Von Jan Ackermeier
Am 25. Juni 1876 kommt es am Fluß Little Bighorn im heutigen Bundesstaat Montana zu einer der bekanntesten Auseinandersetzungen der US‑Geschichte. Ein Verband der 7. US‑Kavallerie unter Lieutenant Colonel George A. Custer greift ein großes Lager von Lakota, Northern Cheyenne und Arapaho an. Diese indigene Allianz steht unter der spirituellen Führung von Sitting Bull und der militärischen Führung mehrerer Kriegshäuptlinge, darunter Crazy Horse. Custer unterschätzt die Stärke und Entschlossenheit der Verteidiger – ein Fehler mit tödlichen Folgen.
Ein unterschätzte Zahl von Gegnern
Die Schlacht entsteht vor dem Hintergrund des Konflikts um die Black Hills, ein für die Lakota heiliges Gebiet, in dem nach einem Goldfund massenhaft weiße Siedler eindringen. Obwohl Verträge den Ureinwohnern klare Rechte zusichern, drängt die US‑Regierung darauf, sie aus dem Land zu vertreiben und in Reservate zu zwingen. Viele Lakota, Cheyenne und Arapaho lehnen diese Politik ab und folgen stattdessen Anführern wie Sitting Bull, die für ein freies Leben nach traditioneller Art kämpfen. Custers Regiment stößt am 25. Juni auf ein viel größeres Lager, als die US‑Armee erwartet hatte. Statt auf Verstärkung zu warten, teilt Custer seine Kräfte und versucht, den Gegner von mehreren Seiten anzugreifen. Die zahlenmäßig überlegenen und kampferfahrenen Krieger der indigenen Allianz reagieren schnell, umzingeln Teile der 7. Kavallerie und setzen sie unter starken Beschuß. Innerhalb weniger Stunden wird Custers Abteilung fast vollständig vernichtet; Custer selbst fällt zusammen mit vielen seiner Männer.
Eindeutige Niederlage
Die Niederlage ist massgeblich der falschen Lageeinschätzung Custers zuzuschreiben, der nicht damit rechnete, auf ein gewaltiges Kriegslager der Indianer zu treffen. Custers Aufteilung seiner Kräfte in kleinere Gruppen schwächte zudem seine konzertierte Kampfkraft. Diese Schlacht wird an Offiziersschulen als klassisches Negativbeispiel präsentiert, um zu zeigen, was passiert, wenn man seine Kräfte aufspaltet, keine Reserven bildet und die Gefechtsaufklärung vernachlässigt. Militärisch ist die Schlacht ein klarer Sieg der indigenen Völker und zugleich eine der schwersten Niederlagen der US‑Armee in den Indianerkriegen. Politisch hat der Ausgang jedoch eine doppelte Wirkung: Einerseits wird Custer in Teilen der Öffentlichkeit zum tragischen Helden verklärt, andererseits dient die „Katastrophe am Little Bighorn“ in Washington als Argument, den Feldzug gegen die Lakota und ihre Verbündeten mit noch größerer Härte fortzusetzen. In den folgenden Jahren werden viele der beteiligten Gruppen militärisch besiegt und in Reservate gezwungen.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Blick von Custers letzter Verteidigungsstellung ins Tal des Little Bighorn River (Gedenksteine zeigen die Fundorte der Toten). Urheber unbekannt
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