Von Jan Ackermeier
Am 24. Februar 1582 setzt Papst Gregor XIII. mit einem Federstrich etwas in Gang, das bis heute unser Leben strukturiert – von der Steuerfrist bis zum Flugplan. Mit der Bulle „Inter gravissimas“ ordnet er eine umfassende Kalenderreform an, die den alten Julianischen Kalender ablösen soll. Seit der Antike hatten sich nämlich kleinste Abweichungen in der Berechnung des Sonnenjahres aufaddiert, so dass der Kalender gegenüber den Jahreszeiten um mehrere Tage „aus dem Takt“ geraten war.
Besonders spürbar wurde das Problem im Kirchenjahr
Das Datum des Frühlingsanfangs verschob sich immer weiter, und damit auch das Datum des Osterfestes, das sich nach astronomischen Kriterien richtet. Für eine Kirche, die ihre großen Feste präzise begehen wollte und sich zugleich als Hüterin der Ordnung Gottes verstand, war das mehr als eine bloße Rechenfrage – es war eine Frage der Glaubwürdigkeit. Die Lösung, die Gregor XIII. am 24. Februar 1582 verkündet, ist radikal und pragmatisch zugleich. Zum einen wird die Länge des Jahres leicht angepaßt: Nicht mehr alle durch 100 teilbaren Jahre sollen Schaltjahre sein, sondern nur noch jene, die auch durch 400 teilbar sind. So nähert sich das Kalenderjahr den tatsächlichen Sonnenlauf deutlich besser an. Zum anderen wird beschlossen, im Oktober 1582 zehn Tage einfach zu überspringen: Auf den 4. Oktober soll unmittelbar der 15. Oktober folgen. Für die Menschen jener Zeit bedeutet das, dass zehn Tage ihres Lebens „verschwinden“ – ohne Krieg, ohne Katastrophe, nur durch päpstlichen Erlass.
Die Reform setzt sich durch
Die Reform wird zunächst in den katholischen Ländern wie Italien, Spanien und Portugal übernommen, während protestantische und orthodoxe Gebiete sich oft jahrzehntelang weigern, dem „päpstlichen Kalender“ zu folgen. So kommt es über lange Zeit zu verwirrenden Doppel-Datierungen, etwa in der Diplomatie oder in Handelsverträgen. Erst nach und nach setzt sich der Gregorianische Kalender weltweit durch und wird schließlich auch zur Grundlage des internationalen bürgerlichen Kalenders. Was am 24. Februar 1582 in Rom als kirchliche Regelung veröffentlicht wird, prägt damit bis heute den Alltag von Milliarden Menschen – unabhängig von ihrer Religion. Der Erlass „Inter gravissimas“ ist ein Beispiel dafür, wie ein abstraktes Problem der Astronomie zu einer ganz konkreten Reform wird, die unsere Vorstellung von Zeit dauerhaft ordnet.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: GregorXIII. – Bartolomeo Passarotti zugeschrieben (1529–1592). Urheber unbekannt.
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