von Achim Baumann

Es sind Hiobsbotschaften: Die Wirtschaftsverbände befürchten eine Pleitewelle sondergleichen. Zahlreiche inhabergeführte kleinere Unternehmungen, meist energieintensiv wie beispielsweise Bäckereien, gehen jetzt schon in die Knie. Bei mittelständischen Unternehmen hofft man auf den Rettungsschirm von 200 Milliarden Euro, der gestern ausgehandelt wurde. Große Unternehmen zehren von ihrem Vermögen, planen die Verlagerung in andere Länder. Aber Systemkritik ist trotzdem rar gesät.

Es sind Nachrichten wie diese, die aufhorchen lassen: Im nordrheinwestfälischen Eitorf streicht einer der größten Automobilzulieferer überhaupt, der schwäbische Konzern ZF, ursprünglich Zahnradfabrik Friedrichshafen, einen kompletten Standort. Das ist das erste Mal in der mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Knapp 700 Mitarbeiter, meist Facharbeiter sind betroffen, werden spätestens im Jahre 2025 arbeitslos. Die Produktion soll künftig nicht mehr in Deutschland stattfinden, die Herstellungspreise für Achsen und Stoßdämpfer, die dort produziert werden, sei zu hoch. Die Energiepreiskrise dürfte den Entschluss noch befeuert haben.

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Bald kein Bier und Mineralwasser mehr in den Lebensmittelgeschäften?
Auch die Getränkewirtschaft schlug bereits Alarm. „Angesichts von hohen Energiepreisen und Rohstoffkosten warnt die Getränkewirtschaft vor einer Pleitewelle, die Politik müsse dringend eingreifen. Besonders die Lieblingsgetränke der Deutschen sind betroffen: Sprudel und Bier. Verbraucher könnten bald vor leeren Regalen stehen“, heißt es bei der WELT bedrohlich. Gleich fünf Unternehmensverbände warnen vor einer Getränkekrise, so die Berliner Tageszeitung alarmierend. „Längst haben die Kostensteigerungen für die Unternehmen ein existenzbedrohendes Ausmaß erreicht. Dies betrifft Handwerk und Mittelstand ebenso wie die Industrie“, wird die gemeinsame Erklärung der betroffenen Branchenverbände wiedergegeben.

Die Kritik kommt zu spät
Aber warum kommt die Kritik erst jetzt? Die deutschen Energiepreise waren bereits vor dem russisch-ukrainischen Konflikt weltweit die höchsten (siehe Grafik). Aber Kritik hörte man seinerzeit von Unternehmerseite sehr selten. Kein Wunder, regierte da noch das Merkel-System – und das war für deutsche Unternehmer meist sakrosankt. Die meisten Unternehmer standen und stehen zudem der CDU sehr nahe. Das rächt sich nun bitter. Und selbst die Unternehmer, die sich höchst naiv von den Grünen Erfolge versprochen haben, müssen nun umdenken: das Beispiel Wolfgang Grupp, siehe Bild, mag Gelächter hervorrufen, aber ist letztlich traurig für dessen Angestellten, deren Jobs durch die Verhätschelung der planwirtschaftlich agierenden Grünen erheblich in Gefahr geraten sind.

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Wirtschaftsbosse zu nah an der Politik
Bereits der Ausstieg aus der Atomkraft, immerhin von heute auf morgen durch die damalige Kanzlerin Merkel im Dezember 2011 beschlossen, hätte energischen Protest seitens der Wirtschaftsverbände hervorrufen müssen. Deutschland kann nur mit günstigen Energien wettbewerbsfähig sein. Diese Binsenweisheit ist von der promovierten Physikerin Merkel nicht berücksichtigt worden – warum, weiß nur sie. Sie hat den ersten Schritt zur Deindustrialisierung der Republik, wie sie nun von allen möglichen Seiten befürchtet wird, geleistet. Sie hat die energiepolitische Abhängigkeit von anderen Ländern und erneuerbaren Energien in die Wege geleitet, die die Grünen gemeinsam mit SPD und FDP nun vollziehen. Die deutschen Unternehmerbosse waren indes blind, taub und stumm zugleich.

Merkelfreundliche Gewerkschaften
Aber auch die deutschen Gewerkschaften machten sich zum Gehilfen. Ihre ungebremste Unterstützung der grünen Energiewende, ihre Begeisterung für die Einwanderung von kostenintensiven Wirtschaftsflüchtlingen, die eben nicht zur Rente beitragen, war grenzenlos. Arbeitnehmerinteressen spielten keine Rolle. Und nun steht das System auf der Kippe, denn anders lässt sich eine Finanzspritze von einmalig 200 Milliarden nicht begründen, um die Republik nicht aus den Fugen geraten zu lassen.
Fest steht, der einfache deutsche Bürger ist bereits deutlich vor dem ukrainisch-russischen Konflikt im Stich gelassen worden. Er täte gut daran, nicht mehr auf die etablierten Parteien und den ihr nahestehenden Wirtschafts- und Interessenverbänden zu hören!