Von Jan Ackermeier
Am 9. April 1865 betritt ein Mann die Bühne der Wissenschaft, der unser Verständnis von Krankheit und Gesundheit grundlegend verändern wird: Louis Pasteur. In einem Hörsaal der Pariser Sorbonne präsentiert der französische Chemiker seine neuesten Versuchsreihen – und mit ihnen eine Idee, die damals vielen noch kühn, manchen sogar gefährlich erscheint: Krankheiten werden von kleinsten Lebewesen verursacht, von Mikroorganismen, die mit bloßem Auge unsichtbar sind.
Pasteur tritt damit gegen eine lange Tradition an
Seit Jahrhunderten erklärten Ärzte Seuchen und Fäulnis mit „Miasmen“, üblen Ausdünstungen, oder mit einer spontanen „Urzeugung“ aus toter Materie. Pasteur dagegen zeigt systematisch, dass überall dort, wo Leben entsteht – etwa in Nährlösungen, die zu gären beginnen oder in Flüssigkeiten, die faulen –, Keime von außen eingedrungen sein müssen. In sorgfältig angelegten Experimenten mit sterilen Nährmedien und speziellen Kolben weist er nach, daß sich Mikroorganismen nur dann vermehren, wenn sie Zugang aus der Umgebung erhalten. Vor dem Publikum der Sorbonne erklärt Pasteur nicht nur seine Theorie, sondern auch eine konkrete praktische Anwendung: Durch kurzes, kontrolliertes Erhitzen lassen sich die Keime in Flüssigkeiten abtöten, ohne das Produkt selbst wesentlich zu verändern. Wein, Bier oder Milch verderben dann langsamer und sind sicherer für den Konsum. Was später „Pasteurisierung“ heißen wird, ist hier, am 9. April 1865, noch eine neue, erklärungsbedürftige Methode – doch ihre Tragweite deutet sich bereits an.
Die Reaktionen sind gemischt
Einige Kollegen sind beeindruckt von der Strenge seiner Experimente, andere verteidigen die gewohnten Erklärungsmodelle. Doch Pasteurs Auftreten an diesem Tag verschiebt die Gewichte. Seine Keimtheorie liefert die Grundlage dafür, Infektionsketten zu verstehen und Hygienemaßnahmen gezielt einzusetzen. Was im Hörsaal als wissenschaftlicher Vortrag beginnt, wirkt weit über die Universitätsmauern hinaus – bis in Krankenhäuser, Molkereien und Küchen auf der ganzen Welt. Der 9. April 1865 markiert damit einen unscheinbaren, aber entscheidenden Schritt in ein Zeitalter, in dem die unsichtbare Welt der Mikroben faßbar – und beherrschbar – wird.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Der Konflikt ist auch heute noch allgegenwärtig. Urheber unbekannt.
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