Von Jan Ackermeier
Am 9. Februar 1895 präsentiert der junge Sportdirektor William G. Morgan im YMCA von Holyoke, Massachusetts, ein neues Rückschlagspiel, das er „Mintonette“ nennt. Gedacht ist es als Alternative zu dem damals noch relativ neuen, aber körperlich deutlich anstrengenderen Basketball. Morgan sucht nach einer Spielidee, die auch von älteren oder weniger trainierten Männern problemlos ausgeübt werden kann – ohne ständige Körperkontakte, aber dennoch mit Bewegung, Koordination und Teamgeist.
Die Grundidee ist ebenso simpel wie genialZwei Mannschaften stehen sich durch ein Netz getrennt gegenüber und versuchen, einen Ball so über das Netz zu spielen, dass die Gegenseite ihn nicht regelgerecht zurückschlagen kann. Anders als beim Tennis gibt es kein festes Einzelduell, und im Unterschied zum damaligen Hallenturnen verbindet „Mintonette“ freies Spiel mit klaren Regeln. Der Ball soll möglichst lange in der Luft gehalten werden – eine dynamische, aber körperlich weniger riskante Form des Wettkampfs.
Der Name „Volleyball“ setzt sich durch
Schon kurz nach der Vorstellung des Spiels beginnt sich „Mintonette“ in den YMCA-Zentren Neuenglands zu verbreiten. Trainer und Spieler experimentieren mit Netzhöhen, Feldgrößen und Schlagtechniken. Aus dem relativ offenen Konzept entwickeln sich Schritt für Schritt genauere Regeln. Bald setzt sich auch ein neuer Name durch: „Volleyball“ – eine Bezeichnung, die den Kern der Sportart besser trifft, nämlich den Ball „volley“, also direkt aus der Luft, zu spielen. Von der Turnhalle in Holyoke aus tritt Volleyball seinen Weg über die gesamten Vereinigten Staaten an und wird schließlich zu einer weltweiten Sportart. Besonders im 20. Jahrhundert findet das Spiel Eingang in Schulsport, Vereine und internationale Wettkämpfe. 1964 wird Volleyball olympische Disziplin und ist damit endgültig im Kanon der großen Mannschaftssportarten angekommen. Was am 9. Februar 1895 als pragmatische Lösung für ein YMCA-Trainingsproblem beginnt, entwickelt sich zu einem globalen Phänomen – und macht William G. Morgan posthum zum „Erfinder“ einer der populärsten Ballsportarten der Moderne.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: William G. Morgan, der Erfinder des Volleyballs, im Jahr 1915. Urheber unbekannt.
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