Von Dario Herzog

Erich von Däniken würde sich freuen. Der kürzlich verstorbene Schweizer, Buchautor zahlreicher Bücher zur Prä-Astronautik, der Wissenschaft über mögliche Besuche von Außerirdischen auf der Erde, würde sich bestätigt fühlen. Denn nicht nur die üblichen verschwörungstheoretischen Blogs, Kanäle und Netzseiten haben die Nachricht von Donald Trumps Versprechen gierig aufgegriffen, Unterlagen zu UFOs und Aliens zu veröffentlichen. Auch die Mainstreammedien berichten darüber. Nun also nach den „Epstein-Files“ der nächste Info-Hammer? Wer indes genau liest, was veröffentlicht werden soll, wird möglicherweise enttäuscht werden.

Wer Alien sein kann und was Bildungslücken anrichten
Mitte des Monats leistete sich der Co-Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, in einem Podcast mit dem stellvertretenden Bild-Chefredakteur Paul Ronzheimer einen richtigen Bildungsfehltritt. Er echauffierte sich über den Begriff „Alien“, den US-Behörden bei Abschiebungen verwenden – und nannte dies eine „Entmenschlichung“. Er dachte wohl, gemeint seien Aliens aus dem Weltall. Nun heißt „Alien“ im Englischen beziehungsweise US-Amerikanischen lediglich „Fremde“. Wenn also jemand in der US-Politik von Aliens spricht, meint er eben nicht unbedingt aus dem UFO steigende grüne oder graue Zottelwesen. Dennoch ist die UFO-Fangemeinde aktuell hellauf begeistert. Warum?

Neue Dynamik in Sachen UFOs
Die Diskussion über außerirdisches Leben hat in den Vereinigten Staaten erneut politische Dynamik erhalten: Auslöser sind aktuelle Aussagen von Donald Trump, der angekündigt hat, bislang als geheim eingestufte Regierungsdokumente zu UFOs und sogenannten UAPs („Unidentified Aerial Phenomena“) überprüfen und gegebenenfalls veröffentlichen zu lassen. Trump erklärte, er habe das Verteidigungsministerium und weitere zuständige Behörden angewiesen, sämtliche relevanten Unterlagen zusammenzustellen. Die Öffentlichkeit habe ein Recht auf Transparenz, so seine Begründung. Das große „Aber“ folgt indes ebenfalls: Zugleich stellte er nämlich klar, dass er selbst nicht wisse, ob Außerirdische real seien oder nicht. Wer also aus den Trump-Ankündigungen macht, dass die Existenz von Außerirdischen bestätigt werden wird, interpretiert Dinge in die Ankündigung, die sie einfach nicht hergeben.

Welche Dokumente betroffen sein könnten
Konkrete Aktenbestände nannte Trump ebenfalls nicht. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass es sich vor allem um militärische Sichtungsberichte, interne Analysen sowie Lagebewertungen handeln dürfte, die in den vergangenen Jahrzehnten im Umfeld des US-Militärs und der Nachrichtendienste entstanden sind. Bereits in den vergangenen Jahren hatte das United States Department of Defense mehrere Berichte zu unidentifizierten Flugphänomenen veröffentlicht. Diese hielten fest, dass ein Teil der gemeldeten Sichtungen bislang nicht abschließend erklärt werden konnte. Gleichzeitig wurde jedoch ausdrücklich betont, dass es keine belastbaren Beweise für außerirdische Technologie oder außerirdische Besucher gibt.

Neue alte Hüte?
Ob die nun angekündigte Freigabe neue Erkenntnisse enthalten wird oder im Wesentlichen bereits bekannte Einschätzungen bestätigt, ist derzeit offen. Erfahrungsgemäß zeigen frühere Veröffentlichungen vor allem technische Analysen, sicherheitspolitische Bewertungen und Hinweise auf mögliche natürliche oder menschengemachte Ursachen für beobachtete Phänomene. Und Sichtungen, die nicht erklärt werden können, aber mitnichten außerirdischen Ursprungs sind.

Obamas Aussagen sorgen für Zuspitzung
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Thema durch Äußerungen von Barack Obama, die Trump öffentlich kritisierte. Obama hatte in einem Interview erklärt, dass es nach allem, was ihm während seiner Amtszeit bekannt geworden sei, keine Beweise für außerirdische Raumschiffe oder außerirdische Präsenz auf der Erde gebe. Insbesondere äußerte er sich zur Area 51, die wirklich keine Kellerebenen habe, wie er versicherte. Gleichzeitig verwies er auf die enorme Größe des Universums und die statistische Wahrscheinlichkeit, dass irgendwo außerhalb unseres Planeten Leben existieren könnte. Diese Einschätzung entspricht der gängigen wissenschaftlichen Perspektive: Angesichts von Milliarden Galaxien und unzähligen Planetensystemen gilt außerirdisches Leben als möglich, konkrete Nachweise stehen jedoch weiterhin aus. Obama betonte zudem, dass es militärische Aufzeichnungen über Phänomene gebe, die eben nicht vollständig erklärt seien. „Unerklärt“ bedeute jedoch nicht automatisch „außerirdisch“, sondern spiegele häufig begrenzte Datenlagen oder technische Unsicherheiten wider. Genau an dieser Stelle setzte Trump mit seiner Kritik an und sprach davon, dass die Öffentlichkeit umfassend informiert werden müsse.

Zwischen öffentlicher Faszination und nüchterner Analyse
Die erneute Debatte zeigt, wie stark das Thema UFOs und außerirdisches Leben zwischen politischer Symbolik, öffentlicher Faszination und wissenschaftlicher Nüchternheit oszilliert. Während Teile der Bevölkerung spektakuläre Enthüllungen erwarten, deuten die bisherigen offiziellen Berichte eher auf sicherheitsrelevante Untersuchungen als auf Hinweise auf fremde Zivilisationen hin. Sollten tatsächlich weitere Akten veröffentlicht werden, dürfte dies vor allem zusätzliche Einblicke in interne Bewertungsprozesse liefern. An der grundlegenden Lage hat sich bislang nichts geändert: Die Existenz außerirdischen Lebens im Universum bleibt wissenschaftlich möglich, doch für eine außerirdische Präsenz auf der Erde gibt es weiterhin keine bestätigten Belege. Oder etwa doch? Wer den gestrigen CDU-Parteitag in Stuttgart im Live-Stream verfolgte, könnte Zweifel daran hegen, dass die CDU-Delegierten wirklich aus diesem Universum stammen, insbesondere das minutenlange Klatschen für Angela Merkel machte verdächtig…

Beitragsbild / Symbolbild und oben und Bild darunter: FOTOKITA / Shutterstock.com

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