Von Jan Ackermeier

Am 23. Jänner 41 n. Chr. endet in Rom eine der berüchtigtsten Herrschaftszeiten des frühen Prinzipats: Kaiser Caligula wird im Palast auf dem Palatin von Angehörigen der Prätorianergarde ermordet. Der junge Princeps, der einst mit großen Hoffnungen auf Kontinuität nach Tiberius begonnen hatte, war in nur knapp vier Regierungsjahren zum Inbegriff des tyrannischen, launenhaften und grausamen Herrschers geworden.

Schlimmste Auswüchse
Die antiken Quellen berichten von Demütigungen des Senats, skurrilen Auftritten, maßlosen Bauprojekten und einer Politik, die immer stärker von persönlicher Willkür als von staatlicher Vernunft geprägt war. Ob alle Anekdoten – etwa die berühmte Geschichte vom zum Konsul ernannten Pferd – historisch zuverlässig sind, ist umstritten; doch einig sind sich die Berichte, dass Caligula die Macht des Senats offen mißachtete und selbst vor religiösen Blasphemien nicht zurückschreckte. In diesem Klima aus Angst, Unsicherheit und politischer Entmachtung reifte in Teilen der Elite der Entschluß, den Kaiser zu beseitigen. Die Verschwörung kulminiert an diesem Jännertag, als Caligula nach Spielen und Auftritten durch einen Gang im Palast geht. Dort stellen sich ihm mehrere Verschwörer, angeführt vom Tribunen Cassius Chaerea, in den Weg. Sie greifen ihn mit Dolchen an und fügen ihm zahlreiche Wunden zu; auch seine Frau Caesonia und die gemeinsame Tochter werden wenig später getötet. Der Mord ist kein spontaner Akt, sondern das Ergebnis einer geplanten Palastrevolution aus dem innersten Kreis seiner eigenen Leibgarde.

Endlich tot
Mit Caligulas Tod ist die Frage der Nachfolge zunächst völlig offen. Im Chaos der Stunden nach dem Attentat versteckt sich sein Onkel Claudius, der bislang eher als unscheinbarer, körperlich beeinträchtigter Angehöriger der julisch‑claudischen Dynastie galt. Prätorianer finden ihn, erklären ihn zum neuen Princeps und sichern sich im Gegenzug großzügige Donative. So markiert der 23. Jänner 41 nicht nur das Ende Caligulas, sondern zugleich den Beginn der Herrschaft des Kaisers Claudius – und zeigt, wie entscheidend die Loyalität der Prätorianergarde für die Stabilität der römischen Kaiserherrschaft geworden ist und in Zukunft bleiben wird.

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Büste des Kaisers Caligula. Urheber unbekannt.

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