Das Messformular des römischen Messbuchs vom 16. Juli lautet: “Gedächtnis der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel (Skapulierfest)”. Dieses Marienfest wurde von Papst Benedikt XIII. 1726 für die ganze Kirche vorgeschrieben und wird noch heute an den Orten, wo Priester wieder die alte lateinische Messe lesen, feierlich begangen.

Vor einigen Jahren erbat ich mir von einem begnadeten Prediger das nachfolgende Predigtskript, das in schönster, kürzester und bester Weise die Herkunft des Festes schildert und die Verheißungen zum Skapulier vom Berge Karmel erklärt. Hier nun die ungekürzte Predigt:

Das Skapulier der Muttergottes vom Berge Karmel – Ausdruck unserer Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens

Am 13. Oktober 1917, während in Fatima die Menge der 70.000 Menschen am Himmel das große Sonnenwunder schaute, zeigte sich die heiligste Jungfrau den drei Seherkindern als Muttergottes vom Berge Karmel.

Drei Jahrzehnte später, am 15. Oktober 1950, wurde Schwester Lucia hierüber von P. Howard Rafferty befragt, der sie im Namen des Generals des Karmeliterordens interviewte: „Unsere liebe Frau“, so sagte die Seherin, „hatte das Skapulier in ihren Händen, weil sie wünscht, dass wir alle es tragen.“ „In vielen Büchern über Fatima“, so erwiderte P. Rafferty, „erwähnen die Verfasser bei der Darstellung der Botschaft von Fatima nicht das Skapulier.“ „O, ganz zu Unrecht“, antwortete Schwester Lucia, „das Skapulier ist der Ausdruck unserer Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens.“ Als P. Rafferty fragte, ob die Leiter der Blauen Armee mit Recht das Tragen des Skapuliers mit großem Nachdruck empfehlen, sagte Schwester Lucia: „Ja, diese Frömmigkeitsübung ist unerlässlich, um die Bitten Unserer Lieben Frau von Fatima zu erfüllen.“

Die Entstehung des Skapuliers

Die Geschichte des Skapuliers ist eng mit der Geschichte des Ordens der Karmeliter verbunden.

Das Karmelgebirge liegt im Heiligen Land. Es erstreckt sich über 30 km entlang der Mittelmeerküste. Der harte Kalkstein des Gebirges bildet zahlreiche Höhlen und Klüfte, die von alters her eine beliebte Zufluchtsstätte für ein beschauliches Leben in Zurückgezogenheit und Einsamkeit waren. Schon der Prophet Elias und sein Schüler Elisäus zogen sich dorthin zurück. Auch in frühchristlicher Zeit lebten dort zahlreiche Einsiedler. Um 1209 vereinigten sich diese zu einem engeren Eremitenverband, entschlossen sich zur Einhaltung einer festen Regel und gründeten so das erste statutenmäßige Karmelkloster. Nun setzte aus ganz Europa ein Zuzug von Mönchen ein, so dass in Palästina in kurzer Zeit 15 weitere Klöster entstanden.

Der aufblühende Orden aber hatte unter dem Christenhass der Sarazenen viel zu leiden. Daher gestattete der Prior des Karmelordens, dass die Mönche aus den fremden Ländern Europas in ihre Heimatländer zurückkehren, um dort neue Karmelklöster zu gründen. Auf diese Weise breitete sich der Orden in Süditalien, Südfrankreich, Aquitanien und Spanien aus. Die Anfeindungen der mohammedanischen Sarazenen im Heiligen Land steigerten sich immer mehr. Schließlich zerstörten sie das Kloster auf dem Berge Karmel und metzelten die gesamte Mönchsschar nieder.

Diese Ereignisse bilden den historischen Hintergrund, vor dem es zur Entstehung des Skapuliers kam.

Im Jahre 1212 gelangten auch einige englische Karmelmönche zurück in ihre Heimat, um dort Klöster zu gründen. In England aber lebte zu dieser Zeit ein heiliger Einsiedler namens Simons Stock. Dieser hatte sein Vaterhaus schon seit seinem zwölften Lebensjahr verlassen, um Wohnung zu nehmen im hohlen Stamm einer Eiche. Wahrscheinlich erhielt der Heilige daher auch seinen Beinamen „Stock“. Der hl. Simon war bereits 48 Jahre alt, als er auf die aus dem Heiligen Land vertriebenen Mönche stieß. Deren innige Liebe zur Himmelskönigin beeindruckte ihn so sehr, dass er seine Baumhöhle verließ, um sich den Karmelmönchen anzuschließen.

Als Fünfzigjähriger wurde er zum Studium nach Oxford geschickt und kehrte, geschmückt mit der Doktorwürde, nach einigen Jahren wieder ins Kloster zurück.

Als achzigjähriger Greis wurde er zum General des Ordens gewählt. Damit aber ward ihm eine äußerst schwere Bürde aufgeladen, denn sein Orden war in Europa nicht gerne gesehen. Im frühen 13. Jahrhundert hatten sich bereits zwei andere Bettelorden gebildet: der Dominikaneroden (1216) und der Franziskanerorden (1223). Mit argwöhnischem Blick sahen daher gewisse Parteien in Rom auf den neueingeführten Karmelorden aus dem Heiligen Land. Man befürchtete einen Wildwuchs an Bettelorden und die Entstehung eines bettelnden Mönchsheeres. Es wurden daher große Anstrengungen gemacht, den Orden zu unterdrücken und aufzuheben.

Pater Simon Stock betete in großer Not

In seiner großen Not flehte der hl. Simon unter Tränen die Gottesmutter an, sie möge die Ordensfamilie, die sie an Kindesstatt angenommen hatte, nicht verlassen und ihr ein besonderes Zeichen ihres mütterlichen Schutzes geben. Daraufhin erschien ihm – es war am 16. Juli 1251 zu Cambridge – die heiligste Jungfrau, lichtumflossen, auf einer Wolke schwebend, umgeben von zahlreichen Engeln und mit dem göttlichen Jesuskind im Arme. Sie reichte dem greisen Ordensgeneral das Skapulier und sprach:

Mein Sohn, empfange dieses Skapulier deines Ordens; es ist das Zeichen der besonderen Vergünstigungen, die ich für dich und die Kinder des Karmel erlangt habe. Wer in diesem Gnadenkleide sterben wird, wird vor dem ewigen Feuer bewahrt bleiben. Es ist ein Zeichen des Heiles, ein Schutzkleid in Gefahren, das Unterpfand eines besonderen Friedens und besonderen Schutzes.

Voll Freude nahm der greise Heilige dieses wertvolle Gnadengeschenk der Gottesmutter an und sorgte schnell für dessen Verbreitung. Hatte der Papst bis dahin noch den Gegnern des Ordens sein Ohr geneigt, so erwies er sich von diesem Zeitpunkt an als Beschützer der neuen Gemeinschaft und bestätigte sie aufs Neue. Unter dem Schutz der Gottesmutter begann der Karmeliterorden in Europa nun rasch aufzublühen. Als der hl. Simon Stock im Jahre 1265 im Alter von 100 Jahren verstarb, zählte die junge Ordensfamilie bereits 40 Klöster und Einsiedeleien.

Das Skapulier sollte jedoch nicht nur den Mönchen und Schwestern des Karmelordens vorbehalten sein. Dieses Gnadengeschenk verlieh Maria allen Christgläubigen – auch uns.

Schon zu Lebzeiten des hl. Simon Stock wurde eine Skapulierbruderschaft gegründet. Bald sah man auch große und hervorragende Persönlichkeiten mit dem Skapulier bekleidet, wie etwa den hl. König Ludwig IX. von Frankreich und dessen gesamte königliche Familie. Nicht weniger als 32 Päpste bereicherten diese Bruderschaft mit Ablässen.

Durch die Erscheinungen der Muttergottes in Fatima erlangte das Skapulier von Neuem entscheidende Bedeutung; am 13. Oktober 1917, bei ihrer letzten Erscheinung in Fatima, zeigte sich, wie anfangs bereits erwähnt, die heiligste Jungfrau während des großen Sonnenwunders den drei Seherkindern als Muttergottes vom Berge Karmel, angetan mit dem braunen Ordenskleid der Karmeliter und dem cremefarbenen Mantel.

Wie aber können wir die Gnadenvorzüge, die mit dem Tragen des Skapuliers verbunden sind, erlangen?

Das Skapulier muss von einem Priester aufgelegt werden. Dies kann heute durch jeden katholischen Geistlichen erfolgen.* Durch das Auflegen des Skapuliers wird man gleichzeitig in die Skapulierbruderschaft aufgenommen.

Die Gottesmutter hatte zum hl. Simon Stock gesagt: Wer in diesem Gnadenkleide sterben wird, wird vor dem ewigen Feuer bewahrt bleiben. Es ist ein Zeichen des Heiles, ein Schutzkleid in Gefahren, das Unterpfand eines besonderen Friedens und besonderen Schutzes.

Man könnte einwenden, dass es der katholischen Religion fremd ist, sich durch materielle Dinge den Himmel zu sichern. Überspitzt könnte man sagen, dass man dann einfach drauflosleben könnte, ohne die Gebote zu halten, und, würde man nur dieses kleine Stückchen Stoff an sich tragen, könnte man schließlich dennoch in den Himmel gelangen.

So einfach aber darf man die Verheißung Mariens nicht verstehen. Falls wir das Unglück haben sollten, in schwere Sünde zu fallen, so wird Maria, die Schatzmeisterin der göttlichen Gnaden, unser Herz mit einer so wirksamen Gnade rühren, dass wir uns auf heilsame Weise umwandeln und bekehren. Wenn wir uns nur nicht durch hartnäckigen Widerstand dieser Gnade widersetzen, so wird Maria auf diese Weise unsere Seele retten.

Der zweite Gnadenvorzug des Skapuliers besteht darin, dass uns Maria bereits am ersten Samstag nach unserem Todestage aus dem Fegefeuer befreien wird. Auch gegen dieses sogenannte Samstagsprivileg (privilegium sabbatinum) wurden ähnliche Einwände erhoben.

Nicht weniger jedoch als fünf Päpste haben ausdrücklich bekräftigt, dass dieses Gnadenprivileg gepredigt werden darf. „Nichts Unreines darf in den Himmel eingehen“, heißt es im Buch der Apokalypse (Offb 21,27). Bis aber bei einem Verstorbenen die gesamte Schuld abgetragen und jede zeitliche Sündenstrafe abgebüßt ist, bedarf es bisweilen einer langen und peinvollen Läuterung. Wir können es daher nicht hoch genug einschätzen, was es bedeutet, die Zeit der Läuterung im Fegefeuer durch das Tragen des Skapuliers auf so kurze Zeit beschränkt zu bekommen!

Unter welchen Bedingungen aber können wir des Samstagsprivilegs teilhaftig werden?

Hierzu muss man:

  1. sich der standesgemäßen Keuschheit befleißigen: d.h. Priester und Ordensleute, wie es dem geistlichen Stand entspricht; Eheleute, wie es sich für den Stand der christlichen Ehe geziemt und Ledige, gemäß dem Stand der Unverheirateten (Selbstverständlich bleibt es den unverheirateten Skapulier-Trägern erlaubt, das Ehesakrament anzustreben.)
  2. die sogenannten Marianischen Tagzeiten beten, oder sich am Mittwoch, Freitag und Samstag von Fleischspeisen enthalten, oder – und dies kann jeder von uns leicht erfüllen – täglich den Rosenkranz beten.

Wenn uns Maria in ihrer übergroßen Liebe mit dem Skapulier ein so großzügiges Gnadengeschenk darbietet, wie sollten wir dann darauf antworten?

Falls wir das Skapulier noch nicht empfangen haben, so sollten wir den Mut haben, einen Priester zu bitten, es uns aufzulegen. Wenn wir jedoch das Skapulier bereits aufgelegt bekommen haben, sollten wir darüber tiefe Freude empfinden und diese Gnade wieder neu schätzen! Tragen wir dieses Ehrengewand der auserwählten Kinder der Muttergottes auch weiterhin mit Freude und beten wir den Rosenkranz mit großer Dankbarkeit für die Bevorzugung und Begünstigungen, mit denen uns die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria stets beschenkt!

Als Schwester Lucia befragt wurde, weshalb Maria bei ihrer letzten Erscheinung in Fatima als Muttergottes vom Berge Karmel erschienen war, sagte sie:

Maria wollte dadurch ihren Wunsch bekunden, dass alle Menschen das Skapulier als Zeichen ihrer Weihe an Ihr Unbeflecktes Herz tragen.

Das Skapulier besteht aus zwei Stückchen braunen Wollstoffes, die durch zwei Tragebändchen miteinander verbunden sind. Der Name dieses Sakramentale leitet sich ab vom lateinischen Wort sacpulae, Schultern. Das Skapulier wird über beide Schultern hängend getragen und deutet das braune Schulterkleid des Ordensgewandes der Karmeliter an. Eines der Wollstückchen trägt ein Bildnis der Muttergottes mit ihrem göttlichen Kinde auf dem Arm. Beide, Gottesmutter und Jesuskind, reichen, wie bei der Erscheinung gegenüber dem hl. Simon Stock, ein Skapulier dar. Auf dem anderen Wollstückchen befindet sich das Bild des Gekreuzigten oder des Heiligsten Herzens Jesu.

Das erste Bekehrungswunder mit dem Skapulier

Um diesen Beitrag zu lesen, klicke man auf: Bekehrungswunder mit dem Skapulier.

 

*Anmerkung: Die wenigsten Geistlichen kennen heute noch das Skapulier. Hingegen wird in den traditionellen (link 1) Bruderschaften (link 2) dafür geworben

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Beitragsbild: m_,

Gemäldebild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nicolas_Mignard-Vierge_et_saint_Simon_Stock.jpg