Von Dario Herzog

Wer heute die deutschen Mainstreammedien liest, wird beim Blick nach Chile damit konfrontiert, dass ein Sohn eines Wehrmachtsangehörigen die Präsidentenwahl in Chile gewonnen hat. Das kann natürlich kein guter Mensch sein, oder? Und so ist es auch: Natürlich wird der neue Präsident als „ultrarechts“ verortet, zum Rechtsextremisten verklärt – oder zumindest zum deutschfreundlichen Staatschef, was ja per se schlimm zu sein hat. Er sei „deutscher Abstammung“, schreiben die selbsterklärten Leitmedien. Im linken Kontext darf man also auf die Abstammung hinweisen, denn das belegt – natürlich nur zwischen den Zeilen – eine böse genetische Veranlagung, oder wie? Die Welt ist aber komplizierter, aber eines stimmt: Auch in Chile wird künftig eine Migrationswende, eine Remigration eingeleitet. Die Welt rückt auch in Südamerika wieder ein Stück weiter nach rechts! Und das ist gut so!

Aber wer ist der neue Staatschef nun wirklich?
José Antonio Kast heißt der neue Staatschef. Er hat deutsch-chilenische Wurzeln und stammt aus einer traditionsbewussten Familie, ging auf eine deutsche Schule. Geboren und aufgewachsen in Chile, prägten ihn früh Werte wie Leistungsbereitschaft, gesellschaftliche Ordnung und persönliches Verantwortungsbewusstsein, heißt es. Aber ist er wirklich so „ultrarechts“? Politisch wurde Kast zunächst im parlamentarischen Umfeld aktiv, bevor er sich als eigenständige Stimme des konservativen und liberal-wirtschaftlichen Spektrums profilierte. Sein Umfeld ist geprägt von Juristen, Ökonomen, Unternehmern und zivilgesellschaftlich engagierten Persönlichkeiten, die staatliche Effizienz, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Stabilität in den Mittelpunkt stellen. Mit der Gründung und Führung einer eigenständigen politischen Bewegung positionierte sich Kast bewusst als Vertreter klarer Prinzipien und volksnaher Politik, was ihm insbesondere bei Wählerinnen und Wählern Anerkennung einbrachte, die konservative Prinzipien wie Verlässlichkeit, Ordnung und langfristige Perspektiven für Chile schätzen. Kein Wunder, ist der neunfache Familienvater auch strenggläubig.

Konservativer oder Kommunistin?
Was etliche der deutschsprachigen Leitmedien verschweigen: bei der Präsidentschaftswahl setzte sich Kast in der Stichwahl gegen die linksextreme Kandidatin Jeannette Alejandra Jara Román durch und gewann das Amt des Präsidenten mit rund 58 Prozent der Stimmen gegenüber etwa 41 Prozent für Jara. Kasts Wahl gilt somit als eindeutiger Richtungsentscheid für Chile, getragen von Themen wie Sicherheit und Migration, die im Wahlkampf – wie auch überall in Europa – im Mittelpunkt standen. Jeannette Jara gehört der Kommunistischen Partei Chiles (PCCh) an und war Ministerin für Arbeit und Sozialversorgung im Kabinett von Präsident Gabriel Boric von März 2022 bis April 2025 und zuvor Unterstaatssekretärin für Sozialversorgung unter Präsidentin Michelle Bachelet. Jara führte die Regierungskoalition „Unidad por Chile“ als deren Präsidentschaftskandidatin bei der jetzigen Wahl an – und scheiterte nun deutlich, obwohl sie die Vorwahl für sich entschied. Damit ist die linkslinke Regierung bereits nach einer Wahlperiode gescheitert. Und das scheint ein Trend in Südamerika zu sein, denn nichtslinks und wirtschaftsnah aufgestellt sind mittlerweile auch die Regierungen von Argentinien, Bolivien, Peru, Paraguay und Ecuador.

Ein Präsident des rechten Aufbruchs
Mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Kast wird sich einiges in Chile ändern: Kast kündigte den Bau von neuen Gefängnissen an und ein konsequentes Vorgehen gegen illegale Migranten. In Chile wird der Migrationsanteil an der Bevölkerung bei rund 10 Prozent gesehen, wobei ein erheblicher Anteil davon illegal im Land ist. Zudem möchte Kast die Unternehmenssteuern senken. Die Präsidentschaft steht dabei nicht nur symbolisch für Erneuerung, sondern auch für einen strukturierten politischen Fahrplan, der vor allem wirtschaftliche Stabilität und eine Migrationswende miteinander verbindet. Im Mittelpunkt steht eine konsequente Sicherheits- und Rechtsstaatspolitik, die Kriminalität wirksam bekämpfen und den Schutz von Bürgern, Eigentum und öffentlichen Institutionen gewährleisten soll – Forderungen und Ziele aller Rechtsparteien. Wirtschaftspolitisch setzt Kast klar auf marktwirtschaftliche Prinzipien, Investitionssicherheit und eine Entlastung von Unternehmen, insbesondere von kleinen und mittleren Betrieben, um Wachstum und Beschäftigung zu fördern. Gleichzeitig betont er die Bedeutung familiärer Strukturen, eigenverantwortlicher Vorsorge und eines schlanken, effizienten Staates, der sich auf seine Kernaufgaben konzentriert. Hier könnte Argentinien/Milei Pate stehen. Aber auch der Unternehmergeist seiner Familie. Es gibt eben doch einiges, was sich vererbt!

Beitragsbild / Symbolbild und Bild oben: Xand7777 / Shutterstock.com; Bild darunter: Equipo Kast (CC BY 4.0)

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