Von Jan Ackermeier

Am 5. Februar 1597 erreicht die Christenverfolgung in Japan einen blutigen Höhepunkt. In der Hafenstadt Nagasaki werden 26 Männer – japanische Christen und ausländische Missionare – öffentlich hingerichtet. Auf Befehl des Machthabers Toyotomi Hideyoshi werden sie an Holzkreuze gebunden, mit Stricken fixiert und mit Lanzen durchbohrt. Ihr gemeinsames „Verbrechen“: das Bekenntnis zum christlichen Glauben in einem Land, das diesen zunehmend als Bedrohung für Ordnung und Herrschaft ansieht.

Christentum verbreitet sich
Das Christentum war im 16. Jahrhundert durch portugiesische und spanische Missionare nach Japan gekommen und hatte zunächst erstaunlich rasch Anhänger gefunden, auch unter Teilen des Adels. Doch die wachsende Zahl von Konvertiten wecken Mißtrauen. Hideyoshi, der das Reich politisch einigt, will jede potentielle Konkurrenz zu seiner Autorität unterdrücken. In diesem Klima werden Missionare ausgewiesen, Gemeinden unterdrückt – und schließlich einzelne Gläubige als warnendes Beispiel ausgewählt.

Einfache Christen Opfer
Zu den 26 Verurteilten zählen Franziskaner, Jesuiten und vor allem einfache japanische Laien, darunter auch Jugendliche. Ihr Leidensweg beginnt mit einem öffentlichen Demütigungsmarsch: Von Kyoto und Osaka aus werden sie bei winterlicher Kälte über Hunderte Kilometer nach Nagasaki geführt, sichtbar für die Bevölkerung, damit alle die Härte der Macht vor Augen geführt bekommen. In Nagasaki angekommen, erwartet sie kein schnelles, verborgenes Ende, sondern eine Hinrichtung, die bewußt als Abschreckung inszeniert ist.

Doch die Wirkung fällt anders aus, als die Behörden erhoffen
Die Sterbenden beten und singen während der Hinrichtung, und in den Augen vieler Beobachter werden sie zu Zeugen eines Glaubens, den keine Gewalt brechen kann. Aus der propagandistischen Machtdemonstration wird ein Ereignis, das Gläubige über Jahrhunderte hinweg inspiriert. 1862, mehr als 250 Jahre nach der Hinrichtung, spricht Papst Pius IX. die 26 Märtyrer von Nagasaki heilig. In der Katholischen Kirche gelten sie seither als Symbol für Standhaftigkeit und Glaubenstreue. In Japan erinnern heute Denkmäler, Kirchen und Gedenkstätten an ihr Schicksal. Das Kalenderblatt zum 5. Februar ruft damit nicht nur eine Episode religiöser Verfolgung in Erinnerung, sondern stellt auch die zeitlose Frage, welchen Preis Menschen bereit sind, für ihren Glauben zu zahlen.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Die Kreuzigung der Märtyrer von Nagasaki, 1597. Stich von Wolfgang Kilian, 1628.

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