Am 11. Mai 330 weiht Kaiser Konstantin der Große nach mehrjähriger Bauzeit das bisherige Byzantion unter dem Namen Nova Roma ein und macht es zur Hauptstadt des Römischen Reiches. Nach seinem Tod erhält die Stadt den Namen Konstantinopel.

Byzantion war eine um 660 v. Chr. am südwestlichen Ausgang des Bosporus gegründete Koloniestadt dorischer Griechen aus Megara, Argos und Korinth. Wegen der wachsenden Bedeutung der Osthälfte des Römischen Reiches und zur Feier des Sieges über seinen letzten Rivalen Licinius, der den östlichen Reichsteil bis 324 beherrschte, wurde Byzantion von 326 bis 330 von Konstantin dem Großen zur Residenz ausgebaut.

Mehrere Städte waren von Konstantin zuvor in Betracht gezogen worden, darunter das alte Troja an der kleinasiatischen Küste und angeblich auch Jerusalem, doch, so behauptete der Kaiser nachträglich selbst, habe er sich aufgrund einer nächtlichen Erscheinung der Jungfrau Maria auf ihren Rat hin für das am Bosporus liegende Byzantion entschieden. Der Ort lag strategisch günstig, in Reichweite sowohl der Donau- wie der Euphratgrenze. Die Stadt wurde auf das Fünffache der ursprünglichen Fläche vergrößert und wie das Vorbild Rom auf sieben Hügeln errichtet. Auch die politischen und weltlichen Einrichtungen der alten Hauptstadt wurden vielfach nachgeahmt. So erhielt Konstantinopel ein Kapitol, einen Circus für 100.000 Zuschauer, ein Forum (Forum Constantini) und eine Hauptverkehrsachse in ostwestlicher Richtung. Aus dem ganzen Reich wurden Kunstwerke in die Stadt geschafft, um ihr Glanz zu verleihen.

Jan Ackermeier

Bild: Kopf einer Kolossalstatue von Konstantin dem Großen im Musei Capitolini, Rom um 313–324.
Urheber: Jean-Pol Grandmont
Lizenz: CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de