Liegen Prepper in ihrem Denken doch nicht ganz falsch, wenn sie sich in der Not selbst versorgen können wollen?

Einen aktuellen Beitrag der Badischen Zeitung aufgreifend erläutern wir, warum und auf welche Weise es sinnvoll ist, sich auf einen längeren Blackout vorzubereiten.

Gesetzt den Fall, dass das Stromnetz ausfällt, treten Notversorgungsmechanismen eines jeden Einzelnen in Gang, die sein aktuelles Kaufverhalten ändern. In der Bundesdrucksache 17/5672 vom 27. April 2011 wurde von Fachleuten des Deutschen Bundestags recht detailreich beschreiben, was im Verlauf der ersten Woche eines sogenannten Blackouts geschieht:

Eine Zubereitung von warmen Mahlzeiten ist nur noch mit Campingkochern, Gasherden, Grills oder Kaminen möglich. Daher werden vor allem verzehrfertige Nahrungsmittel, wie Brot und Backwaren, Wurstwaren, Cerealien und Obst sowie Konserven, Grundnahrungsmittel wie Milch, Öl, Zucker und Wasser, aber auch Artikel wie Decken, Taschenlampen, Batterien und Kerzen gekauft […]. Aufgrund der gesteigerten Nachfrage […] sind diese Produkte vielerorts ausverkauft.

Das ist aber nur ein Aspekt. Udo Ulfkotte hat in seinem lehrreichen Buch „Was Oma und Opa noch wussten“ weitere Gesichtspunkte aufgezeigt, die den meisten Zeitgenossen wenig bewusst sind.

Erstens kommt die Massentierhaltung zum Erliegen, da Beleuchtung, Belüftung, Heizung, Fütterungsanlagen und Melkmaschinen nur für eine kürzere Überbrückungszeit durch Notstromaggregate gewährleistet sind. VIelen Nutztiere müssen qualvoll verenden.

Zweitens wird die Lebensmittelversorgung zu 90 Prozent durch große Supermarktketten erbracht (Stand 2012), sodass es kaum Ausweichmöglichkeiten auf regionale Bauern gibt.

Drittens wird die Wasserversorgung nach einer gewissen Überbrückung durch Notstromaggregate zum Erliegen kommen, heißt es in der Bundesdrucksache 17/5672:

In der Wasseraufbereitung bilden elektrische Pumpen, die das Wasser durch die einzelnen Verarbeitungsstufen führen, einen integralen Bestandteil. […] Zudem sind elektrische Komponenten in den Absetz- und Sandfangbecken den mechanischen Flockungsanlagen, Mischern, Schlammräumern und Flotationsanlagen, Luftverdichtern und Schaumräumern im Einsatz. […] Wird Ozon zur Desinfektion verwendet, ist durch die notwendigen Ozongeneratoren ein hoher Bedarf an elektrischer Energie vorhanden.

Viertens kommt es zur Verknappung des Treibstoffs der Lieferfahrzeuge, Krankenhäuser müssen den Betrieb einstellen, Kommunikation stoppt vielerorts, Supermärkte und Tankstellen schließen, Heizungen laufen nicht mehr.

In Deutschland kennt man solche längeren Stromausfälle – im Unterschied zur durch Naturkatastrophen geschüttelten USA – bislang nicht. Wann man aber bedenkt, dass zum Jahreswechsel 2021/2022 in Deutschland drei Atomkraftwerke abgeschaltet wurden und zahlreiche Braun- und Steinkohlkraftwerke im Laufe des Jahres stillgelegt werden, und der Zubau erneuerbarer Energien die abgeschaltete Leistung nicht ersetzen kann, dann sollte man sich vernünftigerweise mit dem Thema „Blackout“ befassen. Lesen Sie auf blackout-news.de mehr über diese Kraftwerksabschaltungen

Was würden die Amerikaner uns raten, womit wir uns bevorraten sollten? Campingkocher (Spiritus- oder Petroleumkocher), Dauerkonserven (Produkte mit sehr langem Haltbarkeitsdatum findet man schnell bei entsprechender Internetrecherche), Brotkonserven, Decken, Taschenlampen und Batterien, Kerzen und besonders größere Mengen an Wasser. Ulfkotte empfiehlt an anderer Stelle Haferflocken und Grieß (Reis könnte man hier noch hinzufügen) als besonders nahrhaft. Zu ergänzen sind hier noch Nüsse und Honig, da ihre Inhaltsstoffe Spurenelemente beinhalten, die unsere Organe benötigen, um funktionieren.

Warum bringt die BZ gerade jetzt einen Artikel mit dem Titel „Weltuntergangsstimmung. BZ-Talk: Warum gibt es immer mehr Prepper?“ Öffentlich-rechtliche und systemnahe Medien greifen Themen auf, die entweder für die politische Agenda von Interesse sind oder aber so verbreitet sind, dass man einfach über sie berichten muss. Letzteres ist hier der Fall. So befragte die BZ den „Prepperexperte(n), der in den letzten Zügen an seiner Doktorarbeit schreibt“, Mischa Luy, von der Ruhruniversität Bochum.

Es ist schon auffällig, wie es die Zeitung schafft, selbst dieses hochspannende Thema uninteressant und lächerlich zu machen. Dennoch kann man dem Interview einige interessante Fakten entnehmen. Zunächst sind „Prepper“ Leute, die „prepared“, vorbereitet sind für Katastrophenfälle. Dabei gibt es zwei Strategien: Erstens die Back-in-Taktik: „Man bunkert sich zu Hause ein, hat viele Vorräte, auffällige Apparaturen“, ist „eher immobil“. Zweitens die Back-out-Taktik: Man versucht, „besonders mobil zu sein“, hat „gepackte Koffer, gepackte Rucksäcke, ein Fluchtfahrzeug vorbereitet“, um in die Wälder zu fliehen, da man mit Plünderungen in der Stadt rechnet. Erwähnt wird auch die Prepperindustrie, die sogenannte Everyday Carry (edc) Notfall-Survivalkits verkauft, die die wichtigsten Gegenstände, Fertignahrung und Ausrüstungsgegenstände enthalten.

Dann wird es aber im weiteren Verlauf des Interviews politisch und man erkennt wieder einmal, wohin der Hase läuft. Der Reporter möchte wissen, wo die Hotspots der Prepper-Szene liegen, welcher politischen Agenda so ein Prepper folgt, warum seit „Corona“ fast doppelt so viele Leute sich dafür interessieren, ob es eine Schnittmenge zu den sogenannten Reichsbürgern gäbe, wie wichtig Waffen für die Prepper seien, ob die Prepper nicht etwas Sektenhaftes an sich hätten, warum der Verfassungsschutz der Prepperszene nicht mehr Beachtung schenke, nachdem 2017 bei der Gruppe „Nordkreuz“ in Mecklenburg-Vorpommern Waffenarsenale gefunden worden seien. Korrekterweise klärt der Interviewte die letzte Frage hinlänglich, indem er zwischen Rechtsterroristen, die das System stürzen wollen, und Preppern, die einfach für sich selbst sorgen wollen, unterscheidet.

Man kann festhalten: Prepper werden unter Generalverdacht gestellt, weil sie der gewünschten politischen Sorglosigkeit keinen Tribut zollen. Damit sind sie im Auge der Systemmedien eine Gefahr für den Staat.

Der kritische Leser muss schon schmunzeln, wenn Sätze fallen wie: „Dann ist preppen eben ein ganz gutes Mittel, um sich nicht mehr auf Expert*innen [sic! – Luy gendert jedes Mal perfekt] verlassen zu müssen.“ Man fragt sich nur, welche „Expert*innen“ damit gemeint sein mögen. Etwa jene „Expert*innen“ von der EU-Kommission, die 2014 eine neue EU-Saatgutverordnung durchbringen wollten? Diese neue Verordnung sollte alte Saatgutsorten einer verpflichtenden Anmeldung unterziehen, was viele Kleinbetriebe wegen der Kosten in den Ruin getrieben hätte, zur „Verarmung der Sortenvielfalt“ geführt hätte und „große Züchtungsbetriebe wie Monsanto und Bayer” in ihrer Monopolstellung noch größer gemacht hätte. Glücklicherweise kam die Verordnung nicht durch (link) , allerdings sind Bayer und Monsanto zwischenzeitlich fusioniert.

Was passiert, wenn eine solche Verordnung durchgeht, hat man in Kolumbien gesehen – Auch in Freiburg konnte man vor einigen Jahren von Initiativen lesen, die sich für die kolumbianischen einheimischen Bauern einsetzten, denen per Verordnung aufgezwungen worden war, dass „nur Agrarkonzerne ihren von ICA zertifizierten Samen verkaufen dürfen, nämlich Hybrid- und Gen-Sorten, nicht aber das Saatgut der Bauern“, mit dem Ergebnis, dass massenhaft Saatgut (unter anderem Reis) beschlagnahmt und zerstört wurde. Dadurch gingen „Biodiversität und Nahrungssouveränität“ verloren, wie das Lateinamerikaportal Amerika21 schrieb.

Oder man denke an den derzeitigen Ukraine-Krieg. An erster Stelle der weltweit größten Getreideexporteure steht Russland, an fünfter Stelle die Ukraine, die sogenannte „Kornkammer Europas“. Vergewissern Sie sich über die TOP 10 Weizenexporteure auf weltexporte.de  Mehr muss man hier nicht mehr sagen …

Wäre es folgerichtig nicht an der Zeit anzuerkennen, dass die Prepper, die sich in der Not selbst versorgen können wollen, in ihrem Denken doch nicht ganz falsch liegen? Luy findet im BZ-Interview klare Worte dafür:

Die Mehrheitsgesellschaft ist eigentlich naiv, sie ist sich ihrer Sache viel zu sicher, die wissen gar nicht, was wirklich passieren würde, wenn es einen Stromausfall gibt, die wissen auch nicht, wie man sich selbst Feuer macht oder sich selbst versorgt.

m_

 

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