Von Jan Ackermeier
Am 11. Februar 1975 wählt die konservative Partei Großbritanniens die damals 49‑jährige Margaret Thatcher zu ihrer Vorsitzenden. In einer Partei, die bis dahin fest in männlicher Hand war, setzt sich die Juristin und frühere Bildungsministerin gegen den amtierenden Parteichef Edward Heath durch – ein Signal tiefgreifenden Wandels im politischen Establishment des Landes.
Thatchers Wahl zur Parteichefin ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertZum einen wird sie damit zur ersten Frau an der Spitze einer großen britischen Partei. Zum anderen verkörpert sie einen klaren programmatischen Kurs: mehr Markt, weniger Staat, harte Linie gegenüber Gewerkschaften, ein unmißverständlicher Anspruch auf Führung. Schon früh zeichnet sich ab, dass ihre Persönlichkeit und ihre Positionen polarisieren werden.
International sorgt die Entscheidung der Konservativen rasch für Aufmerksamkeit
In Zeiten wirtschaftlicher Krisen, hoher Inflation und wachsender Unzufriedenheit mit der britischen Nachkriegsordnung erscheint eine Politikerin, die sich kompromißlos gibt und rhetorisch scharf auftritt, vielen als radikale Alternative – anderen als bedrohliche Herausforderung für soziale Errungenschaften. Ihre Gegner verleihen ihr bald den Spitznamen „Iron Lady“, den sie selbstbewußt annimmt und zur politischen Marke macht. Vier Jahre nach diesem 11. Februar, 1979, wird Margaret Thatcher als erste Frau zur Premierministerin des Vereinigten Königreichs gewählt – und damit zur ersten weiblichen Regierungschefin eines größeren europäischen Staates. Die innerparteiliche Zäsur von 1975 erweist sich rückblickend als Wendepunkt: Mit ihr beginnt eine Epoche des wirtschafts‑ und gesellschaftspolitischen Umbaus, deren Folgen weit über Großbritannien hinausreichen und bis heute kontrovers diskutiert werden.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Margaret Thatcher nach ihrer Wahl zur Parteichefin. Urheber unbekannt.
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