles sagen, aber er geht das Risiko ein, den sozialen Tod zu sterben.“

Und in der Tat, es sind Hochrangige aus Politik, Medien, Kultur und Gesellschaft, die regelmäßig und mantraähnlich behaupten, die heutige Bundesrepublik sei der freiheitlichste Staat, den es je auf deutschem Boden gegeben habe. Aber was passiert, wenn man tatsächlich seine Meinung sagt? Die Herren Sarrazin, Wagener, Papke, um nur ein paar zu nennen, können davon ein Lied singen. “Wir leben im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat”, gab vor einiger Zeit dagegen Frank Walter Steinmeier, seines Zeichens Bundespräsident der Presse zu Protokoll. Wie abgehoben die Elite des Landes dabei allerdings von der Meinung des durchschnittlichen und einfachen Bürgers abgekoppelt ist, zeigt anschaulich die aktuelle Studie des renommierten Instituts für Demoskopie Allensbach.

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