Von Jan Ackermeier

Am 11. Juni 2001 wird im Bundesgefängnis von Terre Haute im US‑Bundesstaat Indiana Timothy McVeigh durch eine Giftspritze hingerichtet. Es ist die erste bundesstaatliche Hinrichtung in den USA seit fast vier Jahrzehnten – und der Schlußpunkt unter eines der schwersten Terrorverbrechen in der amerikanischen Geschichte vor dem 11. September 2001. McVeigh war als Haupttäter des Bombenanschlags auf das Alfred P. Murrah Federal Building in Oklahoma City am 19. April 1995 verurteilt worden. Bei diesem Anschlag kamen 168 Menschen ums Leben, darunter zahlreiche Kinder aus einer im Gebäude untergebrachten Kindertagesstätte, mehr als 500 Menschen wurden verletzt und der Sachschaden wurde auf über 650 Millionen US-Dollar geschätzt.

168 Tote, hoher Sachschaden
McVeigh, ein ehemaliger US‑Soldat, radikalisierte sich in den 1990er‑Jahren in der Miliz‑Szene. Die Sprengung des Murrah‑Gebäudes mit einer LKW‑Bombe aus Ammoniumnitrat und Treibstoff richtete sich gezielt gegen die Bundesverwaltung, die McVeigh als „tyrannische“ Regierung betrachtete. Der Prozeß gegen ihn war einer der meistbeachteten Strafprozesse aller Zeiten in den USA: Er endete 1997 mit einer Verurteilung in elf Anklagepunkten, darunter mehrfacher Mord und Verschwörung zum Einsatz einer Massenvernichtungswaffe. Die Geschworenen sprachen sich für die Todesstrafe aus, die in der Folge durch mehrere Berufungsinstanzen bestätigt wurde. Auch die Vollstreckung des Urteils wurde von einer breiten Öffentlichkeit und weiteren scharfen politischen Kontroversen begleitet. Opferangehörige hatten die Möglichkeit, die Hinrichtung per Videoübertragung zu verfolgen, was die Debatte über die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Vergeltung neu anfachte. McVeigh selbst zeigte bis zuletzt keine Reue und lehnte weitere rechtliche Schritte zur Aufschiebung der Strafe ab.

Der 11. Juni 2001 markiert damit mehr als ein juristisches Datum
Er steht für den Versuch eines Rechtsstaats, auf ein traumatisches Terrorverbrechen zu reagieren, und zugleich für die anhaltende amerikanische Kontroverse über Sinn, Moral und Abschreckungswirkung der Todesstrafe. Die Erinnerung an den Anschlag in Oklahoma City und McVeighs Hinrichtung prägt bis heute vor allem rund um das Gedenken an den Anschlag die Diskussionen über innenpolitischen Terrorismus, Radikalisierung und den Umgang mit politisch motivierter Gewalt.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Die Ruine des Alfred P. Murrah Federal Building im August 1995 während der Aufräumarbeiten. Urheber unbekannt

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