Die AfD ist die letzte Chance des deutschen Volkes zum Erhalt seiner nationalen und europäisch-abendländischen Identität und damit der
Bewahrung seiner Substanz, Prägung und Kultur, ist sich nicht nur der bekannte Publizist Werner Bräuninger sicher, der auch als Autor von Compact, Sezession und Abendland hinlänglich bekannt ist. Aber Bräuninger hat sich als Nichtmitglied der AfD ausführlich Gedanken gemacht und stellt nun ein Strategiepapier zur Debatte, das der Freiburger Standard auf diesem Wege veröffentlicht. Dem ersten Teil folgt der zweite Teil des Beitrages, dieser findet sich hier!
Von Werner Bräuninger
Seit ihrer Gründung verfolge ich den Weg der AfD auf das Genaueste. Von einem Türöffner wurde sie zu einem Tabubrecher, der das Overton–Fenster weit aufgestoßen hat. Heute ist die Partei in eine neue, entscheidende Phase eingetreten; der Herbst mit zwei Landtagswahlen-Ost wirft seine Schatten voraus. Aus diesem Grund habe ich ein Papier erstellt – nennen wir es ruhig „Strategiepapier“ – in dem ich als Nicht-Parteimitglied der AfD einige Vorschläge mache, die mich schon lange umtreiben; nicht als Dogma bzw. Doktrin verstanden oder gar von der Warte überheblicher Besserwisserei „von aussen“, sondern aus dem Blickwinkel von einem, der der AfD von Herzen den Erfolg wünscht.
I. Die AfD als Anwalt des Volkswillens
Um einen wirklich dauerhaften, durchschlagenden Erfolg der AfD zu erzielen, wäre es notwendig, sich noch enger an das „normale“ Volk anzuschließen. Zu den Bauern, Arbeitern, dem neuen „Dienstleistungsproletariat“, also jenen abhängig Beschäftigten, wie Krankenschwestern und -pfleger, Verkäuferinnen, Paketzustellern, zu den Mietern, Arbeitslosen und Abgehängten des Systems müssen starke Berührungsflächen geschaffen werden. Es darf bei diesen kein Zweifel darüber herrschen, dass allein die AfD der „Kümmerer“ für ihre Belange ist. Dass Linke, Grüne und SPD die Totengräber der arbeitenden Menschen sind, ist fortwährend zu betonen und deren deutschfeindliches Handeln klar aufzuzeigen. Das weitaus größte, oft zu spät erkannte Defizit von Parteien lag nicht selten darin, dass sie kommunal nicht sehr stark verankert waren. Überall dort, wo es gravierende kommunale Probleme gibt, etwa beim geplanten Bau eines Asylantenheims, hat die Partei zu sein und sich zum Sprecher und berufensten Anwalt des Volkswillens zu erklären. Während dies im Osten bereits vielerorts der Fall ist, so muss auch der Westen hier nachziehen. Von der AfD muss das unzweideutige Signal an die deutschen Bürger ausgehen, dass nicht alle Fehlentwicklungen in diesem Staat als gottgegeben hingenommen werden müssen und dass der Souverän durchaus auch mit dem Stimmzettel verändern kann, wenn er nur will.
II. Sinn und Zielsetzung parlamentarischer Arbeit
Die Erringung eines Abgeordnetenmandats ist nicht dafür gedacht, als Anreiz zur finanziellen Versorgung des Parlamentariers oder dessen familiären oder sonstigen Umfeldes zu dienen. Vielmehr sind gerade in die Volksvertretungen die besten Denker und Redner zu entsenden – und nicht solche, die unlösbar abhängig von Diätenzahlungen sind. Gerade in den Parlamenten hat sich die AfD als die Soziale Heimatpartei zu verstehen.
III. Untergliederungen / Vorfeld
Die Parteiorganisation der AfD hat den Fokus heute mehr denn je auf bestmögliche Effizienz zu richten. Deutsche aus allen Teilen der Gesellschaft sollten dort eine Heimat sowie eine berufene Stimme haben, keine Altersgruppe darf unberücksichtigt bleiben. Über die Bundesfachausschüsse hinausgehend sollte es spezifische Unterorganisationen geben, z.B. für Studenten, Ärzte, Lehrer, Juristen, Soldaten, Landwirte oder Senioren. Ebenso gesonderte Referate für Wirtschaft, Presse, Wissenschaft, Außenpolitik, Handel und Gewerbe. Weshalb gibt es bis heute keine AfD-Frauenorganisation? Des Weiteren darf keine Vernachlässigung des Vorfelds eintreten, da es naturgemäß immer politische Aktionsfelder geben wird, die nicht von einer Partei bearbeitet werden können und sollten.
IV. Generation Deutschland
Mit der eigenen Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) hat seitens der Mutterpartei eine ständige Fühlungnahme zu erfolgen, wie der Jugend überhaupt stets ein bevorzugtes Augenmerk zu gelten hat. An die GD: Engagiert Euch! Ermächtigt Euch selbst! Veröffentlicht Bücher, gründet Magazine und Unternehmen, veranstaltet Akademien, bildet lokale Kampagnenteams, schafft internationale Netzwerke. Nutzt hierzu alles, was Euch gegeben ist und in Euch liegt; Eure besonderen Fähigkeiten, Eure Kreativität, Euer Vorbild, Eure Charakterstärke! Fühlt Euch eingebunden in den Strom unserer deutschen Geschichte und deren Mythos. Seid diszipliniert und kultiviert zugleich – verkörpert also den Geist von „Potsdam“ und „Weimar“.
V. Intellektualisierung
Innerhalb der AfD endlich eine eigenständige „Kaderschmiede“ zu errichten, wo der Nachwuchs der Partei in jeder Hinsicht geschult wird, ist unerlässlich. Gleiches gilt für die Schulung von Amts- und Mandatsträgern auf allen Ebenen, möglichst lange bevor das Mandat tatsächlich ausgeübt wird und man später nicht bei null anfangen muss. Wichtig wäre die Herausgabe einer eigenen Schriftenreihe zur politischen Theorie oder eine Art „AfD-Online-
Pedia“ als Portal und Matrix, mit je einem Stichwort oder Grundbegriff zu verschiedenen Themen, in dem die jeweilige Generallinie der Partei dazu erläutert wird. Es wäre dies eine Argumentationshilfe, die die Parteimeinung nach dem Muster von Frage und Antwort verständlich macht. Denkschulen allein verändern zwar noch keine Welt, aber sie munitionieren die Waffenkammern der geistigen Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner auf, was unerlässlich ist. Es gilt allerdings darauf zu achten, dass alle Theoriearbeit nicht nur intellektuelles Glasperlenspiel bleibt, sondern dass sie sich auch dafür eignet, irgendwann einmal die Machtfrage stellen zu können.
VI. Kampagnenfähigkeit
Die Partei sollte sich als Kristallisationskern unterschiedlicher rechter Aktionsfelder verstehen. Meta- und Parteipolitik, Publizistik und Parlamentsarbeit, Demonstrationen, Versammlungen sowie Aktionen auf der Straße sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen sich und sind sämtlich unabdingbar. Die Forderung nach direkter Demokratie, als legitimer Ausdruck des Volkswillens, hat einen hohen Stellenwert für die AfD einzunehmen, um einmal tatsächlich jene Volksbewegung zu werden, die dazu in der Lage sein kann, neue Formen der politischen Willensbildung zu etablieren, wie etwa Volksabstimmungen.
VII. Merchandising / Soziale Medien
In Wahlkampfzeiten verträgt der Wähler durchaus „härteres“! Mit altbackenen, wenn auch sicher gut gemeinten, Parolen auf Plakaten wie „Dein Nachbar wählt uns auch“ oder „Zeit für Deutschland“ lässt sich nur wenig Staat machen und wird schon gar nicht aktivistisch gesonnene Jugend angezogen. In dieser Hinsicht könnte die AfD etwa in der Plakatgestaltung Anleihen bei der Neuen Sachlichkeit und der futuristischen Ästhetik vornehmen oder sich an den Memes von „Wilhelm Kachel“ orientieren. Das doch etwas angestaubte Merchandising der Partei wäre in diesem Sinne entsprechend neu und moderner auszurichten. – Die Social-Media-Auftritte der Partei waren hingegen von Beginn an hervorragend, vor allem im direkten Vergleich mit den Altparteien. Der politische Gegner streut jedoch neuerdings mithilfe künstlicher Intelligenz erstellter Videos und Reels, die darstellen sollen, wie die Zukunft unter einer AfD-geführten Regierung angeblich aussehen würde; das Ergebnis ist stets ein Szenario des Horrors und des Schreckens, denn die KI spuckt natürlich nur das aus, was ihre woken Zufütterer wünschen. Solches von der AfD in ähnlicher Art zu konterkarieren und als positiven Gegenentwurf ebenfalls massenhaft zu verbreiten, wäre eine gute Idee.
VIII. Einforderung der Teilnahme am öffentlichen Diskurs
Die Teilnahmen der AfD an den TV-Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen und das Vorkommen in Nachrichten- und Politikformaten sind weitaus vehementer einzuklagen als bislang geschehen, auch als Signal der Stärke gegenüber den ohnmächtigen Gebührenzahlern. Wo eine Einladung tatsächlich einmal stattfindet, sind die Standpunkte der AfD aufgrund der Tatsache, dass die Etablierten aller Couleur ohnehin in Überzahl gemeinschaftlich auf diese
eindreschen, wesentlich vehementer und kämpferischer vorzubringen. Das würde sich auch die Basis wünschen; die diesbezüglichen Kommentare unter YouTube-Beiträgen von „Lanz“, „Caren Miosga“ oder „Maischberger“ sprechen Bände.
IX. „Abgrenzungspraxis“ der AfD
Zunächst: Der wirklich eindeutig auf den ersten Blick erkennbare „Lunatic fringe“, der Narrensaum, wie etwa die braun kostümierte NS-Fraktion, muss von der aktiven politischen Gestaltung innerhalb der AfD zweifellos ferngehalten werden. Dies ist schon deshalb erforderlich, um zu signalisieren, dass sich in ihr nicht die Letzten von vorgestern, sondern vielmehr die Ersten von morgen versammelt haben. Doch wäre sie dennoch gut beraten, sich bei der Aufnahmepraxis in die Partei oder der GD nicht dogmatisch auf frühere Organisationszugehörigkeiten zu kaprizieren. Vielmehr sollte man bei jedem Aufnahmeantrag zu einer individuellen Überprüfung übergehen und immer den Einzelnen sehen und seine Entwicklung. Es hat sich in der Partei ein ziemlich eindimensionaler, unreflektierter Aus- und Abgrenzungsfuror etabliert, der in einer inzwischen endlos langen „Unvereinbarkeitsliste“ symbolischen Ausdruck findet. Hier könnte man von der elastischen Praxis des Rassemblement National, der Fratelli d’Italia oder der FPÖ durchaus lernen. Den irrationalen und oft gewaltsamen „Kampf gegen rechts“ muss die AfD ohnehin genauso am eigenen Leibe verspüren, wie „Schnellroda“, Identitäre, Burschenschaften und alle anderen Organisationen, die die zweifelhafte Ehre besitzen, in den jährlichen Berichten des Verfassungsschutzes
Erwähnung zu finden. Anbiederung hat sich noch nie ausgezahlt – und wird vom System erst recht nicht honoriert.
Hinweis: Der Beitrag wird mit dem zweiten Teil fortgesetzt und zwar hier!
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Tohuwabohu 1976; Bild darunter: Nitpicker / beide Shutterstock.com
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