Von Jan Ackermeier
An diesem Tag vor 52 Jahren endete eine der bedeutendsten Kanzlerschaften der deutschen Nachkriegsgeschichte abrupt und unter dramatischen Umständen. Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) erklärte am 6. Mai 1974 seinen Rücktritt vom Amt des Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland. Der Grund: Nur wenige Wochen zuvor, am 24. April 1974, war Günter Guillaume, ein enger persönlicher Referent Brandts, als Spion der „DDR“-Staatssicherheit enttarnt und verhaftet worden. Guillaume hatte jahrelang im Schatten des Kanzlers gearbeitet und dabei Zugang zu hochsensiblen Informationen gehabt.
Die Enthüllung traf die Bundesrepublik wie ein Schock
Willy Brandt, der 1969 als erster sozialdemokratischer Bundeskanzler ins Amt gekommen war, hatte Deutschland mit seiner Ostpolitik international Anerkennung verschafft. Doch die Guillaume-Affäre machte seine politischen Erfolge zunichte. Der Spionagefall warf nicht nur Fragen nach der Sicherheit im Kanzleramt auf, sondern beschädigte auch Brandts persönliches Ansehen. Obwohl ihm keine direkte Schuld nachgewiesen werden konnte, übernahm der Kanzler die politische Verantwortung für das Versagen der Sicherheitsbehörden.
Er trug die Verantwort durch Rücktritt
Mit den Worten „Ich trage die Verantwortung für Nachlässigkeiten im Zusammenhang mit der Spionageaffäre Guillaume“ verkündete Brandt seinen Rücktritt. Sein Nachfolger wurde am 16. Mai 1974 Helmut Schmidt, ebenfalls SPD. Die Guillaume-Affäre bleibt bis heute ein mahnendes Beispiel dafür, wie Spionage die Politik eines ganzen Landes erschüttern kann. Willy Brandt blieb der SPD als Parteivorsitzender bis 1987 erhalten und prägte weiterhin die deutsche Politik – doch seine Zeit als Kanzler war an diesem 6. Mai unwiderruflich zu Ende gegangen.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Willy Brandt und Günter Guillaume beim SPD-Parteitag 1972 in Düsseldorf. Urheber unbekannt.
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