Von Sven Müller

Die Macher des neuen, gedruckten Kulturmagazins „Fiume“ sind anscheinend auf Krawall gebürstet. Zum ersten Mal hörte man von dem Online-Magazin im Zusammenhang mit deren verbalen Rundumschlägen gegen verschiedene rechte Strömungen und deren Protagonisten. Viel laute, aber wenig substanzhaltige Kritik an Aktivisten, an angeblich falschen Prioritätensetzungen. Dazu der Vorwurf mangelnder intellektueller Tiefe und Breite. Der politische Kampf an der Basis, besonders auf der Straße, wird herabgewürdigt. Eigentlich wird das gesamte rechte Spektrum verbal angegriffen, bevorzugt jene, die für ethno-kulturelle Belange eintreten. Jetzt haben sie ein neues Print-Magazin an den Start gebracht und bieten damit selbst eine Menge möglicher Angriffsflächen. Schauen wir mal genauer hin.

Maßlos arrogant
Zurecht fragt man sich, warum derartige Frontenstellungen? Warum muss man im mosaikrechten, eigenen Bereich Gräben aufreißen, bevor man noch richtig durchgestartet ist? Wenn man Mitarbeiter, Leser und Abonnenten werben will, wäre es wohl sinnvoller, sich zunächst durch Leistung hervorzutun. Anerkennung erhält man letztlich nur durch eine herausragende Arbeit, nicht durch sinnlosen Streit. Bei Fiume hat man zunächst ein Gefühl von ungesunder Arroganz. Nachdem Fiume online bereits einiges an Artikeln veröffentlicht hat, gibt es nun eine Printausgabe mit der sie eine zweite Front eröffnet haben, die mit Sicherheit intensiv bei Freund und Feind beobachtet und analysiert werden wird. Wenn man sich weit über andere erhebt, wenn man selbst höchste Ansprüche stellt, wird man auch selbst daran gemessen werden. Wir machen hier den Anfang. 

Der Anspruch
Gleich zu Beginn hat die Redaktion erklärt, warum sie dieses Magazin herausgibt. Es lohnt sich, deren Anspruch zu lesen und umfassend widerzugeben:

„…die Weigerung, sich mit dem formlosen Dazwischen zufriedenzugeben, mit jener geistigen Halbheit, die das Gegenwärtige prägt. FIUME meint für uns nicht Wiederholung, sondern Verdichtung – den Punkt, an dem Haltung, Stil, Denken und Werk in eine höhere Spannung treten. „Oder Tod“ verweist in diesem Zusammenhang auf die unmittelbare Konsequenz einer jeden aufs Höchste und Letzte abzielenden Tathandlung: lieber Zuspitzung als Zerfließen, lieber Gestalt als bloße Fortexistenz. Das Heft entfaltet diese Bewegung in fünf Bereichen. KAIROS richtet den Blick auf das hyperpolitische Zeitgeschehen. In diesem ersten Heft auf den Konservatismus als Problem und Möglichkeit zwischen West, Ost und Mitte. LOGOS fragt nach den tieferen Wandlungen unserer Welt zwischen Tradition und Progressivität. KOSMIKA macht im Hyperöffentlichen das Verborgene sichtbar. KRITIKA widmet sich Werken, Künstlern und jenen Kontrasten von Licht und Schatten, aus denen ästhetische Form hervortritt. POIESIS wiederum führt ins eigentliche Werk: in die Unmittelbarkeit von Dichtung und Prosa. So versteht sich dieses Heft als Auftakt: Sammlung und Eröffnung.“ (S. III) 

Das Editorial begründet die Namensgebung
Erklärungsbedürftig ist auch der Name des Magazins. Die Hafenstadt Fiume, heute Rijeka, war eine Schnittstelle zwischen Österreich-Ungarn, Balkan und Italien. 1919 wurde die umstrittene Stadt kurzzeitig durch zumeist faschistische italienische Freischärler unter Gabriele D´Annunzio besetzt. Die Besetzung dauerte nur kurze Zeit und wurde von italienischen Truppen unspektakulär beendet. Doch die kurze Zeit der Existenz dieses kuriosen Stadtstaatsgebildes wurde zu einem Mythos, besonders für Faschisten. Im Editorial wird die ungewöhnliche Namensgebung begründet (Auszüge):

„…(D´Annunzio) kam weniger als Politiker, denn vielmehr als Dichter, Kriegsherr, Schauspieler, als jemand, der Politik nicht als Feld von Diskursen sah, sondern als Inszenierung und Spektakel.“

„Fiume sollte ein Gegenbild sein: gegen die erschöpfte bürgerliche Ordnung, gegen die abgestandene Sprache der liberalen Parlamente, gegen die Vorstellung, Politik sei im Kern bloß Interessenabgleich mit geringer Temperatur. D´Annunzio wollte aus der Politik wieder eine Form des Kultischen und Spektakulären machen.“

„Fiume interessiert, weil dort für einen kurzen Moment sichtbar wurde, wie eng Ästhetik und Macht miteinander verschränkt sein können. Fiume verweist auf den Punkt, an dem sich politische Form nicht zuerst aus Verwaltung, Vertrag und Funktion ergibt, sondern aus einer vorgängigen Bindung, aus Antlitz und Haltung. Wo Menschen sich zu einer Ordnung zusammenschließen, steht am Anfang nicht die Behörde, sondern der Kult; nicht die Zuständigkeit, sondern die gemeinsame Setzung eines Maßes. In diesem Sinne ist FIUME für uns keine Episode, die kopiert werden kann, sondern eine Chiffre für das Fundamentale jeder Staatsbildung und jeder protopolitischen Fasson. Jedes Gemeinwesen braucht, bevor es sich organisiert, sich innerlich sammelt; eine Mitte, einen Ernst, eine Form des Glaubens an sich selbst.“

Bei D´Annunzios Leuten findet man deren Aktivismus anscheinend gut, während die heutigen rechten Aktivisten wegen ihres Aktivismus von den Machern von FIUME kritisiert werden. So wird Kristina Ballova, Chefredakteurin von FIUME, wie folgt zitiert:

„Dass links keine Antworten auf die heutige Welt mehr hat, ist mittlerweile weit verbreitet. Aber was ist die Alternative? Sicher nicht, als Berufsjugendlicher mit Megaphon durch Wien zu ziehen.“

Sollte damit der verdienstvolle Aktivist Martin Sellner gemeint sein, liegt Kristina Ballova völlig daneben. Martin Sellner ist vieles: Aktivist, Stratege, Metapolitiker. Seine intellektuelle Kapazität übersteig mit Sicherheit diejenige der großen Mehrheit der Teilnehmer an dem angepriesenen Fiume-Abenteuer von 1919. Aber wie schon erwähnt: Man ist bei FIUME eben auf Konfrontation aus. 

Der äußere Eindruck
Die erste Druckausgabe des Magazins umfasst knapp 100 Seiten. Das ist ein beachtlicher Umfang. Die äußere Gestaltung ist aus Sicht des Rezensenten perfekt. Es stimmt einfach alles: Titelbild und Fotos, das Verhältnis von Text und Fotos zueinander, auch Schriftart und -größe. Es ist tatsächlich ein ästhetischer Genuss. Der Druck ist solide, das Preis-Leistungsverhältnis bei 20 Euro gerechtfertigt. Unter den rechten Zeitschriften hat sich Fiume optisch in die oberste Kategorie – neben Tumult und Sezession – katapultiert.

Screenshot des Magazins.

Die Autoren
Da die Zeitschrift keine deutsche Kulturzeitschrift ist, hat sie konsequenterweise auch internationale Autoren, deren Zahl auffällt. Das sei angeblich Zufall. Es offenbart allerdings einen vom ethnisch-kulturellen Ansatz der wahren deutschen Rechten abweichenden Anspruch, der eher universell ist und manche Fragen aufwirft. Man darf gespannt sein, wer alles noch für FIUME zur Feder greifen wird. Hoffentlich gibt man hier einem Maximilian Krah keine neue Bühne, welcher bekanntlich der Lebensgefährte der Chefredakteurin ist, der sich jedoch berechtigterweise in rechten Kreisen durch seine kruden Thesen diskreditiert hat. Die meisten der überwiegend unbekannten Autoren sind Männer, jung und gebildet. Etliche haben schon Beachtliches publiziert oder in Arbeit. Dies ist auch ein klarer Pluspunkt für das Magazin, das nach eigenem Anspruch zukunftsorientiert ist.   

Der Inhalt
Es ist leider nicht möglich, in einer Kurzrezension bei einem derartigen Umfang des Magazins die einzelnen Artikel näher zu besprechen. Dies sollten weitere Rezensenten ausführlich tun. Ein Gesamteindruck muss hier reichen. Zunächst fällt eine interessante Gliederung in fünf thematische Bereiche auf. Die Themen selbst sind breit gestreut innerhalb des von der Redaktion abgesteckten, überwiegend kulturellen Themenkreises. Sie sind entweder aktuell oder zeitlos. Wer ein „deutsches“ Kulturmagazin im Stile der „Klüterblätter“ des früheren Türmer-Verlages erwartet hat, ist hier falsch. Es geht weltweit um die Kultur, von Europa bis in die USA und von dort bis Japan. Es gibt viel Interessantes zu lesen, das man natürlich nicht alles kritiklos schlucken kann. Wer will aber schon in der eigenen Blase nur nach dem Mund geredet bekommen?

Daher sollte man sich ruhig auf eine Lektüre einlassen
Die Texte sind überwiegend kurz, in einigen Fällen für den Geschmack des Rezensenten zu kurz und zu wenig in die Tiefe gehend. Sie entsprechen aber dem heutigen Lesegeschmack, der keine endlos erscheinenden Texte mehr will. Man hat indes auch bei den kürzeren Texten den Eindruck, dass das Wesentliche enthalten ist.  Wie bei Tumult gibt es am Ende auch Lyrisches. Jegliche Werbung fehlt. Aufgelockert wird das Heft durch Interviews, die tatsächlich erhellend wirken und das Interessanteste abfragen. Die sprachliche Qualität ist hoch und entspricht tatsächlich dem angestrebten Niveau. Da der Rezensent ein Anhänger des Nationalstaats, des ethnischen Volksbegriffes und des Primats der Biologie in der Politik ist, geht er natürlich mit wesentlichen inhaltlichen Punkten nicht konform, die in FIUME vertreten werden. Daher die Empfehlung an den potentiellen Leser selbst zu prüfen, wie weit er mit FIUME übereinstimmen kann. Die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall.

Fazit
Bei FIUME handelt es sich um ein lesenswertes, neues Magazin, das hohe Ansprüche stellt. Eine inhaltliche Beurteilung der ein breites Spektrum abbildenden Artikel hängt vom Standpunkt des Lesers ab. Für die deutsche Rechte ist vieles nicht konsensfähig. Das Niveau ist aber trotzdem ansprechend, die Aufmachung professionell. Man würde sich wünschen, dass die Macher des Magazins weniger arrogant gegenüber authentischen Rechten auftreten und darüber nachdenken, ob sie grundsätzlich nicht auch in ein und derselben Kulturfront stehen, wie zum Beispiel die „Aster“ oder das hervorragende „Thymos-Magazin“, wenn auch mit einem anderen Ansatz und abweichenden Ansichten.  Echte, umfassende Alternativen zum gegenwärtigen links-liberal-woken Kulturbetrieb sind grundsätzlich begrüßenswert.

Das Magazin Fiume ist erhältlich hier!

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Pixel-Shot / Shutterstock.com; Bildmitte: Screenshot von https://www.castrum.at/marktplatz/FIUME-Jahresabo-p809249948

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