Von Jan Ackermeier

Am 13. Juli 1863 verwandelt sich New York City in einen Kriegsschauplatz – nicht zwischen Nord und Süd, sondern mitten im Norden selbst. Auslöser sind die sogenannten „Draft Riots“, gewaltsame Proteste gegen die Wehrpflicht im amerikanischen Bürgerkrieg. Die Bundesregierung hatte kurz zuvor per Gesetz festgelegt, dass erwachsene Männer zum Kriegsdienst eingezogen werden können, es sei denn, sie zahlen eine hohe Summe oder stellen einen Ersatzmann. Für viele arme Arbeiter, insbesondere irischstämmige Einwanderer, wirkt diese Regelung wie eine offene Einladung zur sozialen Ungerechtigkeit: Die Reichen können sich „freikaufen“, die Armen müssen an die Front. Die Spannungen in der Stadt sind schon vorher groß. Steigende Lebensmittelpreise, wirtschaftliche Unsicherheit und Spannungen zwischen den verschiedenen Einwanderungsgruppen bilden einen explosiven Hintergrund. Viele irische Arbeiter fürchten, dass befreite Schwarze ihnen nach einem möglichen Sieg des Nordens die Arbeitsplätze streitig machen könnten. Vor diesem toxischen Mix aus sozialer Not, politischer Propaganda und ethnischen Spannungen genügt ein Funke – und dieser Funke ist die erste Ziehung der Wehrpflichtlose.

Ein Funke genügt
Am Morgen des 13. Juli beginnen Demonstrationen gegen die Einberufung vor dem Ziehungsbüro. Aus Protest wird rasch Gewalt: Die Menge stürmt das Gebäude, setzt es in Brand und greift Polizisten an. Es bleiben nicht bei Angriffen auf staatliche Einrichtungen. In den folgenden Tagen richten sich die Ausschreitungen auch gegen wohlhabende Bürger und gegen Symbole der Regierung. Die Behörden sind zunächst überfordert. Viele reguläre Truppen befinden sich an der Front, und die Polizei ist zahlenmäßig der Menge deutlich unterlegen. Erst als Einheiten des Heeres aus dem Feld zurückbeordert werden, gelingt es, die Riots nach mehreren Tagen blutig niederzuschlagen. Am Ende stehen Hunderte Tote und Verletzte, gewaltige Sachschäden und eine Stadt, deren gesellschaftliche Bruchlinien offen zutage liegen. Die Draft Riots vom 13. Juli 1863 gelten als die schwerste innerstädtische Gewaltexplosion in der Nordstaatenheimat während des Bürgerkriegs. Sie zeigen, wie sehr soziale Ungleichheit, ethnische Spannungen und ungeschickte politische Maßnahmen ein demokratisches Gemeinwesen destabilisieren können.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Kampf der Regierungstruppen mit dem Mob (zeitgenössische Zeitungsdarstellung). Urheber unbekannt

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