Eine nachösterlich veröffentlichte Betrachtung darüber, dass der Karfreitag für politisch verantwortungsbewusste Zeitgenossen noch lange nicht vorbei ist.

Im Grunde leben wir jetzt in einer Zeit der Offenbarung und die Apokalypse ist nicht mehr weit.

Was wird uns offenbar?

Im Grunde hält uns in Deutschland nichts mehr zusammen. Ein Großteil der Bevölkerung fand und findet es vollkommen in Ordnung, Andersdenkende als Abschaum zu bezeichnen, als enthirnt und was die jüngste Vergangenheit nicht noch alles an Stilblüten hervorgebracht hat (nachzulesen hier).

Dabei sollten die sich im Recht wähnenden Verfolger darüber nachdenken, wie es sich dereinst anfühlen wird, in einer anderen Causa in gleicher Weise verfolgt zu werden. Viele fühlen sich in ihrem geboosterten Kokon momentan zu sicher. Die meinungsmachende Haltungsjournalie wird natürlich weiter versuchen, dafür zu sorgen, dass all die, die sich in der Richtigkeitsburg verschanzt haben, nicht in Bedrängnis geraten.

Wie lebt man weiter?

Wir dürfen jetzt wieder alles – aber viele wollen nicht mehr. Ich habe keinen Bock mehr, shoppen zu gehen und in der Gastronomie ist mir der Appetit vergangen. Überall muss ich Menschen begegnen – zu erkennen an den immer noch feierlich aufgesetzten Masken – die mir am liebsten den Dolch in den Rücken gestoßen hätten.

Wir haben uns selbst belogen und sind im großen Stil belogen worden

In schwierigen Zeiten versucht der Mensch, sich an immer noch Feststehendes zu klammern. Aber auch hier nur Fluidum und Totalversagen. Sei es

  • der Papst und die Kirche – Totalversagen in Wort und Tat
  • der Staat: die Legislative versagt in nahezu allen Resorts, die Exekutive macht sich mit vollkommen unverhältnismäßigem Vorgehen lächerlich und die Judikative kommt zu Urteilen, die offen verfassungsfeindlich sind. Ich brauche keine Beispiele aufzuzählen – alles sattsam bekannt.

Es sind ja nun alle gleichermaßen empört – von links bis rechts, jung und alt, arm und reich, von den Taugenichtsen bis zu den Leistungsträgern der Gesellschaft! Na wunderbar, da hat der Tag wenigstens Struktur.

Sich in Depression zurückziehen?

Aber mit Depression zu reagieren ist nichts – oder wie es der Fahrgastverband Pro Bahn immer pünktlich zu neuen Preisliste der Bahn gegen Ende des Jahres so schön formuliert – und zwar jedes Jahr bis aufs Jota gleichlautend:

Das ist das vollkommen falsche Signal.

Wer sich jetzt depressiv aus der Debatte ausklinkt, wird vom Stein des Sisyphus überrollt werden.

Der Hintergrund

Deutschland – und das muss so klar benannt werden – hat sich vom Zweiten Weltkrieg nie erholt. Das könnte man hier lang und breit darlegen, was wir uns ersparen – das Ergebnis ist aber unzweideutig. Denn nur so ist zu erklären, warum sich erstens ein Volk der Bundesrepublik nicht zusammengerauft und formiert hat und warum zweitens dieser Menschenhaufen mit erstaunlich geringem Aufwand so leicht auseinanderzutreiben war. Daher sind auch nur die Deutschen im Ukrainekonflikt so nervös und reagieren allerorten hyperventilierend. Die Ukraine zeigt uns, wie nationaler Zusammenhalt geht. Dort gibt es ein Volk, man verteidigt den Nationalstaat, die ukrainische Erzählung, der ukrainische Mythos handelt von Helden, von Blut und Opfer: Dinge die wir in Deutschland nicht mehr kennen. Das hat der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk messerscharf erkannt und spielt gekonnt auf dieser Klaviatur, in dem er Deutschland den Spiegel vorhält.

jung gegen alt – der Bruch

Unsere Kulturgeschichte ruht auf den Schultern von alten erfahrenen Menschen. Sie definierte sich über Jahrtausende aus der Vergangenheit und der Tradition. Alte erfahrene Männer hatten das Sagen. Die Taten, die sie für die Gemeinschaft erbracht hatten, machten sie zu Stimmen, auf die man hörte. So hatte sich die res publica formiert.

Jetzt haben wir eine res infantilis. Ricarda Lang, Emilia Fester und noch andere der Schneeflöckchengeneration – alles junge Menschen, die noch nichts geleistet haben und an der Spitze unseres Landes stehen. Die guten Taten der Alten werden ersetzt durch moralische, unerträgliche Überheblichkeit.

Warum das? Die Alten sind wertlos geworden, sie arbeiten nicht mehr, leben zu lang, sind für den Kapitalismus daher unnütz und schaden auch noch dem Klima. Zudem sind sie auf dem Holzweg. Alles, was jemand aus Lebenserfahrung vorbringt, wird als falsch abgetan und es zählt letztlich nur noch das, was irgendjemand ohne Kenntnis und Erfahrung herausposaunt, weil er vielleicht lauter ist oder im Moment ein größeres Publikum hat. Das solide, erfahrene, mit Hintergrundwissen gesprochene Wort zählt nichts mehr. Aber nur weil etwas lauter gesagt wird, ist es nicht wahrer. Nur weil sich jemand protestierend auf der Autobahn festklebt, hat er ja nicht plötzlich Recht (link).

Durch die Geringschätzung des Alters geht uns auch gewaltiges Wissen verloren. Durch den Zwang zum Abitur haben wir heute kaum noch Nachwuchs im Handwerk, und die alten Meister nehmen ihr Wissen ins Grab. Selbiges gilt für die Techniker in Atomkraftwerken, die sehr bald wieder eine gewichtige Rolle in unserer Energieversorgung spielen werden – ob im In- oder Ausland. Die erfahrenen Leute dort sind in den Ruhestand geschickt worden. Und selbst wenn man sie von dort aus der Not heraus wieder zurückholt, sind sie mittlerweile viele Jahre außer Dienst. Die aktuellen Entwicklungen, die in anderen Ländern vorangetrieben werden, kennen unsere verrenteten Atomtechniker nicht mehr.

Und dieses, aus der Perspektive der aktuell politisch herrschenden Klasse, falsche Denken hat ihren Ursprung natürlich vom toxischen alten weißen Mann. Dieser funktioniert natürlich nur als alter weißer Mann. Und diese alten weißen Männer sind auch noch so dumm, ihrer militanten Widersacherin Greta Thunberg laut zuzujubeln. Und die Oma ist die Umweltsau.

Die Infantilisierung der Gesellschaft stockt aber an den entscheidenden Punkten. Kinder genießen keinen Schutz – gar keinen. Den Schülern war die Maskenpflicht am längsten aufgebürdet und der Schutz des ungeborenen Lebens wird demnächst komplett gekippt (wir berichteten).

Gleichzeitig sind die Alten problematisch fürs Klima. Sie sind für die Wirtschaft, dem einzig übriggebliebenen Selbstverständnis Deutschlands (gut ist, was Arbeitsplätze schafft), uninteressant, verbrauchen Energie, Platz und wertvolle Lebensmittel. Und demnächst werden es ja noch deutlich mehr, wenn die Generation der Babyboomer in Rente geht. Bei all den Pflichten und Verboten, mit denen die überforderte und visionsfreie Politik regiert, bleibt offen, wie viele Jahre es noch dauert, bis einer Euthanasiepflicht das Wort geredet wird. Man ist ja nur noch eine Belastung.

Demokratie?

Das wird, wie wir in der Corona-Krise gesehen und gelernt haben, auch nicht als Diktatur kommen, sondern sich langsam durch die Institutionen schleichen. Erst wird es mal ein Papier hier und einen verbalen Ausrutscher da geben.

So war es mit der Impfpflichtdebatte. Drei Wochen, bevor Scholz die Impfpflicht plötzlich befürwortete, stand ganz klar das politische Versprechen: es wird niemals eine Impfpflicht geben. Es war deutlich zu spüren, wie die Haltungsmedien benutzt wurden, um der Debatte den Boden zu bereiten. Leider kann ich heute keinen genauen Fahrplan mehr nachzeichnen, aber das ist mir – und ihnen sicher auch – schon in der ersten dieser drei Wochen aufgefallen, wie der DLF in seinen Morgeninterviews eine Woche lang jeden nach einer womöglich doch bevorstehenden Impfpflicht fragte. Und jeden Tag wurden die Dementis leiser. So funktioniert Diktatur im Mantel einer Demokratie – Deutschland wach auf!

Das ist jetzt natürlich eine üble Verschwörungstheorie, aber eins ist sicher: viel gefährlicher als die Corona- oder Klimaleugner sind die Verschwörungsleugner. Nahezu alles hat sich nicht nur 1:1, sondern noch viel grausamer als gedacht bewahrheitet.

Und der Krieg wird benutzt, der Klimareligion zu huldigen. Alles, was die politische Klasse an Ideen hat, spielt exakt in dieser Tonart. Kalt duschen und Tempolimit, um Putin zu schaden…

Die Umkehrung des Alleinstellungsmerkmales

Die Zeit titelte neulich (link):

Habeck über Ostermärsche: Pazifismus “ein ferner Traum”

Einer der grünen Gründungsmythen ist ein tiefer Pazifismus (allerdings nicht Andersdenkenden gegenüber – das vertiefen wir ein andermal). Und nun das: die Grünen fordern schwere Waffen. Aus den Grünen werden die Olivgrünen.

Das ist nicht Doppelmoral, sondern Prinzipienlosigkeit

Andere Beispiele:

  • SPD: Die Partei der Gewerkschaften verwirklicht die Agenda 2010.
  • Die ach so konservative CDU öffnet das Land für Millionen von Flüchtlingen, drückt die Homo-Ehe durch und goss noch viele andere linke Gedanken in Gesetzesform.

Die Umdrehung der Unique Selling Proposition (USP) begegnete uns in diesem Blatt schon einmal an ganz anderer Stelle. Dort hatten wir zusammen die Entwicklung im Handel betrachtet (link). Ein kleiner Auszug der gedanklichen Parallele:

Die großen Onliner, wie beispielsweise Amazon, sind für den cleveren Kunden mittlerweile uninteressant. Es gibt dort schon seit Längerem absolut nichts, was Sie nicht mit maximal 2 Klicks von einem in Deutschland ansässigen und von Deutschland aus versendenden Spezialonliner billiger, schneller und in gleicher oder sogar auffallend höherer Qualität bekommen. Weshalb? Die Marktanteile sind erarbeitet, der Kunde ist bequem, für einen Verdrängungskampf vor allem auf der Preisschiene sieht Amazon keinen Grund mehr.

Wenn Amazon so vorgeht, muss es einen Sinn haben. Bei der Politik ist man sich da ja nicht immer so sicher.

Aber warum wollen die Grünen unbedingt schwere Waffen liefern? Na weil sie es gar nicht können. Unser Land ist nicht in der Lage, Waffen aus der Hand zu geben, weil wir keine mehr haben. So will man am Ende wahrscheinlich einfach nur als die Guten dastehn – um die eigene Ohnmacht wissend.

Verlängerter Karfreitag

Und so sind wir wieder am Eingang des Artikels angelangt. Für politisch verantwortungsbewusste Zeitgenossen ist der Karfreitag noch lange nicht vorbei. An allen Ecken der Gesellschaft offenbaren sich Instabilitäten, die eine sichere und prosperierende Zukunft eines deutschen Volkes unmöglich machen. Es ist Zeit, zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.

mb

Bild von 愚木混株 Cdd20 auf Pixabay