Von Jan Ackermeier
Der 6. Februar 1959 markiert den Beginn einer technischen Revolution: In Dallas, Texas, reicht der Elektroingenieur Jack St. Clair Kilby bei der US‑Patentbehörde eine Anmeldung mit dem Titel „Miniaturized Electronic Circuits“ ein. Darin beschreibt er ein neuartiges Bauteil, bei dem alle wesentlichen Komponenten eines elektronischen Schaltkreises – Transistoren, Widerstände, Kondensatoren – in einem einzigen Stück Halbleitermaterial vereint sind. Die Idee war Kilby wenige Monate zuvor in einem erstaunlich stillen Moment gekommen: Während der Sommerferien 1958, als fast die gesamte Belegschaft von Texas Instruments im Urlaub war, saß der neu eingestellte Ingenieur allein im Labor und grübelte über das Problem der „Miniaturisierung“ von Elektronik nach. Statt wie bisher viele einzelne Bauteile auf Platinen zu löten, wollte er alle Funktionselemente direkt aus demselben Material formen – ein radikaler Bruch mit der bisherigen Praxis. Am 12. September 1958 demonstrierte Kilby seinem Arbeitgeber einen ersten funktionsfähigen Prototypen aus Germanium, der zeigte, dass seine Idee praktisch umsetzbar war.
Die Erfindung wird spruchreif
Mit der Patentanmeldung vom 6. Februar 1959 wird diese Idee offiziell als Erfindung beansprucht – der integrierte Schaltkreis, das Herzstück der modernen Mikroelektronik. Der Weg vom Laborversuch zum Massenprodukt war zwar noch lang, und parallel arbeitete Robert Noyce bei Fairchild Semiconductor an einem eigenen, technisch anders gelösten IC-Konzept, doch Kilbys Schritt markiert den Übergang von der „diskreten“ zur integrierten Elektronik. Ohne integrierte Schaltkreise wären Mikroprozessoren, Computer, Smartphones, Navigationsgeräte oder digitale Kameras in ihrer heutigen Form undenkbar – ganze Branchen und Arbeitswelten verdanken dieser Miniaturisierung ihre Existenz.
Die Bedeutung dieser Innovation wurde erst mit Verzögerung vollständig erkannt
Erst 1964 kamen die ersten praktischen Anwendungen wie Taschenrechner auf den Markt, doch danach beschleunigte sich die Entwicklung rasant und folgte bald der von Gordon Moore beschriebenen Verdopplungsdynamik der Transistordichte. Im Jahr 2000 erhielt Jack Kilby schließlich den Nobelpreis für Physik „für seinen Anteil an der Erfindung des integrierten Schaltkreises“ – eine späte, aber eindrucksvolle Bestätigung dafür, dass jener 6. Februar 1959 zu den Schlüsseldaten der Technikgeschichte des 20. Jahrhunderts gehört.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Die Kreuzigung der Märtyrer von Nagasaki, 1597. Stich von Wolfgang Kilian, 1628.
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