Von Dario Herzog
Nicht selten wird von den Schafen gesprochen, die ihre Metzger selbst wählen. Nicht anders scheint es im übertragenen Sinne in Baden-Württemberg zu sein. Im Südwesten der Republik findet die nächste Landtagswahl am 8. März statt. Besonders interessant könnte der Umstand sein, dass erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen dürfen. Die Umfragen sind zwar nur ein Stimmungsbild wenige Wochen vor dem Wahltermin und natürlich schwingt immer ein wenig die aktuelle Bundespolitik mit, aber eine politische Alternative ist dennoch nicht zu sehen. Woran liegt das, wenn die letzten Trendzahlen eindeutig nach unten zeigen?
Die aktuellen Umfrageergebnisse
Nach den jüngsten Umfragen zeigt sich folgendes Stimmungsbild: Die CDU liegt meist als stärkste Kraft vorn und erreicht in den aktuellen Erhebungen rund 29 bis 30 Prozent. Bündnis 90/Die Grünen kommen in einigen Umfragen auf etwa 21 bis 23 Prozent und rangieren damit hinter der CDU auf Platz zwei, teils mit leichtem Aufwärtstrend. Die AfD wird in verschiedenen Erhebungen relativ stabil bei rund 20 Prozent gesehen. Die SPD liegt überwiegend bei etwa 10 Prozent und weist tendenziell leicht rückläufige Werte auf. Die FDP bewegt sich je nach Umfrage knapp über oder knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde, sodass ihr Einzug in den Landtag als unsicher gilt. Die Linke erreicht in einzelnen Umfragen etwa 7 Prozent und hätte damit Chancen auf den Wiedereinzug ins Parlament.
Der Trend zeigt nach unten
In Baden-Württemberg zeigen aktuelle Trendzahlen mehrere Bereiche mit einer negativen Entwicklung, besonders auf dem Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit ist seit 2023 kontinuierlich gestiegen, 2025 wurde mit einer Quote von 4,6 Prozent ein jahresdurchschnittlich hoher Wert erreicht – der höchste seit 2006 – und im Januar 2026 stieg die Quote (nur saisonbedingt ?) weiter auf 4,8 Prozent, während die Zahl der Arbeitslosen auf über 310.000 „Personen“, meist Deutsche, zunahm, was dem höchsten Stand seit 2007 entspricht. Auch die Jugendarbeitslosigkeit steigt, im Januar 2026 lag sie mit 3,8 Prozent höher als im Vorjahr, was auf eine Verfestigung auf dem Arbeitsmarkt hindeutet. Ein weiterer negativer Trend ist die langanhaltende Schwäche am Stellenmarkt: Die Zahl der offenen Stellen liegt weiterhin auf einem niedrigen Niveau, teils rückläufig gegenüber dem Vormonat und niedriger als im Vorjahr, was den Druck auf Beschäftigung und Jobsuche erhöht.
Länderranking der Familienunternehmer mit Platzverlust
In der neuesten Studie des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen belegt Baden-Württemberg im Gesamtindex der Wirtschafts- und Standortattraktivität nur noch Rang 5 unter den deutschen Bundesländern. Das Land verlor dabei insbesondere in den Subindikatoren wie Infrastruktur und Arbeit/Humankapital Punkte gegenüber anderen Ländern, so dass es im Vergleich zum Vorjahr beziehungsweise früheren Rankings nicht mehr unter den Top 3 liegt. Sachsen und Bayern bilden dort weiterhin die Spitze des Rankings, vor Niedersachsen auf Platz 3, während Baden-Württemberg hinter diesen drei Ländern rangiert. „Grün-schwarze Politik macht Baden-Württemberg inzwischen vom Zugpferd zum Mitläufer“, kommentiert der wirtschaftspolitische AfD-Fraktionssprecher Bernd Gögel (MdL) die Mannheimer ZEW-Studie zur Standortattraktivitä und ergänzt:
„Wenn selbst eine wirtschaftsnahe Stiftung feststellt, dass Baden-Württemberg im Länderranking zurückfällt, ist das ein Alarmzeichen erster Ordnung. Wir rutschen von Platz drei auf fünf ab, während sogar Niedersachsen an uns vorbeizieht und Sachsen den Spitzenplatz erreicht. Das ist das direkte Ergebnis grüner Verbotspolitik, maroder Infrastruktur und mangelnder Fachkräftepolitik. Besonders beschämend ist, dass der Südwesten bei der Kinderbetreuung auf dem letzten Platz landet. So vertreibt man Fachkräftefamilien und wundert sich dann über den Fachkräftemangel. Gleichzeitig werden Milliarden in Bürokratie, Soziales und ideologische Projekte gesteckt, statt in Straßen, Schienen, Digitalisierung und Planungsbeschleunigung. Wer den Wirtschaftsstandort wirklich stärken will, braucht weniger Steuer- und Energielasten, schnellere Genehmigungen und eine familienfreundliche Infrastruktur. Diese Politik gibt es nur mit der AfD.“
AfD liegt richtig, aber Grüne ziehen trotzdem vorbei
Die Analyse der AfD scheint richtig, aber warum stehen die Grünen in Umfragen besser dar als die AfD? Sind es einfach regionale Unterschiede in Themenagenda und Prioritäten oder den Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir? Die AfD-Unterstützung korreliert oft mit Themen wie Unzufriedenheit mit Migration, EU-Kritik oder Gefühl von kultureller Bedrohung. Das sind auch im Südwesten Themen, die immer wichtiger werden. In Baden-Württemberg, wo regionale Identität und ökologische Fragen in der Vergangenheit stärker im Fokus standen als reine Protest-Motivationen, kann das auch in Zukunft die relative Unterstützung für die AfD dämpfen, wenngleich vor allem die EU-Autopolitik der Grünen besonders in Baden-Württemberg dazu führen sollte, dass sich mehr Wahlberechtigte von den linken Parteien abwenden. Mit anderen Worten: Muss es den Autochthonen im eigenen Land noch schlechter gehen, damit sie wach werden? Man könnte erneut das Bild der Schafe bemühen: in Baden-Württemberg trauen sie nicht nur ihren Metzgern, sondern sind wohl auch noch besonders schläfrig…
Beitragsbild / Symbolbild und Mitte: rarrarorro / Shutterstock.com
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