Von Jan Ackermeier

Am 16. April 1947 fiel in Columbia, South Carolina, ein Satz, der die Nachkriegszeit prägen sollte: „Let us not be deceived; we are today in the midst of a cold war.“ Diese Worte sprach der einflußreiche US-Finanzier und Politikberater Bernard Mannes Baruch (1870–1965) bei der Enthüllung seines Porträts im Repräsentantenhaus seines Heimatstaates. Baruch, ein Multimillionär und langjähriger Ratgeber von Präsidenten wie Woodrow Wilson, Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman, war kein bloßer Beobachter. Er hatte im Zweiten Weltkrieg die US-Wirtschaft mobilisiert und war nun US-Vertreter in der UN-Kommission zur internationalen Atomenergiekontrolle (UNAEC). Die Rede zielte auf das Atomenergiekomitee der Vereinten Nationen und warnte vor den wachsenden Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion. Baruch betonte: „Unsere Feinde sind im Ausland und zu Hause zu finden. Unser Unmut ist der Kern ihres Erfolgs.“

Der Kalte Krieg beginnt
Der Begriff „Kalter Krieg“ stammte ursprünglich vom Journalisten Herbert Bayard Swope, einem engen Mitarbeiter Baruchs, wurde aber durch Baruch popularisiert. Zwei Jahre nach dem Sieg über Deutschland und Japan zerbrach die Allianz der Supermächte bereits wieder, weil die gemeinsamen Feinde besiegt waren und die systemischen Unterschiede jetzt offen zutage traten. Die Truman-Doktrin vom 12. März 1947, die wirtschaftliche Hilfe für Griechenland und die Türkei gegen kommunistische Einflüsse versprach, markierte den Auftakt. Die Sowjetunion unter Stalin baute ihren Ostblock aus, während die USA den Marshallplan vorbereiteten.

Atomwaffen verschärften die Lage
Die USA hatten 1945 Hiroshima und Nagasaki zerstört, die Sowjets testeten 1949 ihre erste Bombe. Ein „heißer“ Krieg wurde durch gegenseitige Abschreckung für Jahrzehnte verhindert – ein „kalter“ Konflikt aus Ideologie, Spionage und Stellvertreterkriegen wurde Realität. Der Journalist Walter Lippmann nahm den Begriff in seiner Kolumne im New York Herald Tribune auf und machte ihn weltberühmt. George Orwell hatte „cold war“ bereits 1945 genutzt, doch Baruchs Formulierung faßte die bipolare Weltordnung zusammen: Westen vs. Osten, Kapitalismus vs. Kommunismus, Freiheit vs. Diktatur. Der Kalte Krieg dauerte bis 1989/91 und prägte Jahrzehnte und Generationen mit besonderen Ereignissen wie dem Bau der Berliner Mauer oder der Kubakrise.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Bernard Mannes Baruch etwa im Jahr 1950. Urheber unbekannt.

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