…worüber der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht berichtet:

Turbulenzen beim RBB und ZDF – Einschnitte bei ARTE erwartet

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und auch im dazugehörigen Radio hört man viel – vor allem Unnützes. Aber meist nichts, was hausintern beim durch Zwangsgebühren finanzierten staatsnahen Medienkomplex passiert. So möchte man natürlich in der Öffentlichkeit nicht schlecht wahrgenommen werden. Aber die Zukunft sieht für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht rosig aus. Immer mehr Bürger wenden sich von diesem ab, zudem könnten die ersten Sender Finanzierungsprobleme bekommen. Und seine Unabhängigkeit wird von einem Insider bestätigt.

Rund acht Milliarden Euro hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) zur Verfügung. Trotzdem immer mehr Zuschauer zu kostenpflichtigen Streamingdiensten wie Netflix, Wow oder Prime wechseln, forderten Film- und TV-Produzenten diese Woche einen höheren Rundfunkbeitrag, denn auch die Produktionsfirmen leiden angeblich unter den stärker steigenden Kosten etwa für Strom und Energie. Dass das Anbieten von Fernsehfilmen eigentlich nichts mit dem Programmauftrag zu tun hat, den Bürger umfassend und ausgewogen über Bildung, Politik und Kultur zu informieren – man versteckt sich hinter dem angeblichen Auftrag, dass auch Unterhaltung dazu gehöre – wird seitens des ÖRR gar nicht erst diskutiert. Und auch das von der Politik geforderte Sparen und „Gürtel-enger-schnallen“ scheint beim ÖRR wenig ausgeprägt zu sein. Man muß die acht Milliarden Euro ja nicht selbst erwirtschaften.

Skandal beim RBB

Gibt es Filz beim ÖRR? Tja, zumindest beim Sender „Rundfunk Berlin Brandenburg“ (RBB) steht der Verwaltungschef Wolf-Dieter Wolf aktuell unter Verdacht, wie vor allem Medien, die nicht zum ÖRR gehören, (…) meldeten. Abendessen sollen „fehlerhaft“ abgerechnet worden sein, und es geht auch um die Beschäftigung von Beratern für ein Immobilienprojekt, die aus dem Umfeld des RBB-Verwaltungschefs stammen sollen. Auch Intendantin Schlesinger muß sich Vorwürfen stellen. Wolf läßt sein Amt nun erst einmal ruhen.

Jungspund verlässt ZDF-Fernsehrat mit Abschiedsgeschenk

Ein Abschiedsgeschenk ist meist netter Natur. Bei Bendix Lippe indes ist das anders. Sein Ausscheiden aus dem ZDF-Fernsehrat hat er sich mit einem Brandbrief „versüßt“.  In seinem Beitrag, den der Mediendienst DWDL nun veröffentlichte, spart Lippe nicht mit Kritik, so schreibt er:

Insgesamt ist im Fernsehrat alles irgendwie politisch – wer spricht mit wem, welcher Posten wird welcher Gruppe zugeordnet, welche Themen werden auf die Tagesordnung gesetzt, welche nicht? […] Das heißt leider auch, dass die Macht im Fernsehrat sehr zentriert ist, bei den großen Organisationen wie Kirchen, Gewerkschaften oder Arbeitgeberverbänden.

Aha, ein Insider bestätigt, was der ÖRR stets verneint hat, denn seine Aufgabe ist es eigentlich, umfassend, ausgewogen und unabhängig zu informieren. Bendix Lippe aber gibt zu, daß alles irgendwie politisch bestimmt ist.

Wird ARTE künftig nur noch von deutscher Seite finanziert?

Während der ÖRR in der Bundesrepublik darauf hoffen kann, daß die Politik diesen schont, er nicht sparen muß, hat sich bei unseren Nachbarn etwas fundamental geändert: In Großbritannien wird das Nichtzahlen der Zwangsgebühren an die BBC künftig nicht mehr verfolgt. Weitere Maßnahmen Richtung Privatisierung sind angedacht. Und in Frankreich hat Emanuel Macron den Umbau des staatsnahe Rundfunksystems ebenfalls beschlossen. Die jährlichen Gebühren in Höhe von 138 Euro will Präsident Emmanuel Macron abschaffen.

Das könnte auch den Kultursender ARTE treffen, da dieser zu gleichen Teilen von deutscher und französischer Seite finanziert wird. Der Kultursender könnte so auf der Kippe stehen, kein Wunder also, daß der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) seinen Unmut äußert. Der deutsch-französische Gemeinschaftssender solle „ein Kanal für kulturelle Vielfalt und transnationale Verbundenheit“ bleiben. Kritiker befürchten, daß die deutsche Seite komplett für den Sender aufkommen könnte – man kann ja einfach den Zwangsbeitrag weiter erhöhen.

Auf Dauer hilft nur eine Maßnahme

Skandale und der rein politische Fokus beim ZDF-Fernsehrat sowie die nicht aufhörenden Forderungen, den Zwangsbeitrag der Bürger für den ÖRR zu erhöhen – und das in Zeiten, in denen der Bürger sparen soll, lassen nur eine Maßnahme als vernünftig erscheinen: Der ÖRR muß stark beschnitten werden, die Informationspflicht auf wenige Sender mit kulturellen Inhalten und Nachrichten zusammengestutzt werden! Und das übriggebliebene Programm sollte tatsächlich ausgewogen, unabhängig und neutral sein!

 

von Achim Baumann

Beitragsbild auf https://commons.wikimedia.org/wiki/Main_Page unter dem Titel File:ARTE (Association Relative à la Télévision Européenne) – panoramio.jpg vom 19. Januar 2016, Autor: fotogoocom, Quelle: https://web.archive.org/web/20161031043703/http://www.panoramio.com/photo/127370109 unter der Lizenz https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en