Wer hat seinerzeit den Film gesehen?

Horst Schlämmer – Isch kandidiere!

Eine Politkomödie, die sich im Wahlkampf 2009 über die Gepflogenheiten im Deutschen Bundestagswahlkampf lustig zu machen versuchte. Die Kritiken waren allgemein schlecht – ich fand den Film cool.

Horst Schlämmer beschließt eine neue Partei zu gründen – die “Horst Schlämmer Partei (HSP)”. Die politische Ausrichtung der HSP ist liberal, konservativ und links. In Verballhornung des Obama-Wahlslogans, der so unsäglich doof ist, dass ich ihn hier nicht niederschreibe, war der Wahlslogan der HSP: yes weekend! Herrlich.

In einer Pressekonferenz, die der Kanzlerkandidat der HSP (Horst Schlämmer persönlich) gibt, wird er nach einer Präzisierung des Parteiprogrammes gefragt. Und er kommt auch direkt zur Sache:

Schauen Sie, […] wir sind der Ansicht, dass alles zu wenig ist. Es muss mehr sein.

Wenn ich das heute nochmal sehe, bekomme ich immer noch einen Lachkrampf.

Aber so lustig ist es nicht. Es macht den Anschein (ob anscheinend oder scheinbar bin ich mir nicht sicher), dass Merkel und auch die heutige regierende Kaste, den Film recht ernst genommen hat.

Es muss mehr

Dieser Satz kommt im Film noch öfter vor. Und kommen Sie mir jetzt nicht damit, dass das ja wohl ein etwas dünnes Wahlprogramm ist. Ganz im Gegenteil. Wenn es den Bürger im Portemonnaie betrifft, haben alle anderen Parteien nur es muss weniger im Sinn – also hören Sie auf! (bin gerade noch im HSP-Slang – man verzeihe mir)

Im Ernst. Wenn in Deutschland (oder auch Europa) etwas nicht funktioniert, dann gilt das Prinzip: mehr davon.

Windkraft

Es dürfen jetzt mehr von diesen Maschinen in der Landschaft aufgerichtet werden und nun auch noch näher an der Wohnbebauung. Jedes Bundesland soll 2% seiner Fläche für Windkraftanlagen ausweisen. Länder, die mehr Platz haben, dürfen von anderen Ländern, die das nicht stemmen können, auch Flächen übernehmen – gegen fürstliche Bezahlung natürlich. Lange Verhandlungen, die dieses Ergebnis hervorbrachten, hatten aber nie zum Thema, dass die Windkraft einfach nicht funktioniert. Das ist ein netter Zusatz im Strommix, kann aber keine Grundlast liefern. Dass weiß jeder, der schon mal Charlie Brown gesehen hat, wie er unentwegt und ohne Wind versucht, einen Drachen steigen zu lassen. Regierung: mehr davon!

Masken

Masken schützen nicht vor Ansteckungen oder vor der Übertragung des Virus. Das ist sattsam bekannt. Vor allem nicht dann, wenn sie über mehrere Stunden, oder wie allzu häufig am Verschmutzungsgrad zu erkennen, über Tage oder Wochen benutzt werden. Vielmehr erleiden viele eine Pilzpneumonie, wegen zu langen Tragens. Regierung: mehr davon!

Impfen

Dass das nicht funktioniert, können wir ja nun zu genüge an den Inzidenzen ablesen. Dass die Impfstoffe vor schweren Verläufen schützen, ist ebenso ein Ammenmärchen. Im Gegenteil: sie sind einerseits eine Gelddruckmaschine für die Pharmakonzerne und andererseits hochtoxisch, nicht korrekt zugelassen und in ihrer Langzeitwirkung nicht erforscht. Das dicke Ende steht uns erst noch bevor. Regierung: mehr davon!

CO2-Steuer

Diese sollte den CO2-Ausstoß senken. Ja wie denn? Das funktioniert so nicht. Regierung: mehr davon!

Flüchtlinge

Wirklich brauchbare, tatkräftige und integrationsfähige Fachkräfte wandern selten zu. Mit den allermeisten hat man nur Kosten und mit nicht wenigen Scherereien. Regierung: mehr davon!

Lebensschutz

Als sei die straffrei gestellte Straftat der Abtreibung, wie sie momentan gilt, nicht genug, soll nun der Zeitpunkt, bis dass ein solcher Mord möglich sein soll, weiter nach hinten geschoben werden. Auch das Werbeverbot (noch funktioniert der Link) für Abtreibungen wird heute gekippt werden. Durch Abtreibung allein hat Deutschland in den letzten 30 Jahren mindestens 9.000.000 Bürger verloren (1000 pro Tag – siehe die Webseite des Vereins Durchblick e.V.). Und da das schon länger geht, ja auch schon deren mögliche Kinder. Regierung: mehr davon!

Europa: Erweiterung, Erweiterung, Erweiterung

Europa definiert sich nur noch über eine Vergrößerung der Einflusssphäre. Innere Stabiliserung ist anstrengend und bringt nur schlechte Presse. Lieber einen zweifelhaften, korrupten Staat nach dem andern aufnehmen oder zumindest eine Aufnahme in Aussicht stellen. Das gibt immer wunderschöne Bilder. Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und gar nicht zu denken die südosteuropäischen Staaten, die schon Mitglied sind, machen Probleme über Probleme. Wann wird eigentlich Australien Mitgliedsanwärter? Beim Eurovision-Songcontest haben sie es ja schon zu europäischer Blüte gebracht. Blödsinn über Blösdsinn. (EU-)Regierung: mehr davon!

Mir fallen spontan einige Dinge ein, von denen wir mehr brauchen:

– mehr fernsehfreie Zeit: wenn der politische Klüngel sein Zeugs verzapft, aber niemand mehr zusieht, wird es von allein besser – garantiert!*

– mehr vernünftige Politiker, die das Wohl des eigene Volkes im Blick haben (siehe Amtseid hier und hier)

– mehr Prozesse, in denen die momentan herrschende Kaste zur Rechenschaft gezogen wird

Mein lieber Horst Schlämmer,

komm’ zurück! Mit Dir wäre das alles irgendwie erträglicher. Und dümmer hättest Du Dich auch nicht angestellt. Meine Unterstützung ist Dir sicher!

Dabei hat Horst Schlämmer für mich im Film eine gewisse Ähnlichkeit mit Donald Trump. Nicht nur äußerlich sondern vor allem in der gänzlichen Abwesenheit von Berührungsängsten. So lässt er sich von Bushido den Wahlkmpfsong schreiben (beste Szene im Film) und von Alexandra Kamp anhimmeln, die im Film eine Julia-Roberts-Position einnimmt: hübsch aber treudoof. Trump machte Deals mit allen (un-)möglichen Gestalten resultierend in einer Amtszeit ohne Kriege und Krisen. Schon interessant.

mb

Bild mb

*Dabei handelt es sich um eine reziproke Funktionalität ähnlich dem in der katholischen Kirche bekannten Rosenkranzgebet. Selbst wenn es keinen Himmel gäbe (Gott bewahre) wird aus Ihnen durch das Beten – oder eben hier den Fernsehverzicht – ein anderer Mensch. Sie werden automatisch zu einem kritischeren Geist, der sich nicht mehr alles vorverdauen lässt.

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