Von Jan Ackermeier

Vor der kleinen Mittelmeerinsel Malta taucht am 18. Mai 1565 am Horizont eine gewaltige Flotte auf. Bis zu 40.000 Mann – Soldaten, Seeleute, Artilleristen – im Dienst des Osmanischen Reiches unter Sultan Süleyman dem Prächtigen nehmen Kurs auf einen der letzten christlichen Vorposten im zentralen Mittelmeer. Ihr Ziel ist klar: die Johanniter, den „Orden des heiligen Johannes von Jerusalem“, aus ihren Festungen zu vertreiben und Malta als strategischen Brückenkopf für weitere Vorstöße Richtung Westen zu erobern.

Die Insel ist klein, karg und auf den ersten Blick unbedeutend
Doch ihre Lage zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste macht sie zur Schlüsselposition für die Kontrolle wichtiger Seewege. Für die Osmanen bietet Malta die Chance, den Einfluss Spaniens und anderer christlicher Mächte im Mittelmeer zurückzudrängen. Für die Johanniter ist sie nach dem Verlust von Rhodos wenige Jahrzehnte zuvor zur neuen Heimat und letzten Bastion geworden. Auf Malta verteidigen sie nicht nur Steinmauern, sondern auch ihr Selbstverständnis als kämpfender Orden an der Grenze zwischen Abendland und Morgenland.Der Nachteil ist bekannt
Als die osmanische Armada vor der Küste ankert, wissen die Verteidiger um ihren zahlenmäßigen Nachteil. Nur wenige Tausend Ordensritter, Söldner und maltesische Milizionäre stehen der Übermacht gegenüber. Dennoch vertrauen sie auf ihre gewaltigen Befestigungen etwa um Fort St. Elmo, Fort St. Angelo und die Verteidigungswerke rund um den Grand Harbour. Der Großmeister Jean de la Valette ist entschlossen, die Insel unter keinen Umständen preiszugeben. Die Belagerung beginnt mit Artilleriebeschuß, Landungen und Vorstößen auf die Schlüsselstellungen der Johanniter.

Eine dramatische Belagerung
Der 18. Mai 1565 markiert damit den Auftakt zu einer der dramatischsten Belagerungen der frühen Neuzeit. Über Monate hinweg wird Malta zum Schauplatz eines erbitterten Ringens, in dem es nicht nur um eine Insel, sondern um die Vormacht im Mittelmeer und das Selbstverständnis der christlichen wie der osmanischen Welt geht. Dass die zahlenmäßig deutlich unterlegenen Verteidiger die Angriffe letztlich abwehren können, verleiht der „Großen Belagerung von Malta“ ihren bis heute nachwirkenden Platz im historischen Gedächtnis Europas.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: „Die Befreiung von Malta“ – Auf dem Gemälde von Charles Lariviere (1798-1876) leitet Don Garcie von Toledo, Vizekönig von Sizilien, die Operation. Urheber unbekannt.

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