Von Jan Ackermeier
Am 27. Jänner 1983 verstummte in Nantes das vielleicht lauteste Lachen des französischen Kinos. Louis de Funès, der unnachahmliche Meister der Grimasse, des Wutanfalls und des präzisen Komödientempos, starb 68-jährig an den Folgen eines Herzinfarkts. Mit seinem Tod verlor Frankreich weit mehr als einen Schauspieler – es verlor eine Figur, die über zwei Jahrzehnte lang den Spiegel des bürgerlichen Frankreichs hielt.
Ursprung Spanien
Geboren 1914 als Sohn spanischer Einwanderer, arbeitete de Funès sich mühsam durch unzählige Kleinstrollen, ehe er mit „Oscar“ und den „Gendarm“-Filmen Mitte der 1960er-Jahre zum Volksidol wurde. Seine Figuren – pedantische, autoritätshörige Choleriker – waren überzeichnete Karikaturen eines Landes in Umbruchstimmung, und doch von tiefer Menschlichkeit durchdrungen. Er brachte das Publikum zum Lachen, indem er seine Zeit und ihre Typen ernst nahm: den eifrigen Beamten, den patriarchalischen Familienvater, den kleinlichen Aufsteiger, der stets an sich selbst scheitert.
Eigentlich ein Eigenbrötler?
Privat lebte de Funès zurückgezogen auf Schloß Clermont bei Nantes, wo er Rosen züchtete und die Abgeschiedenheit suchte. Hinter der Bühnenmaske des Hitzkopfs stand ein frommer Katholik, fest verwurzelt im Glauben und der Überzeugung, dass Ordnung und Moral das Fundament jeder Gesellschaft bilden müssten. Zugleich war er Monarchist aus Überzeugung, verehrte Ludwig XVI. und besuchte regelmäßig die Heilige Messe zum Gedenken an den König – Ausdruck seines konservativen Weltbilds, das sich mit seinem Pflichtgefühl und seiner Skepsis gegenüber gesellschaftlichen Umbrüchen verband. Trotz oder vielleicht wegen dieser inneren Strenge machte ihn das Publikum zur beliebtesten Komikerfigur des europäischen Nachkriegskinos. Über 160 Filme tragen seine Handschrift. Louis de Funès blieb ein Schauspieler des Volkes, ein genauer Beobachter menschlicher Schwächen und ein Komödiant mit moralischem Kern.
Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Louis de Funès im Jahr 1953. Urheber unbekannt.
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