Von Jan Ackermeier

Am 20. März 1815 erreicht Napoleon Bonaparte, kaum drei Wochen nach seiner Flucht von der Mittelmeerinsel Elba, die französische Hauptstadt Paris und zieht unter dem Jubel vieler Anhänger in die Tuilerien ein. Die Rückkehr des gestürzten Kaisers markiert den Beginn jener kurzen, dramatischen Phase, die später als die „Hundert Tage“ in die Geschichte eingehen sollte. Nach seiner Niederlage von 1814 hatten die europäischen Mächte Napoleon zur Abdankung gezwungen und die Bourbonen mit Ludwig XVIII. auf den Thron gesetzt. Die Restauration erwies sich jedoch als fragil: Viele Offiziere der Grande Armée fühlten sich entehrt, Teile des Bürgertums und der Landbevölkerung waren unzufrieden mit der neuen alten Ordnung. Als Napoleon am 1. März 1815 an der Küste Südfrankreichs landete, gelang es dem König nicht, diese Unruhe politisch aufzufangen.

Statt auf Widerstand stieß Napoleon auf wachsende Unterstützung
Regimenter, die zu seiner Festnahme entsandt worden waren, liefen reihenweise zu ihm über, berühmt geworden ist die Szene, in der er seine Brust entblößt und den Soldaten zuruft, sie sollten auf ihren Kaiser schießen – worauf sie sich ihm anschließen. Der Marsch „von der Bucht von Juan nach Paris“ wurde damit zu einem Triumphzug, der die Legitimität der Bourbonenherrschaft schwer beschädigte. Als Napoleon am Abend des 20. März die Tuilerien betritt, hat Ludwig XVIII. bereits Paris verlassen und ist gen Norden geflohen. Ohne großes Blutvergießen nimmt Napoleon erneut die Regierungsgewalt an sich und versucht, seine Herrschaft als eine Art „konstitutionelles Kaisertum“ zu präsentieren, das sowohl die Errungenschaften der Revolution als auch die Bedürfnisse nach Stabilität und Ordnung vereinen soll.

Bei der politischen Elite Europas verhasst
Zugleich weiß er, dass die Monarchen Europas seine Rückkehr nicht hinnehmen werden. In Wien, wo seit 1814 der Kongress tagt, ist die Reaktion prompt: Napoleons Rückkehr wird als Bruch der Vereinbarungen und als Gefahr für das fragile europäische Gleichgewicht gewertet. Binnen kurzer Zeit schließen sich die Großmächte zu einer neuen Koalition zusammen, die entschlossen ist, den „Usurpator“ ein für alle Mal zu stürzen. Die „Hundert Tage“, die am 20. März 1815 in Paris beginnen, enden weniger als drei Monate später auf dem Schlachtfeld von Waterloo – und mit Napoleons endgültiger Verbannung auf die entlegene Atlantikinsel St. Helena.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Napoleon wird vom 7. Regiment unter der Führung von Oberst Charles de la Bédoyère in Grenoble am 7. März 1815 nach seiner Flucht von Elba begrüßt (Gemälde von 1818). Urheber unbekannt.

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