Mein Gott, Freundschaften…

das Wort hat so viel Gewicht, Bedeutung, Assoziationen. Aber je älter ich werde, umso mehr schwindet all das. Ein Glück, dass ich mich mit mir selbst immer mehr anfreunde, denn mit mir hab ich schon so ziemlich alle denkbaren Enttäuschungen hinter mir.

Was war ich immer ungnädig mit mir.

Und gnädig mit den Freunden. Mein Gott! – Meinen ältesten Freund, den Hans C hab ich mit 40 erst gestrichen, als meine Söhne schon fast erwachsen waren, seine Töchter aber noch sehr jung. Er hat schon Elektrotechnik studiert, in Konstanz, da war ich noch auf der Walz. Dann, um das Militär zu vermeiden, Physik und Mathematik in Berlin. Ich heiratete derweil und zeugte zwei Söhne. Um sie anständig zu ernähren, und meiner geliebten Frau einen flotten Lebensstandard zu ermöglichen, machte ich schnell auf dem 2. Bildungsweg die Hochschulreife, wurde schnell popeliger Ingenieur für Heizungs- und Klimatechnik, und verdiente schnell Geld, während er über Schrödering-Dingsda promovierte. Etwas, worüber er sich nur mit einem Dutzend Mathematiker, verstreut in der ganzen Welt, unterhalten konnte.

Ich war mächtig stolz

auf diesen, meinen guten alten Freund, mit dem ich, kaum 14-Jährig, die Rhone runter geschippert und beinahe unter Kiel gegangen bin.

Warum erzähl ich das?

Als seine Tochter den 7ten oder 8ten Geburtstag hatte, telefonierten wir miteinander und ich fragte, was ich denn am besten ihr schenken könne. Da ihm nichts einfiel, schlug ich vor, schöne Stoffe mitzubringen, und Hüte, und derlei Schnickschnack, womit sich die Mädchen verkleiden könnten und so. Sein Widerspruch war heftig. NEIN ! – Sie mache sowieso schon viel zu viel affiges Theater und einen auf große Dame und so. Nein, auf gar keinen Fall. Das müsse ihr unbedingt ausgetrieben werden.

Im weiteren Gespräch

ergab sich, dass es sein unbedingter Wunsch und Wille war, dass sie einmal, wie er, Mathematik studieren solle. Still beendete ich das Gespräch

… und weinte bitterlich.

Ich kannte das Mädchen. Sie war eine Primaballerina. Elfenhaft. Zuckersüß. Quicklebendig. Vital. Gelenkig. Beim Ballett die Nummer 1. Und sie sollte Mathematikerin, d.h. genau wie er, eine graue Maus werden. Ich konnte es nicht fassen. Ein hoch intelligenter Mensch. Und so bodenlos dumm.

Der einzige Trost,

der mir blieb: Diesem Mädchen würde er nicht das Kreuz brechen. Dazu war sie viel zu stark. Sie wird ihm mit 12 oder 14 in den Arsch treten. Ganz gewiss!

Ich strich den Professor,

meinen guten alten Freund, seufzend aus meiner Adressenliste.

Ähnlich gute alte Freunde

strich ich gleich im Dutzend vor einem Jahr aus meiner Adressen-Kartei. Ich hatte sie aus den Kommentarspalten bei EIGENTÜMLICH FREI gewonnen. Verstreut über die gesamte Bunte Republik. Allesamt geistige Riesen. Und Freiheitlich gesinnt bis zum geht nicht mehr. 12 von 16 Jahren Merkel-Politik haben wir gemeinsam überstanden. Mit Bravour. Aber als ich den Rütli-Schwur verlangte, in schweren Corona-Zeiten, kein Einer war bereit. Nix als Gesülze. Rababa – Rababa.

Ich war es leid.

Hab alle 12 gestrichen. Auf einen Streich.

Ja,

das mit den Zehn kleinen Negerlein geht mir durch den Sinn. Mich wundert nur, dass ich gar nicht mehr traurig bin, als ich vor drei Stunden wieder einen verlor. Miko ist sein Name.
Man lernt Menschen, wie sie wirklich sind, nur in Außergewöhnlichen Situationen kennen.
Wenn das Schicksal zu lahm ist, der Herr da oben pennt, dann führe ich sie selbst herbei.
Ich will sie,
die A S, um ihm gerecht zu werden, in der Fortsetzung beschreiben. Wenn nichts anderes dazwischenkommt.

IEA

 

Antonio B.

Bild: Antonio B.

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