Von Jan Ackermeier

Am 12. März 1947 betritt der amerikanische Präsident Harry S. Truman das Kapitol in Washington, D.C., um vor beiden Häusern des US‑Kongresses eine Rede zu halten, die die Weltordnung für Jahrzehnte prägen wird. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Vereinigten Staaten auf die politischen Umwälzungen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg reagieren sollen – insbesondere auf die instabile Lage in Griechenland und in der Türkei. Griechenland befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einem blutigen Bürgerkrieg zwischen der monarchistisch‑konservativen Regierung und kommunistischen Partisanen. Die Türkei steht unter starkem Druck der Sowjetunion, die ihren Einfluss im Mittelmeerraum ausweiten will. Das einst mächtige Großbritannien, das beide Länder bislang unterstützt hatte, ist wirtschaftlich ausgezehrt und kündigt an, diese Rolle nicht länger übernehmen zu können.

In dieses Vakuum stößt nun die USA
Truman zeichnet in seiner Rede ein Bild einer Welt, die sich in zwei Lager spaltet: hier die freien, demokratischen Staaten, dort die totalitären Regime. Die Vereinigten Staaten, so seine Botschaft, hätten nicht nur ein Interesse, sondern eine Pflicht, Völkern beizustehen, die „bewaffneten Minderheiten“ oder „äußerem Druck“ ausgesetzt sind. Konkret fordert Truman umfangreiche finanzielle und militärische Hilfe für Griechenland und die Türkei, um deren Widerstandskraft gegen den kommunistischen Einfluss zu stärken. Mit dieser Ansprache formuliert Truman erstmals offen, was später als „Containment“ bekannt wird: die Politik der Eindämmung sowjetischer Macht und kommunistischer Expansion. Was zunächst wie ein regionales Hilfsprogramm erscheint, wird schnell zur globalen Leitlinie amerikanischer Außenpolitik für die nächsten Jahrzehnte.

Die Truman‑Doktrin
Die Truman‑Doktrin markiert damit einen symbolischen und praktischen Beginn des Kalten Krieges – jenes jahrzehntelangen Konflikts zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion, der nicht als heißer Krieg, sondern als politischer, ideologischer und wirtschaftlicher Systemkampf geführt wird. Für viele Historiker ist der 12. März 1947 daher ein Schlüsseldatum des 20. Jahrhunderts: An diesem Tag tritt die USA endgültig aus der Tradition des Isolationismus heraus und übernimmt die Rolle einer weltweiten Schutzmacht der „freien Welt“ – mit weitreichenden Folgen für Konflikte und Bündnisse rund um den Globus. Gleichzeitig markiert dieses Datum auch den Niedergang der einstigen Weltmacht Großbritannien.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Präsident Harry S. Truman hält am 12. März 1947 seine Rede vor dem Kongreß. Urheber unbekannt.

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