Von Jan Ackermeier

2. Juni 1537 – ein Datum, das in der Geschichte lange im Schatten der großen politischen Ereignisse steht. An diesem Tag veröffentlicht Papst Paul III. die Bulle „Sublimis Deus“ – ein Lehrschreiben, das sich direkt gegen die Versklavung der indigenen Bevölkerung in der Neuen Welt richtet. In einer Zeit, in der die Eroberung Amerikas von Gewalt und Ausbeutung begleitet ist, setzt Rom damit ein deutliches Signal. Der Papst erklärt in „Sublimis Deus“, dass die sogenannten „Indianer“ voll und ganz Menschen seien – vernunftbegabt, zum christlichen Glauben fähig und nicht dazu bestimmt, wie Sachen behandelt zu werden.

Indianer nicht minderwertig!
Damit widerspricht er Deutungen, nach denen die indigene Bevölkerung als minderwertig galt und ihre Versklavung als zulässig erschien. Die Bulle stellt klar: Niemand dürfe sie ihrer Freiheit und ihres Eigentums berauben, und jede gegenteilige Handlung sei ungültig und sündhaft. Hintergrund ist ein erbitterter Streit in Kirche und Politik um die Frage, wie die europäische Expansion in Übersee moralisch zu bewerten sei. Missionare berichten entsetzt von Mißhandlungen und Zwangsarbeit in den Kolonien, während Teile der weltlichen Eliten wirtschaftliche Interessen über moralische Bedenken stellen.

Indigene Bevölkerung hat ebenfalls Rechte
„Sublimis Deus“ steht in dieser Auseinandersetzung auf der Seite derjenigen, die die Würde der indigenen Bevölkerung verteidigen. Gleichzeitig zeigt sich in der Wirkung der Bulle die Tragik kirchlicher Reformversuche dieser Epoche: Auf dem Papier verurteilt der Papst die Versklavung mit großer Deutlichkeit, in der Praxis werden seine Worte oft umgangen, abgeschwächt oder politisch relativiert. Koloniale Strukturen, wirtschaftliche Profite und Machtinteressen erweisen sich als stärker als das moralische Lehrschreiben aus Rom. Dennoch bleibt der 2. Juni 1537 ein wichtiges Datum. „Sublimis Deus“ markiert einen frühen kirchlichen Bezugspunkt für die Idee, dass alle Menschen – unabhängig von Herkunft und Hautfarbe – eine unveräußerliche Würde besitzen.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Papst Paul III., gemalt von Alexander Farnese, nach 1546. Urheber unbekannt

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