Christenverfolgung hat weltweit stark zugenommen, auch in Asien. Auf Platz 5 des von Open Doors aus dem Jahr 2019 veröffentlichten Verfolgungsindexes steht Pakistan. Dieses Land wurde 1956 die erste Islamische Republik der Welt. Das bedeutet, der Islam ist Staatsreligion. 96 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Teile der Scharia sind geltendes Recht in Pakistan:

Grundsätzlich verbietet das 1986 eingeführte Gesetz die Beleidigung jeder Religion. Schwerste Strafen sind für Schändung des Koran (…lebenslange Haft) und die Beleidigung des Namens Mohammeds (…Todesstrafe) vorgesehen.

Internationale Kampagnen wirken

Zum Glück sind internationale Kampagnen wegen ihrer Öffentlichkeitswirkung nicht ohne Erfolg geblieben. Dennoch mussten die inhaftierten, verurteilten Christen anschließend ihr Land verlassen. Zu groß war die Gefahr, dass der aufgebrachte Mob sie lynchen würde, was in Pakistan auf grausamste Weise immer wieder vorkommt.

  links Shahbaz Bhatti, rechts Salman Taseer

Im Jahr 2011 wurden zwei hochrangige Politiker auf offener Straße erschossen.

  • Salman Taseer (+4. Januar 2011) war der 26. Gouverneur der Provinz Punjab und Politiker der Pakistanischen Volkspartei (PPP), außerdem ein enger Vertrauter des pakistanischen Staatspräsidenten Asif Ali Zardari und dessen vier Jahre zuvor ermordeten Ehefrau Asif Ali Zardari.
  • Shahbaz Bhatti aus Panjab war als erster Christ Minister für Minderheiten (+2. März 2011) gewesen. Beide Politiker hatten sich zugunsten der inhaftierten und verurteilten Christin Asia Bibi und geäußert und waren für eine Reform des Blasphemiegesetzes eigetreten.

Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel freigesprochen – nach 7 Jahren Gefängnis

Am 3. Juni 2021 auch für ein christliches Ehepaar eine 7jährige Haft. Das Gericht hat sie freigesprochen wegen

verfälschter Beweisen und manipulierter Aussagen der Zeugen der Anklage.

Ein Erfahrungsbericht

Der Freiburger Standard veröffentlicht an dieser Stelle einen Erfahrungsbericht des pakistanischen Ehepaares:

Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel, ein katholisches Ehepaar mit vier Kindern aus Gojra in der Nähe von Faisalabad, wurden im Juli 2013 unter dem Vorwurf der Blasphemie verhaftet und zum Tod verurteilt. Nach jahrelangen Revisionsbemühungen sprach das Oberste Gericht in Lahore die beiden Christen im Juni 2021 frei. Heute lebt die Familie an einem sicheren Ort in Europa.

Shagufta Emmanuel gibt ihr persönliches Zeugnis wieder:

„Ich wurde in eine sehr gläubige christliche Familie hineingeboren. Die meisten Einwohner in unserem Dorf waren Muslime. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es je einen Streit oder eine Auseinandersetzung aufgrund der Religion gab. Einige Jahre nach meiner Heirat mit Shafqat zogen wir nach Gojra und mein Mann fand dort Arbeit.

Mein Mann ist seit zwölf Jahren teilweise gelähmt. Er hatte versucht, einen Streit zu schlichten und war dabei von einem Querschläger aus einer Waffe getroffen worden. Das Leben danach war hart, doch wir hatten Glück und fanden beide eine Arbeit an einer christlichen Schule, wo wir Hausmeisterdienste verrichteten. Nebenbei reparierte mein Mann Handys.

Geständnis unter Folter erzwungen

Im Juli 2013 stürmte die Polizei unser Haus und verhaftete meinen Mann und mich. Sie warfen uns Gotteslästerung vor. Über die SIM-Karte unseres Handys sei eine SMS über den Propheten Mohammed verfasst worden. Die Nachricht war auf Englisch geschrieben – eine Sprache, die weder mein Mann noch ich sprechen oder lesen können.

Im Gefängnis wurden wir gefoltert. Die Beamten sagten meinem Mann, dass sie mich vor seinen Augen vergewaltigen würden, wenn er die Tat nicht gestehen würde. Also tat er es, obwohl wir beide unschuldig waren.

Acht Monate waren wir inhaftiert, als wir vom Gericht schuldig gesprochen und zum Tod verurteilt wurden. Unser Anwalt durfte sein Schlussplädoyer nicht zu Ende führen, keiner von uns wurde angehört. Als ich das Todesurteil hörte, wurde ich ohnmächtig.

Todesdrohungen auch gegen die Kinder

Mein Mann und ich wurden nach der Verhandlung getrennt: Shafqat wurde in das Gefängnis von Faisalabad überführt, während ich in eine Todeszelle in Multan gebracht wurde. Meine Kinder konnten mich nur zweimal im Jahr für knapp eine halbe Stunde besuchen. Auch für sie war es sehr schwer: Sie mussten ständig umziehen und sich verstecken. Islamisten hatten sie mit dem Tod bedroht, weil sie unsere Kinder waren.

Jeden Tag habe ich geweint, weil ich nicht bei meinen Kindern sein konnte. Ich dachte ständig daran, dass mein Mann und ich eines Tages gehängt werden würden. Doch trotzdem verlor ich nie meinen Glauben. Ich betete jeden Tag und sang Psalmen und Hymnen. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben.

Mehrmals wurde mir gesagt: Wenn ich zum Islam konvertiere, könnte ich der Todesstrafe entgehen und würde eines Tages freigelassen. Ich habe immer Nein gesagt.

Eine Zeit lang war Asia Bibi, die ebenfalls unter der falschen Anklage der Blasphemie zum Tode verurteilt worden war, meine Nachbarin in der Todeszelle in Multan.

In Pakistan nicht mehr sicher

Mittlerweile wurden weltweit Stimmen laut, die sich gegen unseren unfairen Prozess und unsere Verurteilung wandten. Sie beteten für unsere Freilassung und boten uns moralischen und geistlichen Beistand an. Und schließlich geschah es – man ließ meinen Mann und mich frei.

Doch konnten wir ebenso wie Asia Bibi nicht mit unserer Familie in Pakistan bleiben, weil fanatische und extremistische Muslime darauf aus waren, uns zu töten, wenn wir in Pakistan blieben.

Wir sind jedoch sehr froh, dass ein europäisches Land uns Asyl gewährt hat und unsere Familie nun wieder vereint ist. Ich hoffe und bete, dass in meiner Heimat Pakistan die falschen Blasphemie-Anschuldigungen aufhören und dass diejenigen bestraft werden, die falsche Anschuldigungen erheben.“

 

Mit freundlicher Genehmigung der Monatszeitschrift der 13. Ausgabe Juni 2022

Eingangstext: m_

Bilder: Wikipedia Emblem Pakistans, Bildzusammenschnitt mb, links Shahbaz Bhatti, rechts Salman Taseer