Lieber stehend sterben als kniend leben – das gilt in abgewandelter Form auch für Freiheitsdemonstrationen. Lange Zeit haben die Freiburger Corona-Demonstranten auf ihren Zügen mit bis zu 10.000 Teilnehmern die Strategie verfolgt, lieber dem Maskenzwang nachzugeben, um nicht die Auflösung ihres Protests zu provozieren und dadurch die eigene Botschaft zu gefährden. Dass eine solche Art der unterdrückenden Gewaltpolitik in einem freiheitlichen Staat langfristig nicht geduldet werden kann, ist bei den demonstrierenden Freiburgern nicht in Vergessenheit geraten: Auf der Demonstration auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg am vergangenen Samstag, 19. März, war nicht nur das Wetter, sondern auch die Stimmung zu gut für den Stofffetzen, der dort gerne mal als Maulkorb oder Mundwindel bezeichnet wird.

Malte Wendt, Anmelder der Corona-Demonstrationen in Freiburg, hatte in seiner Rede dazu aufgerufen, sich der Maskenpflicht einen Tag vor dem sogenannten „Freedom Day“ zu widersetzen. Dieser Tag brächte nicht die versprochene Freiheit – einzig und alleine die Leine, an der der Staat die unbescholtenen Bürger seit Beginn der Corona-Krise führe, werde etwas länger sein.

Als in der Schweiz vor einem Monat das Ende fast aller Corona-Maßnahmen vom Bundesrat beschlossen worden war, kam es dort trotzdem noch zu Demonstrationen gegen die Maskenpflicht, die beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr nicht aufgehoben war. Freiheit und bürgerliche Privilegien werden nicht verschenkt, sondern sind in der Geschichte stets erkämpft worden – bei der staatlichen Maskenpflicht kann es sich nicht anders verhalten.

Es ist also durchaus relevant, was auf den Demonstrationen in Freiburg und anderswo passiert. Der Freiburger Standard hat den Bericht eines Demoteilnehmers verschriftlicht:


Seit Oktober 2021 demonstrierte ich regelmäßig auf den FreiSeinFreiburg-Demos samstags ab 14.00 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge (bzw. Fahnenbergplatz). Bis kurz vor dem Ukraine-Krieg waren mehrere tausend Personen gekommen und haben einen langen Demozug durch die Innenstadt bzw. angrenzende Stadtteile gebildet.

Dann kam die Zäsur des Ukraine-Krieges. Wie erwartet ging die Demoteilnehmerzahl zurück, doch eine immer noch stattliche Menge demonstrierte weiter und es wäre noch lange so weitergegangen. Nur: so manch einer/eine war nicht schlecht überrascht, wie die politisch Verantwortlichen kurzerhand auf Ukraine-Friedensdemos die Einhaltung der Maskenpflicht nicht näher verfolgten. Achtet das Coronavirus bei seiner Verbreitung etwa auf die Gesinnung?

Breitspurig angekündigt von den öffentlich-rechtlichen Medien wurde für den 20. März der sogenannte Freedom-Day. Zahlreiche Coronaeinschränkungen sollten fallen. Doch wer tatsächlich gewagt hatte, darauf zu hoffen, wurde spätestens am Freitag im Bundestag durch Lauterbach und Konsorten eines Besseren belehrt. Deutschland als Weltmeister der strengsten Coronaauflagen durfte hier doch auf keinen Fall seinen Rang einbüßen!

Wer die Corona-Demonstranten kennt, weiß hinreichend, dass es sich hier um die bodenständige, vernünftige Mittelschicht handelt, die keinen Sinn für solcherlei bürokratische Gängelungen hat und schon lange weiß, dass die tatsächlichen Eliten, unsere guten Ärzte, im Widerstand sind und mit Berufsverbot, Razzien, Rufmord und allen möglichen Schikanen belegt worden sind.

Heute jedenfalls war ein besonderer Tag für das freie und die echte Demokratie liebende Freiburg… Wir stießen zur Demo, als ein Redner seine Beobachtung schilderte, dass in den ersten Monaten der sogenannten Pandemie wir diese Pandemie nur aus dem Fernsehen kannten und uns lange kein einziger Fall im persönlichen Umfeld bekannt wurde, der an Corona erkrankt war. Kaum aber wurde massenweise die Bevölkerung geimpft, grassiert die Seuche in der kompletten Verwandt-, Nachbar- und Bekanntschaft. Diese Wahrnehmung können wir nur bestätigen.

Die Rede war zu Ende – der Zeitpunkt, an dem üblicherweise der Demozug seinen Weg aufnimmt – und das Wort wurde, was sehr unüblich war, an die Polizei gegeben. Ohne lange Vorrede kam der Polizist auf den Punkt mit seiner ersten Aufforderung an die Demonstranten, die Masken aufzuziehen. Ein lautes, anhaltendes Trommeln erfolgte. Etwa fünf Minuten später dasselbe Prozedere. Und beim dritten Mal wurde schließlich angekündigt, dass die Versammlung aufzulösen sei und wer in 15 Minuten nicht vom Platz sei, mit Konsequenzen zu rechnen habe.

Unter den Demonstranten trat alsbald eine gewisse Unruhe auf und ein Teil davon leistete der polizeilichen Anordnung Folge und verließ die Demo (wohl weniger als die Hälfte der Leute). Daher ergriff der Demoverantwortliche Malte Wendt noch einmal das Wort – nicht von der Audioanlage der Bühne aus, sondern über Lautsprecher eines seitlichen Demowagens – und klärte die Leute auf, was für eine Folge ihr weiteres Ausharren auf dem Platz haben könnte, nämlich Bußgelder.

Daraufhin zog sich die Polizei zurück und zog vier Mannschaftswagen vom Platz vor dem Stadttheater ab, Fahrzeuge, die nach eigener Beobachtung bei vorherigen Demos nie dort gestanden hatten.

Dann sind die Trommler etwa eine Stunde auf dem Platz der Alten Synagoge trommelnd im Kreis gelaufen. Etwa eine Stunde später kam ca. eine Hundertschaft Polizeiverstärkung und begann, die Demonstranten zu umringen; Flatterbänder wurden zum provisorischen Einkreisen verwendet, bis die Polizei etwa mit einem Dutzend Fahrzeugen die Nordflanke des Platzes eng abgeriegelt hatte. Der harte Kern der Demonstranten erkannte unausgesprochen, dass nun ein klares Bekenntnis von ihnen gefordert war und harrte aus. Sie trommelten und sangen ununterbrochen. Nach der etwa zweieinhalbstündigen Versammlung zog die Polizei den Kreis enger und konfiszierte die Trommeln.

Einige Demonstranten des harten Kerns konnten den Platz von polizeilichen Maßnahmen unbehelligt verlassen, von anderen wurden die Personalien aufgenommen. Ich verließ die Versammlung zusammen mit Freunden und Bekannten um etwa 17.10 Uhr. Der weitere Verlauf ist mir nicht bekannt.


Dem Freiburger Standard liegen Videoaufnahmen von dieser Einkesselung vor, die die Authentizität der Schilderungen des Demoteilnehmers bestätigen. Wir veröffentlichen nur eine Außenaufnahme, um die Aufdeckung von Identitäten von Demonstranten, die sich für unsere Freiheit einsetzen, zu erschweren.

m_, Aaron Kimmig