Von Jan Ackermeier

Am 9. Juni 68 endet in Rom eine Herrschaft, die bereits seit Jahren auf wackeligen Beinen steht: Kaiser Nero, letzter Herrscher der julisch-claudischen Dynastie, nimmt sich auf der Flucht das Leben. Zuvor hat der römische Senat ihn offiziell zum „Feind des Volkes“ erklärt – ein drastischer Schritt, der deutlich macht, wie tief der Bruch zwischen Kaiser und politischer Elite geworden ist. Nero, der zunächst als kunstliebender, vom Philosophen Seneca beeinflußter junger Herrscher begonnen hatte, war in den Augen vieler Zeitgenossen und späterer Historiker zum Inbegriff des tyrannischen Kaisers geworden. Seine prunkvollen Bauprojekte, die Repression gegen politische Gegner und die junge christliche Kirche, sowie der Verdacht, er habe selbst vor Mord an Familienmitgliedern nicht zurückgeschreckt, untergruben seine Autorität nachhaltig. Hinzu kamen militärische Niederlagen und Aufstände in den Provinzen, die die Loyalität von Heer und Verwaltung erschütterten.

Für Nero wird es eng
Als mehrere Legionen in Spanien und Gallien die Gefolgschaft verweigern und stattdessen ihren jeweiligen Kommandanten zum Kaiser ausrufen, gerät Nero in eine ausweglose Lage. Ohne Unterstützung des Heeres, ohne Rückhalt im Senat und mit einer Hauptstadt, deren Stimmung ihm zunehmend feindlich gesinnt ist, bleibt ihm nur die Flucht. Schließlich, verfolgt von der Nachricht seiner Ächtung, sieht er keinen anderen Ausweg mehr, als sich selbst zu töten. Mit Neros Tod endet nicht nur seine persönliche Herrschaft, sondern auch die seit Augustus bestehende Linie der julisch-claudischen Kaiser. Es beginnt das sogenannte Vierkaiserjahr: Innerhalb weniger Monate kämpfen mehrere Anwärter um die Macht, Bürgerkrieg und Intrigen bestimmen das politische Geschehen. Diese Phase massiver Instabilität zeigt, wie sehr das römische Imperium von der Person des Kaisers und von der Loyalität der Armee abhängig geworden war.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Kaiser Neros Tod. Nach dem preisgekrönten Bilde von E. Kaempffer; Die Gartenlaube 1890

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