Von Jan Ackermeier
18. März 1962 – Ein Abkommen besiegelt das Ende eines Kolonialkriegs. Acht Jahre lang war Algerien das Schlachtfeld eines erbitterten Unabhängigkeitskrieges. Seit 1954 kämpfte die Front de Libération Nationale (FLN) gegen die französische Kolonialmacht – mit Guerillaangriffen, Attentaten und Anschlägen auf beiden Seiten, begleitet von Folter, „Verschwindenlassen“ und Massakern. Der Konflikt polarisierte nicht nur Algerien, sondern auch Frankreich selbst: Regierungen stürzten, die Vierte Republik brach zusammen, und Teile des Militärs radikalisierten sich bis hin zu Putschversuchen.

Der politische Druck war enorm
Vor diesem Hintergrund nahmen Präsident Charles de Gaulle und Vertreter der FLN schrittweise Verhandlungen auf. In Frankreich wuchs die Kriegsmüdigkeit, in Algerien nahm die Unterstützung für die Unabhängigkeitsbewegung zu, und international geriet Paris wegen der Kolonialpolitik immer stärker in die Defensive. Nach zähen Gesprächen kam es schließlich im Kurort Évian-les-Bains am Genfersee zur entscheidenden Verhandlungsrunde. Am 18. März 1962 wurden dort die Évian-Abkommen unterzeichnet. Sie regelten einen sofortigen Waffenstillstand, der am folgenden Tag in Kraft treten sollte, und schufen einen Rahmen für ein Referendum über die Zukunft Algeriens. Gleichzeitig wurden Fragen zu den Rechten der europäischen Siedler („Pieds-noirs“), zum Umgang mit Angehörigen der algerischen Hilfstruppen („Harkis“) sowie zu wirtschaftlichen und militärischen Übergangsregelungen festgeschrieben.
Formal war Algerien damit noch nicht unabhängig, aber der Weg dahin war klar vorgezeichnet
Wenige Monate später, nach einem Referendum mit überwältigender Zustimmung für die Unabhängigkeit, erkannte Frankreich den neuen algerischen Staat an. Für Frankreich bedeutete das Ende des Algerienkriegs einen tiefen Einschnitt: Die Zeit als große Kolonialmacht ging sichtbar zu Ende, und die Fünfte Republik unter de Gaulle konnte sich innenpolitisch stabilisieren. Der 18. März 1962 steht somit als Datum für das Ende eines der blutigsten Entkolonialisierungskriege des 20. Jahrhunderts – und für den schwierigen Übergang von kolonialer Herrschaft zu nationaler Selbstbestimmung.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Straßenkontrolle in Algier durch französische Truppen während des Algerienkriegs. Urheer: Horst Faas
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