Von Dario Herzog
Alles ist letztendlich auch politisch. Selbst am Beispiel von Computer- und Konsoloenspielen und der dahinter steckenden milliardenschweren Wirtschaft kann man exemplarisch nachzeichnen, dass die deutschen Regierungen bislang und wohl auch in Zukunft kein Gespür für Zukunftsvisionen haben – und damit nicht ansatzweise merken, was für einen vitalen Markt sie wirtschaftlich vernachlässigen. Denn eines ist sicher: Mit PC- und Konsolenspielen ist eine Menge Geld zu machen. Ein deutlicher Indikator dafür ist die jedes Jahr wachsende Messe Gamescon in Köln. Aber Unterstützung der Politik ist nicht in Sicht.
Gamescon: Wieder größer gewesen
Vom 20. bis 24. August lockte die Gamescom in Köln mit beeindruckenden 357.000 Besuchern und 1.568 Ausstellern auf eine Fläche von 233.000 Quadratmetern – ein erneuter Beweis für ihre Position als weltgrößte Computerspielmesse. Die Begeisterung war greifbar: Neuankündigungen, Entwickler im regen Austausch über Innovationen und Fans, die ihre Leidenschaft für Games in vollen Hallen feierten. Ein unbestrittener Höhepunkt für die deutsche und internationale Gaming-Szene. Doch der Glanz der Messe steht im starken Kontrast zur Realität vieler Studios, die sich politisch und finanziell oft alleingelassen fühlen. Aber warum wird Gaming in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Ländern – so gut wie gar nicht unterstützt?
Förderung – zunehmend kleinteilig und unzuverlässig
Seit 2020 gibt es ein klitzekleines bundesweites Förderprogramm für Computerspiele. 2023 wurden 70 Millionen Euro bereitgestellt, 2024 waren es noch 50 Millionen Euro, doch für 2025 bleibt vieles unklar. Seit Mai 2023 können keine neuen Anträge mehr eingereicht werden, weil die Mittel ausschließlich zur Auszahlung bereits bewilligter Projekte verwendet werden. Der Staat muss sparen – oder das erwirtschaftete Steuergeld anderweitig verprassen. Zudem plant das verantwortliche Bundesministerium künftig nur noch Projekte ab einem Volumen von 300.000 bis 400.000 Euro zu fördern. Kleinere Studios sollen sich weiterhin an Landesprogramme wenden – bei jährlich insgesamt nur etwa 17 Millionen Euro Fördervolumen auf Landesebene. Die EU-Regelungen zur Doppelförderung werden zudem streng angewendet, was laut Branchenverband Game den bürokratischen Aufwand unnötig erhöht.
Kritik: Von Branche und Bundesländern
Der Branchenreport „Jahresreport der deutschen Gamesbranche 2025„ zeigt eine Verschlechterung: rückläufige Zahl an Unternehmen (910) und Beschäftigten (12.130). Boomende Neugründungen haben sich wieder abgeebbt. In einer Umfrage hatten über 50 Prozent der Studios die politische Unterstützung als „eher schlecht“ bewertet, 17 Prozent sogar als „sehr schlecht“. Nur 28 Prozent sahen die Lage als „gut“, gerade einmal zwei Prozent als „sehr gut“. Zahlreiche Landesminister kritisieren besonders die 300- bis 400-Tausend-Euro-Grenze als willkürlich oder gar als Rückschritt. So sagte Bayerns Digitalminister Fabian Mehring: „Ich vermisse den ernsthaften Willen, um den Gamesstandort Deutschland international wettbewerbsfähig zu machen.“ NRW-Medienminister Nathanael Liminski bemängelt fehlende Planungssicherheit, Hamburgs Mediensenator Carsten Brosda sieht die Streichung kleinerer Projekte als fatal. Wieder einmal bremnst Förderalismus den Erfolg.
Ein Hoffnungsschimmer – aber bleibt er relevant?
Wirtschaftsminister Robert Habeck kündigte auf der letztjährigen Gamescom Steuerhilfen ab diesem Jahr an, um bestimmte Produktionskosten steuerlich absetzbar zu machen – ein potenziell wichtiger Schritt zur Entlastung der Studios. Doch bereits kurze Zeit später widersprach Finanzminister Christian Lindner diesem Modell und ließ erkennen, dass diese Steuervergünstigungen nicht zwingend vorgesehen seien. Ein weiteres Desaster: 100 Millionen Euro Extra-Förderung, vorgesehen über drei Jahre und seinerzeit verwaltet von der ehemaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth, sind bis zur Abwahl der Ampelkoalition nicht ausgezahlt worden – ein „totales Chaos“ laut Branchenkennern.
Der Glanz der Gamescom – der Schatten der Politik
Die Gamescom 2025 steht als triumphale Leistung der Branche und als Beweis für die Lebendigkeit der Spielkultur hierzulande: ein Ort des Austauschs, der Inspiration und der internationalen Vernetzung. Doch hinter dem Erfolg stehen oft verunsicherte Studios, die nach verlässlicher Förderung hungern. Für deutsche Studios ist die Situation schwer, Fördermittel sind unzuverlässig und oft ausgeschöpft. Und kleine Studios drohen von der Förderung ausgeschlossen zu werden. Und wie überall in der Wirtschaft, bremsen Bürokratie und Planungslosigkeit Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Und welche Förderung noch kommt, ist bei der geenwärtigen Haushaltslage ungewiss – es muss ja genug Geld für die Ukraine da sein.
Großes Potential, aber Politik unfähig
Deutschland hat zwar das Potenzial, ein starker Gaming-Standort zu sein – aber dafür braucht es konkrete, planbare Mittel, die sowohl innovative Indie-Entwicklungen als auch größere Projekte fördern. In anderen Ländern ist das eine Binsenweisheit. Steuerliche Anreize könnten ein Schlüssel sein – aber nur, wenn sie wirklich kommen und nicht erneut verwässert oder blockiert werden. Die Politik muss endlich echten Rückenwind statt nur Ankündigungen liefern, in der Gaming-Branche wie auch insgesamt. Aber dem steht das Personal der schwarz-roten Bundesregierung wohl auch in Zukunft im Wege. Wieder einmal ein Wirtschaftsbereich, in dem wir Deutsche klare Verlierer sind…
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Voelz Tom / Shutterstock.com
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