Neue Rubrik im Freiburger Standard: der Ratgeber!

Frieren Sie Ihr Vermögen ein! So entkommen Sie mühelos der von Mme.  Lagarde zu verantwortenden Inflation!

Ich danke Harald Schmidt für diesen Gedanken, den er im Opernhaus Zürich am 2. Mai diesen Jahres leider viel zu kurz angeschnitten hat (link – Minute 4:03). Daher wage ich mich an eine Ausgestaltung.

Die Kunst des Einfrierens

Das Bundeszentrum für Ernährung hat da so einige Tipps parat (link).

Ich zitiere von dort (nur leicht verfälscht):

Das Gefriergerät ist ein wahrer Lebensretter. Fix und fertig portionierte Vermögensteile erleichtern Ihnen den Alltag. Also ran an die Gefriergeräte.

Schritt für Schritt – Einfrieren leicht gemacht

Vorbereiten: richtig portionieren

Eine gute Vorbereitung verringert später den Aufwand beim Ausgeben!

Verpacken:

Die richtige Verpackung verhindert Qualitätsverluste wie zum Beispiel Gefrierbrand oder Geruchs- und Geschmacksveränderungen. Geld soll ja nicht stinken! Große und unregelmäßig geformte (Gold und Silber-) Stücke passen in große Beutel oder in Alufolie. Dosen und Schalen aus Kunststoff oder hitze- und kältebeständigem Glas sind mehrfach verwendbar. Ebenfalls geeignet, aber nur einmal verwendbar sind spezielle gefriergeeignete Folienbeutel aus Polyethylen und Gefrierkochbeutel. Frühstücksbeutel, Joghurt- und Quarkbecher sind zum Einfrieren ungeeignet.

Befüllen:

Befüllen Sie die Behälter so voll wie möglich. Je weniger Luft an ihr Vermögen kommt, desto weniger trocknet es aus.

Einfrieren in Folienverpackung:

Streichen Sie vor dem Verschließen die Luft aus der Folie oder Beutel heraus. Verschweißen oder verdrehen Sie das Beutelende fest. Sichern Sie das Gefriergut mit Verschlussklemmen oder Clips. Bringen Sie Beutel und Folienpakete möglichst in eine eckige Form, so lassen sie sich besser stapeln. Die meist eckige Form von Geldbündel und Schuldscheinen hilft ihnen dabei von Hause aus. Damit alles schneller durchfriert, sollten die Beutel nicht höher als 10 Zentimeter sein.

Beschriften:

Beschriften Sie die Vermögenspakete mit einem wasserfesten Stift. So behalten Sie den Überblick über Inhalt, Menge und Einlagerungsdatum.

Lagerdauer – jetzt wird es spannend:

Beim Gefrieren wird die inflationäre Aktivität des Vermögens reduziert, aber erst bei Temperaturen von mindestens -40 °C ganz verhindert. Auch bei tiefgefrorenen Vermögen gehen also Abbauprozesse sehr langsam weiter. Laden Sie sich hier eine ausführliche Tabelle mit Hinweisen zur Verarbeitung, Lagerdauer, Auftauzeit und Investitionshinweisen herunter (link hat hier keinen Sinn). 

Tipp: Ein Bestandsverzeichnis hilft, den Überblick über die eingefrorenen Penunzen zu behalten.

Können aufgetaute Vermögensteile wieder eingefroren werden?

Bei der Entscheidung, ob der Vermögensteil noch einmal eingefroren werden kann, ist die Frage hilfreich: Könnte die Kohle jetzt direkt verprasst werden? Ist alles noch einwandfrei? Solche Vermögensbestandteile können auch wieder eingefroren werden, sollten aber dann frühzeitig verbraucht werden. Aussehen und Geruch müssen immer einwandfrei sein. Stark angetaute oder aufgetaute Geldscheine lieber möglichst schnell verbrauchen. Vorsicht ist hier vor allem bei leicht verderblichen Devisen geboten. In jedem Fall kommt es aber beim zweiten Einfrierprozess zu qualitativen Einbußen.

Herrlich – bis auf wenige Wortänderungen funktioniert das sprachlich und inhaltlich einwandfrei.

Sie finden das alles überhaupt nicht zum Lachen?

Sie Ärmster! Ich bin da raus. Außer meiner wunderbaren Familie und meiner ansehnlichen Schallplattensammlung verfüge ich über kein nennenswertes Vermögen. Das hat mich auch damals schon über die Telekomaktionäre, die reihenweise baden gegangen sind, schmunzeln lassen.

Was passiert nun in einigen Jahren, Jahrzehnten oder vielleicht sogar Jahrhunderten mit den eingefrorenen Vermögen der im Westen so verhassten Gestalten. Stellt irgendwann vielleicht mal irgendein Gericht fest, dass das seinerzeitige Einfrieren nicht rechtens war? Muss dann der deutsche Steuerzahler diese sich dann im Auftauprozess befindlichen Vermögen mit korrektem, im Grunde selbstverschuldeten, Inflationsausgleich nachverzinsen?

Und nein – ich bin kein Linker, der das Geld ablehnt, weil er keines hat.

Ich mache mich schon seit Jahren über vor allem Selbstständige lustig, die ihren hart erarbeiteten Gewinn an den Finanzmärkten investieren und dann jammern wenn es schief läuft. Warum ist man selbstständig? Man hat eine Geschäftsidee und kann daher eingesetztes Kapital mit eigener Anstrengung vermehren. Dann ist man so weit, hat ein paar Tausender übrig, und nur weil Manfred Krug so freundlich aus dem Bildschirm schaut, wirft man nun diesen eigenen, hart erwirtschafteten Gewinn irgendwelchen Finanzhaien hinterher im Zutrauen, dass deren Geschäftsidee noch besser ist und noch schneller noch mehr Gewinn abwirft. Richtig wäre, den selbst erwirtschafteten Gewinn wieder ins eigene Unternehmen zu stecken und sein Angebot damit zu optimieren, zu verbreitern und / oder zu vertiefen.

Im direkten persönliche Umfeld so geschehen. 3-Mann-Betrieb. Nach langer Durststrecke reckt das Geschäfts-Girokonto seinen Hals endlich wieder aus dem tiefroten Morast. Geld genommen, der Telekom gegeben. 80.000 D-Mark in den Sand gesetzt. Später dann wieder Geld genommen und auf ein Tagesgeldkonto gelegt. Für 35.000 Euro gab es 55 Cent Quartalszinsen. Und im Betrieb zahlte man keine auskömmlichen Löhne, woraufhin ich geflüchtet bin. 2 Jahre später war der Betrieb dicht – kein mir (wahrscheinlich zu gleichen Bezügen angelockter) nachfolgender Angestellter hatte sich als tauglich erwiesen. Der Chef wollte sich in den Ruhestand zurückziehen und allein kann man den Betrieb nicht führen. Tja – falsch investiert.

mb

Bild von Wilfried Pohnke auf Pixabay