Von Dario Herzog

Die deutsche Automobilindustrie galt über Jahrzehnte als Herzstück der deutschen Wirtschaft. Millionen Menschen, besonders hier im Ländle, verdienten direkt oder indirekt ihren Lebensunterhalt mit Motorenbau, Zulieferteilen, Fahrzeugentwicklung oder Logistik. Städte wie Wolfsburg, Stuttgart oder Ingolstadt wurden durch die Automobilindustrie geprägt. Doch nun mehren sich die Warnungen, dass Deutschland vor einem historischen Industrieeinbruch stehen könnte. Nach aktuellen Berechnungen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), dem immerhin eine ehemalige hohe CDU-Funktionärin vorsteht, könnten bis zum Jahr 2035 insgesamt rund 225.000 Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie verloren gehen. Besonders alarmierend: Etwa 100.000 Stellen sind seit 2019 bereits verschwunden. Weitere 125.000 Jobs werden nun folgen, wenn kein Umschwung gelingt. Dabei geht es längst nicht nur um abstrakte Zahlen oder Börsenwerte. Hinter jeder dieser Stellen stehen Familien, mittelständische Betriebe und ganze Regionen. Was tut nun unsere geschätzte Bundesregierung dagegen?

Erschütternde Beispiele aus der Industrie
Besonders dramatisch ist die Lage vieler Zulieferer. Während große Konzerne Produktionsverlagerungen ins Ausland zumindest teilweise auffangen können, geraten mittelständische Unternehmen zunehmend unter Druck. In zahlreichen Betrieben werden bereits Kurzarbeit, Einstellungsstopps oder Standortschließungen diskutiert. Ganze Produktionszweige, die jahrzehntelang auf Verbrennungsmotoren spezialisiert waren, sehen kaum noch Zukunftsperspektiven. So benötigt ein Elektroauto deutlich weniger Einzelteile als ein klassischer Verbrenner. Komponenten wie komplexe Getriebe, Einspritzsysteme oder zahlreiche Motorteile entfallen teilweise vollständig. Für viele spezialisierte Zulieferer bedeutet das: Ihr Geschäftsmodell droht wegzubrechen. Besonders betroffen sind Regionen, die stark von der Automobilindustrie abhängen wie beispielsweise unser Baden-Württemberg. Wenn dort Werke schließen oder verkleinert werden, trifft dies nicht nur die Beschäftigten selbst. Auch Handwerksbetriebe, Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleister geraten unter Druck. Schon der Verlust einiger hundert Industriearbeitsplätze kann in kleineren Städten erhebliche wirtschaftliche Folgen auslösen.

Hinzu kommt ein weiterer Trend
Neue Investitionen entstehen immer häufiger im Ausland. Produktionskapazitäten für Batterien, Software oder moderne Fahrzeugplattformen werden zunehmend in Nordamerika oder Asien aufgebaut. Deutschland verliert dadurch nicht nur alte Industriearbeitsplätze, sondern oftmals auch die Arbeitsplätze der Zukunft. Die Kritik aus der Industrie fällt inzwischen ungewöhnlich deutlich aus. Unternehmen beklagen vor allem die hohen Energiepreise, steigende Steuer- und Abgabenlasten sowie hohe Lohnkosten. Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren, zunehmende Bürokratie und eine wachsende regulatorische Unsicherheit, die Investitionen erschweren und den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb zunehmend unattraktiver erscheinen lassen.

Standort Deutschland verliert an Attraktivität
VDA-Präsidentin Hildegard Müller spricht von einer „gravierenden Standortkrise“. Unternehmen müssten sich aus wirtschaftlichen Gründen immer häufiger gegen Deutschland als Produktionsstandort entscheiden. Besonders umstritten ist die europäische CO₂-Flottenregulierung. Nach derzeitiger Gesetzeslage sollen ab 2035 praktisch nur noch batterieelektrische Fahrzeuge und Brennstoffzellenfahrzeuge neu zugelassen werden können. Kritiker warnen, dass damit bestimmte Technologien politisch ausgeschlossen würden, obwohl sie weiterhin weltweit nachgefragt sein könnten. Dazu zählen etwa Plug-in-Hybride, Range Extender oder moderne Verbrennungsmotoren mit synthetischen beziehungsweise erneuerbaren Kraftstoffen. Nach Einschätzung des VDA könnten durch einen technologieoffeneren Ansatz bis zu 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben.

Internationale Konkurrenz setzt andere Prioritäten
Während Deutschland und Teile Europas stark auf Regulierung und feste technologische Vorgaben setzen, verfolgen andere Wirtschaftsräume oft deutlich flexiblere Strategien. Die USA von Donald Trump beispielsweise locken Industrieunternehmen mit milliardenschweren Förderprogrammen und vergleichsweise günstiger Energie. Und China investiert massiv in Batterietechnik, kontrolliert zudem große Teile der Rohstoffversorgung und unterstützt seine heimische Industrie gezielt. Auch Länder wie Indien, immerhin ein Land, das immer noch deutsche Entwicklungshilfe erhält, oder Kanada setzen stärker auf Technologievielfalt und industriepolitische Anreize. Viele Unternehmen vergleichen deshalb zunehmend nüchtern, wo Investitionen langfristig rentabel erscheinen. Fällt die Entscheidung gegen Deutschland, gehen häufig nicht nur Produktionskapazitäten verloren, sondern auch Forschung, Entwicklung und hochqualifizierte Arbeitsplätze – und das ist auch klar: für immer!

Die politische Debatte muss schärfer werden!
Die Diskussion über die Ursachen der Krise wird inzwischen immer schärfer geführt. Während Industrieverbände vor allem mehr Technologieoffenheit und bessere Standortbedingungen fordern, kritisieren andere politische Akteure eine aus ihrer Sicht ideologisch geprägte Klimapolitik. So bezeichnete die AfD-Chefin Alice Weidel die Entwicklung als „industriepolitischen Hilferuf“ und warnte vor einer „ökonomischen Selbstsabotage“ Deutschlands. Besonders die CO₂-Bepreisung und die europäischen Flottenvorgaben stünden ihrer Ansicht nach für eine wirtschaftsfeindliche Politik mit gravierenden Folgen für Arbeitsplätze und Wohlstand. Konkret befand sie kritisch und durchaus auf VDA-Linie:

„Die alarmierende VDA-Prognose zeigt, dass Deutschlands industrielle Basis an einer fatalen Abbruchkante steht: Nicht globale Krisen ruinieren unseren Standort, sondern eine Bundesregierung, die sich von den Interessen der eigenen Wirtschaft abgekoppelt hat. Statt die Industrie zu stärken, wird Energie künstlich verteuert, Produktion regulatorisch stranguliert und wirtschaftliche Vernunft durch Klima-Dogmatik ersetzt. Die planwirtschaftliche Flottenregulierung und wirtschaftsfeindliche CO2′-Bepreisung entwickeln sich zu einem industriepolitischen Sprengsatz gegen die deutsche Automobilindustrie – mit desaströsen Folgen für Arbeitsplätze und die gesamte Volkswirtschaft.“

Der argumentative Schulterschluss von AfD und VDA zeigt, dass die Sorgen um den Industriestandort Deutschland inzwischen weit über einzelne Parteien und Verbände hinaus reicht. Aber den Wähler, selbst wenn er betroffen sein könnte, hält in Nibelungentreue zu den Systemparteien. Anders ist die Wahl des Grünen Cem Özdemir in Baden-Württemberg nicht zu erklären.

Die eigentliche Gefahr: SPD und CDU/CSU
Die größte Gefahr liegt möglicherweise nicht allein im Verlust einzelner Arbeitsplätze, sondern in einem schleichenden Verlust industrieller Substanz. Deutschland verdankt seinen Wohlstand über Jahrzehnte einer starken industriellen Basis, hoher Ingenieurskunst und international wettbewerbsfähigen Produkten. Wenn Produktion, Investitionen und Innovationen zunehmend ins Ausland abwandern, könnten die Folgen langfristig weit über die Automobilbranche hinausreichen. Und was macht die Bundesregierung? Union und SPD verwandeln den Industriestandort Deutschland Schritt für Schritt weiter in einen Hochkostenstandort ohne jegliche Wettbewerbsperspektive. Das kann man zwar durchaus von einer linkslastigen SPD erwarten, für deren Funktionäre Gesellschaftspolitik wichtiger als Wirtschaft erscheint. Aber von der einstmals wirtschaftskompetenten Union merkt man nichts mehr, erst recht nicht von einem CDU-Vorsitzenden, der aus der Wirtschaft kommt. Oder besteht das Ziel der derzeit Herrschenden in der wirtschaftlichen Vernichtung Detschlands, wie zunehmend Verschwörungstheoretiker im weltweiten Netz mutmaßen? Wie dem auch sei: Die kommenden Jahre dürften daher entscheidend dafür werden, ob Deutschland seine Rolle als führender Industriestandort behaupten kann — oder ob die Warnungen vor einem historischen Bedeutungsverlust Realität werden.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: anstudu / Shutterstock.com

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