Von Jan Ackermeier
Der 13. Februar 1895: In den Pariser Patentakten wirkt dieser Tag unscheinbar – doch tatsächlich beginnt hier die Erfolgsgeschichte des modernen Kinos. An diesem Mittwoch reichen die Brüder Auguste und Louis Lumière in Frankreich ein Patent für ein neuartiges „Appareil servant à l’obtention et à la vision des épreuves chrono-photographiques“ ein, das unter der Nummer FR 245.032 geführt wird. Hinter dieser sperrigen Bezeichnung verbirgt sich ein Apparat, der aufnehmen, entwickeln und projizieren kann – der Cinématographe.
Kino wird erfunden
Die Lumières sind zu diesem Zeitpunkt keine Unbekannten. In Lyon betreiben sie gemeinsam mit ihrem Vater Antoine eine erfolgreiche Fabrik für fotografische Platten und Filmmaterial, ihre Produkte werden weltweit verkauft. Der Vater hatte in Paris einen der neuen amerikanischen „Guckkasten-Apparate“, Thomas Edisons Kinetoscope, gesehen und seine Söhne ermutigt, einen Schritt weiterzugehen: Statt bewegte Bilder nur einem einzelnen Betrachter durch einen Schlitz zu zeigen, soll ein ganzes Publikum gemeinsam sehen können, wie Bilder laufen lernen.
Der Cinématographe erfüllt genau diese Idee
Er ist leicht, handlich und kombiniert drei Funktionen in einem Gerät: Kamera, Kopiergerät und Projektor. Ein neu konstruierter Transportmechanismus bewegt den perforierten Zelluloidfilm ruckweise hinter dem Objektiv – eine technische Lösung, die zum Vorbild für viele spätere Filmprojektoren wird. Damit gelingt es den Brüdern, kurze Szenen des Alltagslebens aufzuzeichnen und auf einer Leinwand vorzuführen, von Arbeitern, die die Fabrik verlassen, bis zu einem einfahrenden Zug.
Neuartiges Konzept
Der 13. Februar 1895 markiert dabei klar den Schritt von der Idee zum rechtlich geschützten technischen Konzept. Andere Pioniere, wie der heute fast vergessene Léon Bouly, hatten den Begriff „cinématographe“ bereits früher verwendet, doch ihre Patente waren verfallen. Nun sichern sich die Lumières Begriff und Technik, zunächst in Frankreich, kurz darauf auch in anderen europäischen Ländern. Ohne diesen juristischen Akt wäre die rasante Verbreitung ihres Systems kaum in derselben Weise verlaufen.
Erste Vorführungen folgen
Noch im selben Jahr folgen erste Vorführungen vor Fachkreisen, bevor am 28. Dezember 1895 in einem Pariser Café die oft zitierte „Geburtsstunde des Kinos“ schlägt. Der Weg dorthin beginnt allerdings nicht an diesem Dezemberabend, sondern mit Tinte, Formularen und einem technischen Text auf einem Schreibtisch der französischen Patentverwaltung – datiert auf den 13. Februar 1895. An diesem Tag erhält die moderne Kinogeschichte gewissermaßen ihre amtliche Geburtsurkunde.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Auguste und Louis Lumière im Jahr 1895. Urheber unbekannt.
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