Von Jan Ackermeier
Am 12. Dezember 1925 öffnet in San Luis Obispo im US-Bundesstaat Kalifornien ein neuartiges Haus seine Türen, das zum Symbol einer neuen Reisekultur werden sollte: das „Milestone Mo-Tel“. Es gilt als das erste Motel der Welt, das ausdrücklich für Autotouristen konzipiert wurde und damit eine Lücke schloß, die das rasch wachsende Automobilzeitalter aufgetan hatte. In den 1920er-Jahren nahm der Individualverkehr in den USA rasant zu. Immer mehr Menschen legten große Distanzen mit dem eigenen Auto zurück, doch die klassische Hotellandschaft war darauf kaum vorbereitet. Hotels lagen meist in Innenstädten, waren vergleichsweise teuer und boten selten unkomplizierte Parkmöglichkeiten. Wer unterwegs übernachten wollte, musste improvisieren – oft mit einfachen „auto camps“ oder sehr einfachen Unterkünften am Straßenrand.
Das neue Mo-Tel
Das „Milestone Mo-Tel“ setzte hier an und kombinierte ein einfaches, aber funktionales Zimmerangebot mit einem klar auf Autofahrer zugeschnittenen Grundriß: Die Gäste konnten unmittelbar vor ihrer Unterkunft parken und ihr Gepäck direkt aus dem Wagen ins Zimmer bringen. Der Name „Mo-Tel“ – eine Verschmelzung von „Motor“ und „Hotel“ – machte das Programm deutlich: gedacht für Menschen, die mit dem Auto unterwegs sind, nur kurz bleiben und am nächsten Morgen schnell weiterfahren wollen. Aus dieser lokalen Initiative entwickelte sich ein Modell, das die Reiselandschaft der USA nachhaltig veränderte. Entlang der großen Fernstraßen und später der Interstates entstanden zahllose Motels, die nach ähnlichem Muster funktionierten: gut mit dem Auto erreichbar, relativ günstig, ohne großen Luxus, aber mit direktem Zugang zum Fahrzeug. Für Familien auf Urlaubstour, Berufskraftfahrer oder Geschäftsreisende wurde das Motel zur selbstverständlichen Station auf langen Fahrten.
Beitragsbild / Symbolbild: Das „Milestone Mo-Tel“ in San Luis Obispo in den 1950er-Jahren. Urheber unbekannt.
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