Großes Kompliment an Stefan Scheil für diesen Kaplakenband, der sich sehr schön liest. In Kürze skizziert er Besonderheiten und Wesen des Deutschen Reiches und dessen scheinbare Auflösung 1806 durch den letzten Kaiser des Reiches Franz Joseph Karl.

Die Rolle Frankreichs

Diese auf Druck Frankreichs erfolgte Abdankung und Auflösung bezeichnet Scheil als “an sich nichtig“.

Das Reich bestand immer fort und Scheil beschreibt später, dass es Hitler später im Wesentlichen um die Wiederherstellung des Reiches in seinen alten Grenzen ging.

Das Reich existierte als ein scheinbar unabänderlicher politischer Rahmen, in dem wesentliche politische Geschäfte Deutschlands stattfanden. Symbolisiert wurde das durch die in Nürnberg aufbewahrten Gegenstände, durch Institutionen wie den als ewig bezeichneten Reichstag zu Regensburg und die sprichwörtlichen Aktenberge des 1495 gegründeten und für seine ewig dauernden Prozesse bekannten Reichskammergerichts in Wetzlar.

Unbehagen und Unrast

Scheil hat auch ein Gespür für den Unterschied zwischen politischer und juristischer Sphären. Die Verkündung der Auflösung des Reiches durch Kaiser Franz II. mag nichtig gewesen sein, aber politisch setzte sich diese Manifestation über Jahrzehnte durch. Aber nicht, ohne die Deutschen mit einem Gewissen Unbehagen und Unrast zurückzulassen, eben jenes Reich wieder aufzurichten. Der Auftrag Deutsches Reich beflügelt deutsche Patrioten über Jahrzehnte weiter und tut es noch heute in verschiedenen Variationen.

Mit viel Verständnis und ohne die übliche politisch korrekte Verurteilung beschreibt Scheil die Schwierigkeiten deutscher Staatlichkeit. Aus seiner Perspektive unterschieden sich die alten Kriege Frankreichs und Russlands gegen das Reich nicht wesentlich von dem Krieg der Alliierten gegen Hitlerdeutschland.

Münchner Abkommen

Scheil betont, dass die deutsche Außenpolitik 1938 sehr penibel versucht hat, das Münchener Abkommen zu erfüllen und Frankreich und Großbritannien nicht vor den Kopf zu stoßen, was vordergründig auch gelungen war. Dass die Briten den verabredeten Einmarsch deutscher Truppen in Prag dann aber doch als Aggression darstellten, fügt sich schließlich aber in die alte Linie europäischer Ablehnung deutscher Staatlichkeit:

Dann gerieten die Dinge außenpolitisch ins Rutschen. (…) Es waren jedoch Konflikte, die sich mit Blick auf Deutschland in der Substanz kaum von der früheren internationalen Ablehnung eines deutschen Gesamtstaates unterschieden. Diese setzte sich 1939 und danach wieder durch.

Die Rolle Preußens

Kritisch wird bei Scheil auch die Rolle Preußens bei der Gründung des Kaiserreichs 1871 gewürdigt, welches sich nur auf Kosten der gesamtdeutschen Lösung etablieren konnte.

Überraschend „unkritisch“ zitiert Scheil auch zum Ende Hitler, der den Eindruck erweckt, dass ihm der Krieg aufgezwungen werde:

Hitler liess die Versammlung wissen, dass der Krieg vielleicht doch nicht vermieden werden könne. Er werde sehr schwer werden, vielleicht sogar aussichtslos, teilte er mit.

Die Abgeordneten reagierten auf diese Aussichten erstaunt, negativ und offensichtlich etwas fassungslos. Das spürt der Diktator und setzt zu einer Opfergabe an: „Wer immer hier von ihnen zweifelt, ob ich allein aus Liebe zu Deutschland handle, dem gebe ich die Ermächtigung, mich hier und jetzt niederzuschießen.“

Die Reichskleinodien

Scheil schließt mit der Bemerkung, dass sich die Reichskleinodien seit 1796 in Wien befinden und Deutschland seitdem auch nicht wirklich weitergekommen ist.

 

Dubravko Mandic

Ergänzende Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Stefan_Scheil

Bild: Dubravko Mandic