Von Jan Ackermeier

Am 30. April 1916 führen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn die weltweite erste gesetzliche Sommerzeit ein. Auf Vorschlag des deutschen Meteorologen und Stadtbaumeisters Wilhelm Wilkens wird die Uhrenumstellung eingeführt, um im Ersten Weltkrieg Kohle zu sparen: Durch das eine Stunde längere Tageslicht am Abend soll weniger künstlich beleuchtet werden. Die Maßnahme greift mitten im Krieg und dient primär der Ressourcenknappheit.

Die Idee wird rasch nachgeahmt
Großbritannien, Frankreich und weitere Staaten folgen innerhalb weniger Wochen. Nach dem Krieg bleibt die Sommerzeit in vielen Ländern erhalten, wird national unterschiedlich gehandhabt und endet in den 1920er-Jahren teilweise wieder – nur um ab den 1970er-Jahren im Zuge der Ölkrise global zurückzukehren.

Heute ist die Sommerzeit jedoch nicht mehr zeitgemäß
Ihr ursprüngliches Ziel – die „bessere Ausnutzung des Tageslichts“ zur Energieeinsparung – hat in unserer modernen Gesellschaft kaum noch Relevanz. Moderne Beleuchtung verbraucht längst nicht mehr so viel Energie wie damals; Elektrogeräte, Heizung und Klimaanlage dominieren den Stromverbrauch. Studien belegen: Der positive Effekt auf den Energieverbrauch ist marginal, zum Teil sogar negativ. Zudem stören Uhrenumstellungen den Biorhythmus, erhöhen medizinische Risiken wie Herzinfarkte und verursachen logistische Probleme in Luftfahrt, Bahn und digitaler Vernetzung. Die 2018 von der EU-Kommission vorgeschlagene Abschaffung der verpflichtenden Sommerzeit scheiterte zwar an der Einigung auf eine dauerhafte Zeitkonstante – doch die Debatte zeigt: Das 1916 geborene Spar-Modell passt nicht in unser digital vernetztes Zeitalter. Es ist Zeit, die Sommerzeit – eingeführt vor über 100 Jahren aus dem Willen, im Krieg Ressourcen zu sparen – abzuschaffen.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Hinweis aus der österreichischen Zeitung „Der Morgen“ zur Einführung der Sommerzeit 1916. Urheber unbekannt.

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