Von Dario Herzog
Warum wählen nur so viele die AfD, fragen sich Vertreter der Kartellparteien regelmäßig, wobei sie die Antwort mittlerweile kennen sollten. Denn nicht nur dezidierte Konservative wählen die AfD, um gegen woke Gesellschaftspolitik Stellung zu beziehen. Nein, wer Steuerzahler ist, kann keine Systempartei mehr wählen, denn keine einzige der etablierten „Unsere Demokratie“-Parteien setzt sich für heimische Interessen ein. Das spürt insbesondere die deutsche Industrie, denn Deutschland gilt seit Jahrzehnten als Industrieland. Besonders Baden-Württemberg mit seinen zahlreichen Maschinenbauern, Automobilzulieferern und Technologieunternehmen war lange ein Synonym für wirtschaftliche Stärke. Doch inzwischen mehren sich die Warnungen: Immer mehr Unternehmen verlagern Produktion, Forschung oder ganze Geschäftsbereiche ins Ausland, zuletzt die Heidelberger Druckmaschinen. Ist man in Berlin wirklich so beratungsresistent?
Baden-Württemberg besonders betroffen
Gerade in Baden-Württemberg schlagen Wirtschaftsverbände regelmäßig Alarm. So warnt der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) vor einer weiteren Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Als Hauptursachen werden die schwache Nachfrage, hohe Arbeitskosten, steigende Energiepreise sowie politische Unsicherheiten genannt. Auch die baden-württembergischen Wirtschaftsverbände sehen die Entwicklung mit Sorge. In einem gemeinsamen Positionspapier erklärten mehrere Verbände und Kammern, dass bereits mehr als jedes dritte energieintensive Industrieunternehmen darüber nachdenke, Produktionskapazitäten ins Ausland zu verlagern. Als wesentliche Ursache werden die hohen Energiekosten und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Standorts genannt.
Warum Unternehmen gehen
Die Gründe für Standortverlagerungen sind vielfältig, und sind seit Jahren die gleichen! Als besonders belastend gelten die im internationalen Vergleich hohen Energiepreise sowie steigende Arbeits- und Lohnnebenkosten. Hinzu kommen hohe Unternehmenssteuern, umfangreiche bürokratische Vorgaben und oft langwierige Genehmigungsverfahren. Auch der – angebliche – Fachkräftemangel und aus Sicht vieler Betriebe unsichere politische Rahmenbedingungen, Stichwort Grüne Kloimapolitik mit all ihren Auswüchsen und Belastungen für Betriebe, erschweren Investitionen am Standort Deutschland. Gleichzeitig locken zahlreiche Länder mit günstigeren Produktionsbedingungen und schnelleren Verwaltungsabläufen, beispielsweise Ungarn. Wobei es bis vor Kurzem kein Problem war, dass Ungarn angeblich keine Vorzeigedemokratie im Sinne der EU-Bürokraten war.. Eine Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zeigt zudem, dass insbesondere Kostenbelastungen und Bürokratie für viele Unternehmen ausschlaggebend sind. Auch werden zunehmend Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ins Ausland verlagert. Der BDI warnt, dass dadurch nicht nur Arbeitsplätze verloren gehen könnten, sondern langfristig auch Innovationskraft und Wertschöpfung am Industriestandort Deutschland.
Beispiele aus dem Südwesten
Besonders betroffen sind bei uns im Ländle die Branchen Maschinenbau, Automobilzulieferung, Chemie und Metallverarbeitung. Viele Unternehmen investieren zwar weiterhin in Deutschland, errichten neue Produktionslinien jedoch zunehmend in Osteuropa, Asien oder Nordamerika. Südwestmetall weist darauf hin, dass zahlreiche Betriebe aufgrund der gestiegenen Kosten mit „Made in Germany“ kaum noch wettbewerbsfähig seien. Deren Unternehmenschefs werden aber von Friedrich Merz besänftigt, indem er ihnen empfiehlt, einfach mehr Talkshows zu besuchen oder bei Podcasts mitzumachen. Die Verlagerungen seien daher oft keine Gewinnmaximierung, sondern eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens.
Welche Verbände warnen?
Einzelstimmen der Kritik? Mitnichten! Es fehlt kein relevater Verband von Unternehmern. Zu den deutlichsten Mahnern gehören der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK), Südwestmetall und die Unternehmer Baden-Württemberg (UBW). Der BDI warnt seit Jahren vor einer schleichenden Deindustrialisierung. BDI-Präsident Peter Leibinger sprach Ende 2025 sogar von einem Standort Deutschland „im freien Fall“ und kritisierte die Bundesregierung dafür, nicht entschlossen genug auf die Krise zu reagieren. Geändert hat sich nichts, im Gegenteil: Die Union suggeriert stets, dass dsie SPD sie nicht lasse. Auch die DIHK meldet eine zunehmende Verlagerung von Produktion ins Ausland und verweist auf hohe Energiepreise, Steuern und Bürokratielasten.
Warum macht die Regierung scheinbar nichts? Und was sagt die Politik?
Die Bundesregierung weist den Vorwurf zurück, untätig zu sein. Tatsächlich wurden verschiedene Programme für Investitionen, Digitalisierung, Energiewende und Bürokratieabbau aufgelegt. Aber viele Maßnahmen werden einfach zu langsam umgesetzt oder reichen nicht ansatzweise, um die Wettbewerbsnachteile gegenüber den USA oder asiatischen Standorten auszugleichen. Die Wirtschaftsverbände fordern völlig nachvollziehbar vor allem schnellere Genehmigungen, niedrigere Energiepreise, steuerliche Entlastungen und weniger Bürokratie. Aus Sicht vieler Unternehmen werden die Probleme seit Jahren erkannt, die Umsetzung notwendiger Reformen erfolgt jedoch zu zögerlich. Und die Politik? Nun ja, die AfD teilt die Kritik. So erklärte erst diese Woche der wirtschaftspolitische AfD-Fraktionssprecher Anton Baron (MdL) zur angekündigten Produktionsverlagerung und zum weiteren Stellenabbau bei Heidelberger Druckmaschinen:
„Die jüngsten Entscheidungen von Heidelberger Druckmaschinen sind ein weiteres Alarmsignal für den Industriestandort Baden-Württemberg. Wenn ein traditionsreiches Unternehmen seine erfolgreichste Druckmaschine vollständig in China fertigen lässt, weitere Produktionskapazitäten nach Nordmazedonien verlagert und gleichzeitig Hunderte Arbeitsplätze am Stammsitz abbaut, dann zeigt das vor allem eines: Deutschland verliert zunehmend seine Wettbewerbsfähigkeit. Die Ursachen liegen nicht in Wiesloch-Walldorf, sondern in Berlin und Stuttgart: Hohe Energiepreise, ausufernde Bürokratie, ideologisch motivierte Klimavorgaben und immer höhere Steuer- und Abgabenlasten treiben Unternehmen ins Ausland. Während andere Staaten gezielt ihre Industrie stärken, verteuert Deutschland das Produzieren im eigenen Land. Besonders bitter ist, dass ein Weltmarktführer wie Heidelberger Druckmaschinen inzwischen neue Geschäftsfelder im Rüstungsbereich erschließen muss, während das industrielle Kerngeschäft unter den politischen Rahmenbedingungen immer stärker unter Druck gerät. Innovation ist zu begrüßen, darf aber nicht zum Ersatz für eine verfehlte Standortpolitik werden. Baden-Württemberg lebte jahrzehntelang von seiner industriellen Stärke. Wer heute Produktionsverlagerungen nach China und Südosteuropa hinnimmt, gefährdet morgen Wohlstand, Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze im eigenen Land. Die Landesregierung muss endlich aufhören, Industriepolitik gegen die Industrie zu betreiben.“
Wenn weg, dann nicht zurückkommend!
Und in der Tat, die Verlagerung von Produktion und Forschung ins Ausland gehört inzwischen zu den größten Sorgen der deutschen Industrie. Besonders Baden-Württemberg als industrielles Kernland steht unter Druck. Verbände wie BDI, DIHK, BWIHK und Südwestmetall warnen vor einem schleichenden Verlust von Wertschöpfung, Innovation und Arbeitsplätzen. Ob die politischen Gegenmaßnahmen ausreichen werden, Stichwort grüner Ministerpräsident, um den Industriestandort Baden-Württemberg und letztlich Deutschland langfristig zu sichern, bleibt eine der entscheidenden wirtschaftspolitischen Fragen der kommenden Jahre. Solange dürften nicht nur üble rechte Zeitgenossen, sondern einfach nur besorgte Bürger und vor allem Steuerzahler zur AfD wechseln.
Beitragsbild / Symbolbild und Bilder oben: Gorodenkoff / Shutterstock.com
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Man fragt sich, warum die Vertreter der Wirtschaft so sehr Kreide fressen und trotz mahnender Worte weiter der Regierung die Stange halten und die Kernursachen des Problems nicht klar benennen. An den weiter lockenden Aufträgen auf Steuerzahlerkosten kann es nicht liegen, denn auch wenn die milliardenschwer sind, gleichen die bei weitem nicht die mutwillig überzogene Kostenlast aus.