Von Peter Snorkel
Am vergangenen Wochenende, vom 27. bis 31. Mai, fand der diesjährige „Altherren- und Burschentag“ des tonangebenden burschenschaftlichen Verbandes Deutsche Burschenschaft (DB) in Eisenach statt. Der Burschentag ist das höchste beschlussfassende Gremium der DB. An der rund fünftägigen Veranstaltung nahmen rund 450 Korporierte und Gäste teil. Trotzdem nichts Ungewöhnliches auf der Tagesordnung der betont basisdemokratischen Verhandlungen stand, stellte sich eine ungewöhnliche hohe Zahl von zumeist linkslinken Pressevertretern ein. Woher kommt auf einmal das Interesse an der regelmäßig totgesagten Deutschen Burschenschaft?

Die Burschenschaft aus Saarbrücken freut sich mit einem Meme über ihren Wiedereintritt.
Wie der Phönix aus der Asche
Es ist keine 15 Jahre her, als es in den Jahren 2011 bis 2013 einen künstlich erzeugten Presserummel um die Deutsche Burschenschaft gab, die – ihrer Zeit offenbar weit voraus – über ihre Mitgliedsvoraussetzungen diskutierte. Wer ist ein Deutscher? Und darf man die deutsche Abstammung als Voraussetzung verlangen oder nicht? Die Diskussion gefiel zahlreichen liberalgesinnten Mitgliedsburschenschaften nicht, man verließ meist polternd die Deutsche Burschenschaft und gründete eine mäßig erfolgreiche Abspaltung namens Allgemeine Deutsche Burschenschaft, der heute lediglich 26 Burschenschaften angehören, von der man aber nicht besonders viel hört. Man bleibt wohl lieber unter sich. Währenddessen sagten damals zahlreiche Beobachter, vor allem korporierte, ein Sterben der Deutschen Burschenschaft voraus. Ein mediales monatelanges Trommelfeuer der Pressemeute, selbst von der vorgeblich konservativen Jungen Freiheit unterstützt, der Austritt eines Drittels des Verbandes und die Stigmatisierung als „rechts“ würde es für die DB unmöglich machen, noch ausreichend Nachwuchs zu finden, waren sich viele Beobachter sicher.
Selbst der VS spielte damals mit
Und auch die Einstufung einer geringen Zahl von Mitgliedsburschenschaften als „verfassungsfeindlich“ durch die jeweiligen Landesverfassungsschutzämter, vor allem in Bayern, müsste doch den potentiellen Nachwuchs abschrecken, dachte man. Aber die Hoffnungen der Gegner der Deutschen Burschenschaft gingen nicht auf – im Gegenteil: Der Verband wächst wieder. Bereits im vergangenen Jahr trat die seinerzeit ausgetretene Burschenschaft Redaria-Allemannia Rostock wieder ein, in diesem Jahr die damals ebenfalls ausgetretene Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken. Und mit der Burschenschaft Dresdensia Leipzig wurde eine weitere Burschenschaft als ordentliches Mitglied im Verband bestätigt, die bereits als Dresdensia-Rugia Gießen existierte und sich nun erfolgreich an einem neuen Ort angesiedelt hat. Der Aufwärtstrend scheint ungebrochen. Kein Wunder also, dass eine offizielle Delegation einer früher ausgetretenen Burschenschaft aus Hessen ebenfalls am Burschentag teilnahm.

Die üblichen üblen „Pressevertreter“, die nahezu jeden Teilnehmer ablichteten.
Nicht nur Kontakte zur AfD
Eine zu einfache Erklärung für den aktuellen Aufwärtstrend ist das Aufkommen der AfD. Ist das Gedankengut der DB zwar besonders mit dem vereinbar, was die AfD parteipolitisch propagiert, wäre diese Herleitung zu einfach. Gleichwohl rund 30 DB-Burschenschafter Landtags- oder sogar Bundestagsabgeordnete der AfD sind, darf man nicht vergessen, dass rund 40 Prozent der DB-Burschenschaften aus Österreich stammen und dort das akademische Rückgrat der FPÖ stellen. So bezeichnen zahlreiche Antifa-Gruppen das Treffen in Eisenach gerne als Vernetzungstreffen, aber dieser Vorwurf wird eher belächelt. „Wir kennen uns doch in der Regel schon lange und weit vorher“, bestätigte unserer Redaktion ein Teilnehmer des Treffens belustigt. Aber, und das gilt seit jeher beim Burschentag in Eisenach: Parteipolitik spielt an den fünf Tagen keinerlei Rolle, ist tabu.
Festakt am Burschenschaftsdenkmal
Das heißt natürlich nicht, dass insbesondere Redner für die Teilveranstaltungen nicht auch aus der FPÖ oder der AfD stammen können. So fand am späten Freitagnachmittag am Burschenschaftsdenkmal in Eisenach der traditionelle Festakt statt, bei dem der AfD-Landtagsabgeordnete Dr. Dominik Kaufner, Mitglied der Berliner Burschenschaft Gothia, aus Brandenburg eine vielbeachtete Rede hielt. „Diese war geprägt von völkischen und geschichtsrevisionistischen Narrativen“, heißt es kritisch auf einer Antifa-Seite. Positiv ausgedrückt, verstand es der Redner recht anschaulich daran zu erinnern, was uns Deutsche ausmacht, woran man festhalten solle.
Zweiter Fackelmarsch in Folge
Ebenfalls am Freitag veranstaltete die DB einen Fackelmarsch von der Eisenacher Innenstadt zur ihrem Burschenschaftsdenkmal oberhalb der Stadt. Die Premiere war im vergangenen Jahr. Verantwortlich war ein Burschenschafter aus dem Verbreitungsgebiet des Freiburger Standards, ein Mitglied der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia. Und der Fackelmarsch dürfte auch der Grund für die Anwesenheit der zahlreichen Pressevertreter gewesen sein, die sich gegenseitig regelrecht auf die Schuhe traten. Ein Fackelmarsch? Gut, den gibt es von Korporierten auch weitaus größer in Coburg zu bestaunen. Aber wenn rechtskonservative Burschenschafter einen Fackelmarsch durchführen, ist das besonders verwerflich, oder? Eine übertriebene Sicht? Man warte nur den sensationslüsternen Spiegel-TV-Bericht ab, der am kommenden Montag erscheinen soll. Natürlich wurde das Lied der Deutschen des Burschenschafters Heinrich Hoffmann von Fallersleben gesungen, alle drei Strophen, was die rund 130 Gegendemonstranten, die zwar in der Nähe, aber am Fuße der Göpelskuppe verharren mussten, nicht gerade begeisterte. Aber seit jeher müssen Pressevertreter und Gegendemonstranten weitab vom Burschenschaftsdenkmal mit ihren Teleobjektiven warten, denn die Burschenschafter sprechen, bis auf ausgesuchte Öffentlichkeitsvertreter, nicht mit ihnen.
Frankonia Erlangen zeigt Organisationsgeschick
Dass das fünftägige Geschehen reibungslos vonstatten ging, liegt auch an der sogenannten Vorsitzenden Burschenschaft, in diesem Jahr die Erlanger Burschenschaft Frankonia, die von ihren Kartellbünden, der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz, der Halle-Leobener Burschenschaft Germania zu Halle und der Hamburger Burschenschaft Germania unterstützt wurde. Aus der Hamburger Burschenschaft Germania stammte auch der nächste Redner des Abends, der jüngst bei der AfD zumindest zeitweise in Ungnade fiel, Kevin Dorow, der in der Deutschen Burschenschaft das Amt des Schriftleiters bekleidet. Auch mit der Wahl dieses Referenten zeigte die DB, dass ihr die Diskussionen der vergangenen Monate um die Person Dorow reichlich egal sind. Man fühlt sich eben nicht als Wurmfortsatz einer Partei, sondern erinnert gerne an die eigene über 200-jährige Geschichte und die Tatsache, dass es Burschenschafter in jedem deutschen System, mit Ausnahme im Kaiserreich, schwer hatten, zum Teil verfolgt und verboten wurden.
Höhepunkt und Ende
Der Höhepunkt des Altherren- und Burschentages war der Festkommers am Samstagabend. Der krönende Abschluss gelang, es wurde kräftig gefeiert. Der Wermutstropfen folgte jedoch: Einer der drei Ehrenbandträger der Deutschen Burschenschaft, ein Rechtsanwalt aus Mainz, verstarb kurz nach seiner Rückkehr von den Feierlichkeiten. Der Tod des beliebten Verbandsfunktionärs wird den Verband noch enger zusammenrücken. Was bleibt? Wer auf das Ende der Deutschen Burschenschaft gesetzt hat, hat sich zu früh gefreut!
Beitragsbild / Symbolbild und Bilder oben: Privat; Screenshot Meme: Ghibellinia Saarbrücken
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Das war für mich sehr interessant, da mein verstorbener Mann auch in einer Burschenschaft Mitglied war.
Guter, interessanter Bericht. Schön, daß es aufwärts geht. Leider fehlt zu den Burschenschaften, wie auch gegenüber dem Deutschen Akademikerverband (DAV), die Einsicht in der AfD, daß es sich um wichtige Verbündete in einem gemeinsamen Kampf handelt. Die Partei glaubt es alleine zu schaffen und will alles kontrollieren. Das ist ein großer Irrtum. Wollen wir hoffen, daß der DAV-Chef, MdB Dr. Christoph Birkhan, hier etwas bewirken kann. Es ist gut, daß die Burschenschafter selbstbewußt und basiert ihren Weg gehen. Weiter so!
Das sind intelligente Menschen, die lachen über die Machenschaften und Befehle der Regierenden. Sie ignorieren sie einfach. Und genau so sollten es alle machen, denn dann haben sie keine Macht mehr.