Das Sozialistengesetz

Im Kaiserreich wurden die Sozialdemokraten durch das Sozialistengesetz, das von 1878 bis 1890 galt, verfolgt. Sozialistische Vereine, Versammlungen und Schriften waren verboten.

Reichstagsabgeordnete der Partei genossen allerdings parlamentarische Immunität und konnten ihr Mandat ausüben.

August Bebel – einer der führenden Männer

Einer der führenden Männer der Partei war in dieser Zeit August Bebel (1840-1913). Er war Mitglied des Reichstages des Norddeutschen Bundes bzw. des Reichstages des Kaiserreichs.

Zur Zeit des Sozialistengesetzes agierte er im Untergrund. In einem Prozess, in dem ihm ein erfundener Hochverrat vorgeworfen worden war, wurde er zu einer zweijährigen Festungshaft verurteilt. Später nannte er diese Zeit seine „Haftuniversität“, in der er sich erholen und fortbilden konnte.

Während seiner Wanderjahre als Drechslergeselle kam er übrigens auch nach Freiburg, wo er dem Kolpingverein beitrat.

Ein Spiegelbild für den Umgang mit der AfD von heute

In seiner Autobiographie beschreibt er den Hass, die Manipulationen und die Ausgrenzung durch die bürgerlichen Parteien. Das, was die SPD damals erlebt hat, übt sie jetzt gemeinsam mit den anderen vier Blockparteien an der AfD aus.

Aus meinem Leben – Bebels Biographie

Sämtliche Belegstellen sind dem Buch von August Bebel: Aus meinem Leben, Berlin 1980 entnommen.

Man ändert einfach zu seinen Gunsten die Geschäftsordnung

„Da ich bei der Eröffnungssitzung des Zollparlaments zugegen war, wurde ich neben den Abgeordneten Hans Blum, v. Watzdorf und Tobias Jugendschriftführer. Damals bestand noch in der Geschäftsordnung des Reichstags (des Norddeutschen Bundes, dr fa) die Bestimmung, daß die bei der Eröffnungssitzung anwesenden vier jüngsten Mitglieder neben dem Alterspräsidenten das provisorische Büro bildeten. Aus Ärger, daß auf diese Weise Sozialdemokraten in das Büro kommen konnten, änderte man später die Geschäftsordnung. Jetzt wählte der Alterspräsident die vier Schriftführer des provisorischen Büros. An Kleinlichkeit der Auffassung der Opposition gegenüber hat es dem Reichstag nie gefehlt.“ (S. 297f)

Mahnung zur Vorsicht in Rede und Schrift

„Arbeitet kräftig für die Ausbreitung der Partei und unserer Prinzipien, aber seid vorsichtig im Reden, vorsichtig auch im Schreiben – die uns feindliche Gewalt sucht alles gegen uns zu benutzen.
(S. 322)

Die Mainstream-Medien

„Mich wundert dieses Treiben nicht. Die offiziöse Preßmeute tut eben, was Natur und Amt ihr vorschreiben.“  (S. 334)

Eine “heftige und niedrige Kampfweise”

„Ihr habt mir Euer Vertrauen erhalten, obgleich ich nicht in Eurer Mitte erscheinen konnte, um meinen Standpunkt gegenüber der neuen Sachlage der Dinge darzutun. Ebensowenig habt Ihr Euch auch beirren lassen durch die heftige und niedrige Kampfweise, womit die Gegner den Wahlkampf führten.“ (S. 341)

Die Freilassung blockiert

“Am 27. März stellte Schraps, unterstützt von den Mitgliedern der Fortschrittspartei, im Reichstag den
Antrag auf meine Freilassung. Im Gegensatz hierzu beantragten die Abgeordneten Dr. Stephani-Leipzig und Professor Biedermann, den Reichskanzler um Auskunft, über den Stand der Sache zu ersuchen. In ihrem blinden Hass fühlten sie nicht das Kleinliche und Verächtliche ihrer
Handlungsweise.” (S. 342)

Das” Hausrecht” im Reichstag

“Bezeichnend für die damalige Situation im Reichstag war auch, dass der Abgeordnete Bamberger es wagen konnte, die sozialistischen Abgeordneten als geduldete Gäste zu bezeichnen, denen man das Hausrecht verweigern könne.” (S. 407)

“Die wir vernichten wollten blieben Sieger”

“Aber mit der Verfolgung wuchs auch der Widerstand der Parteigenossen, und wenn Tessendorf und die Richter der siebenten Deputation am Ende ihres Lebens sich ehrlich Rechenschaft über ihr Tun und Treiben abgelegt haben, mußten sie sich sagen: Wir arbeiteten ohne Erfolg; wir haben viele Existenzen vernichtet, viel Familienglück zerstört, und manchen durch harte Verurteilung in ein frühzeitiges Grab gebracht, aber die Bewegung, die wir meistern, meisterte uns. Wir sind die Unterlegenen. Die wir vernichten wollten, blieben Sieger.” (S. 413)

Wirte weisen die Tür

Patriotische Hausherren kündigten ihren sozialdemokratischen Mietern, Wirte, die jahrelang froh waren, Sozialdemokraten zu ihren Kunden zu zählen, forderten jetzt diese auf, ihre Lokalitäten zu meiden. In Leipzig hatten die Redakteure des „Vorwärts“ und der „Neuen Welt“ – Liebknecht, Hasenclever, Geiser – die Gewohnheit, nach Schluss der Redaktion am Nachmittag in einem bestimmten Lokal einen „Frühschoppen“ zu trinken. Der Wirt ließ ihnen nunmehr sagen, daß er auf ihren Besuch gern verzichte.” (S. 495)

Fenster eingeschlagen

“In Schwerin warf man dem alten Demmler an zwei Nächten hintereinander die Fenster ein, was den vierundsiebzigjährigen Mann so aufregte, daß er auf einige Zeit Schwerin verließ und die weitere Annahme einer Kandidatur für den Reichstag ablehnte. Alle diese Ausbrüche fanatischer Roheit(sic!) und politischen Wahnsinns genügten aber den „Patrioten“ noch nicht, um ihre Verfolgungswut zu befriedigen.” (S. 496)

Was man inkognito alles erfährt

“Für mich und unser Geschäft hatte die allgemeine Hetze ganz besonders mißliche Folgen Ich war genötigt, nach meiner längeren Haft endlich eine Geschäftsreise zu unternehmen. Dieselbe sollte nach Norddeutschland und dem Unterrhein vor sich gehen, Länderstrecken, die ich bisher zum
größten Teil geschäftlich noch nicht besucht hatte. Das war in gewissen Sinne mein Glück. Ich war in jenen Gegenden persönlich nur sehr wenig bekannt und konnte es so riskieren, in den Hotels unter angenommenem Namen zu wohnen, da ich unter meinem eigenen Namen nirgends als Gast geduldet worden wäre. Tag für Tag war ich an der Wirtstafel Augen- und Ohrenzeuge, wie die Gäste in Ausdrücken grenzenlosen Hasses sich gegen die Partei und speziell auch gegen meine Person ergingen. Wäre ich erkannt worden, es wäre zu den schlimmsten Szenen gekommen.” (S. 497)

Parole: Kein Sozialdemokrat darf mehr gewählt werden

“Der Wahlkampf entbrannte mit einer bisher nicht gekannten Heftigkeit. Die Bismarcksche Wahlparole verhinderte nicht, daß alle bürgerlichen Parteien den Kampf gegen uns als vornehmste
Pflicht ansahen. Die Sozialdemokratie muß aus dem Reichstag hinaus. Kein Sozialdemokrat darf mehr gewählt werden, wurde die Losung auch in der fortschrittlichen Presse. (S. 498)

Keine Agitation mehr möglich

“Mit dem Hinauswurf der Sozialdemokratie aus dem Reichstag war es also nichts. Aber auch in Bezug
auf die Stimmenzahl schnitten wir günstiger ab, als wir nach der furchtbaren Hetze gegen uns hoffen
durften, denn in einer Anzahl Wahlkreise war der gegnerische Terrorismus so stark, daß wir keine
Agitation betreiben konnten. (S. 499)

Das “erbärmliche Lumpengesindel” in der Presse

“Trotz der erbärmlichen Zeiten – denn die Geschäfte gehen im allgemeinen sehr schlecht, und wir haben bis jetzt den ungünstigsten Winter, den wir in den letzten Jahren gehabt – opfern die
Genossen, was sie vermögen, und beschämen so jene traurigen Wichte und jenes erbärmliche Lumpengesindel, welches sich namentlich jetzt in schamlosester Weise in der Presse zeigt.” (S. 526)

Kein Recht und Gesetz

“Jetzt darf man sich gegen Sozialdemokraten alles erlauben, Recht und Gesetz gibt es für uns nicht.” 
(S. 527)

Meinungsverschiedenheiten unvermeidlich

“Es ist unvermeidlich, daß in einer Partei, sei sie auch noch so geschlossen und in ihrer persönlichen Auffassung einig, im Laufe des Kampfes Meinungsverschiedenheiten entstehen und sich Gegensätze herausbilden. Es gibt keine Partei, die dergleichen Erfahrungen nicht gemacht hätte oder macht. Die Sozialdemokratie macht darin keine Ausnahme.” (S. 661)

Anzeigenblätter verweigern sich

“Auch verweigerten in zahlreichen Städten die bürgerlichen Blätter die Aufnahme bezahlter Anzeigen, in denen die Wahl sozialdemokratischer Kandidaten empfohlen wurde.” (S. 639)

 

dr fa

Bild: Wikipedia Auflösung einer sozialdemokratischen Versammlung im Jahr 1881